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15. November 2018 Suche nach Therapie gegen Alzheimer geht weiter

Bekanntlich ist die Suche nach Medikamenten gegen die Alzheimer-Erkrankung von herben Rückschlägen geprägt. In Zahlen: In den 10 Jahren zwischen 2002 und 2012 scheiterten 99,6% aller 413 in Studien untersuchten Substanzen – nur das inzwischen alt-bekannte Memantine erhielt eine Zulassung. Auch alle neueren Substanzen konnten die in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllen. Viele Unternehmen haben sich deshalb aus dem Feld zurückgezogen. Roche dagegen will weiter forschen und investieren, wie Dr. Colin Wernsdörfer, Medical Director Neuroscience bei Roche, auf einem Pressegespräch im Rahmen des DGN-Kongresses bekräftigte.
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Die Alzheimer-Erkrankung beginnt lange bevor sich erste klinische Symptome zeigen. Das erläuterte Prof. Dr. Karl-Max-Einhäupl, Berlin. Diese werden erst sichtbar, wenn sich der fortschreitende Verlust an Nervenzellen, Synapsen und Acetylcholin nicht mehr kompensieren lässt. Inzwischen lassen sich die molekularen Veränderungen klar in Relation zu den Symptomen setzen: Zuerst kommt es zu einer Akkumulation von Amyloid-beta, dann von Tau; danach lassen sich zunächst Veränderungen in der Gehirnstruktur und später ein Nachlassen der Gedächtnisleistungen nachweisen. Von einer manifesten Demenz spricht man, wenn die Betroffenen dadurch im Alltag nicht mehr zurecht kommen, so Prof. Dr. Lutz Fröhlich, Mannheim. Eine Therapie, die den Krankheitsverlauf modifizieren kann, sollte deshalb so früh wie möglich im Verlauf ansetzen.

Deshalb ist die Früherkennung von essentieller Bedeutung. Auf diesem Gebiet wurden in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt: Mittels Lumbalpunktion lassen sich heute sowohl Amyloid-beta als auch Tau-Proteine als zuverlässige Biomarker für einen baldigen Ausbruch der Erkrankung im Liquor cerebrospinalis nachweisen. Auch mittels funktioneller Bildgebung ist eine Diagnose im Frühstadium möglich, so Fröhlich.

Gerade auf dem Gebiet der Biomarker sieht Wernsdörfer sein Unternehmen gut aufgestellt – bereits im kommenden Jahr sollen die Tests marktreif sein. Darüberhinaus sind sie auch für die eigenen klinischen Studien von großer Bedeutung. So glaubt Roche weiterhin an seine beiden Antikörper Crenezumab und Gantenerumab gegen Amyloid-beta. Die bislang negativen Studienergebnisse lassen sich nach Überzeugung von Wernsdörfer dadurch erklären, dass die bislang untersuchten Studienpopulationen zu heterogen waren und die Krankheit bereits zu weit fortgeschritten. Zudem waren im Nachhinein betrachtet die Beobachtungszeit zu kurz und die Dosierung zu niedrig. Schließlich habe man gelernt, dass die Endpunkte nicht optimal geeignet gewesen seien, um die erwartbaren Effekte zu erfassen. All diese Erkenntnisse fließen in das derzeit laufende neue Studienprogramm mit den Substanzen ein. Ergebnisse werden in den kommenden beiden Jahren erwartet. In einer frühen Entwicklungsphase befindet sich darüber hinaus ein anti-Tau-gerichteter Antikörper.

Dr. rer. nat. Anne Benckendorff

Quelle: Pressegespräch „Herausforderungen der modernen Neurologie am Beispiel der Alzheimer-Krankheit“, DGN-Kongress, 01.11.2018, Berlin; Veranstalter: Roche


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