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Medizin

04. Juni 2020 Aktuelle Daten zu Harnsteinerkrankungen auf dem 72. DGU-Kongress

„Aktuelle Entwicklungen bei der Diagnostik, den minimal-invasiven Therapien und der Prävention von Steinerkrankungen werden wir auf dem 72. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie diskutieren“, sagt der Präsident der Fachgesellschaft, Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler. Der Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie der SLK-Kliniken Heilbronn leitet die weltweitdrittgrößte urologische Fachtagung, die vom 23.-26. September 2020 in Leipzig stattfinden soll.
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Als ursächlich für die ansteigende Häufigkeit von Harnsteinerkrankungen in Deutschland und anderen westlichen Industrieländern gelten zunehmendes Übergewicht und veränderte Lebensumstände. Dazu ist Diabetes ein relevanter Risikofaktor für die Bildung von Harnsteinen.  

Die häufigste urologische Notfalleinweisung

„Harnsteinerkrankungen sind der häufigste Anlass für eine urologische Notfalleinweisung. Etwa jeder zehnte Deutsche wird zumindest einmal in seinem Leben einen Stein bilden“, sagt Prof. Dr. med. Thomas Knoll aus der Steuerungsgruppe der „S2K-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis“ der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU). Männer sind nach seinen Worten häufiger betroffen als Frauen, wobei der Unterschied weltweit geringer wird. Der Altersgipfel liege im fünften und sechsten Lebensjahrzehnt. „Bei Kindern ist die Steinerkrankung sehr selten und meist genetisch bedingt. Bei Adoleszenten ist allerdings eine zunehmende Häufigkeit zu beobachten, wohl auch durch Fettleibigkeit und andere bekannte Risikofaktoren verursacht“, so Knoll.

Minimalinasive Therapien

Kleinere Steine können mit medikamentöser Unterstützung und ausreichender Flüssigkeitszufuhr spontan ausgeschieden werden. Dabei scheinen nach Knoll bestimmte Alphablocker bei Harnleitersteinen von mehr als 5 mm den Spontanabgang des Steins zu begünstigen. Die interventionellen Therapien von größeren Nieren- und Harnleitersteinen erfolgen heute in praktisch allen Fällen ohne offene Schnittoperationen, sondern minimalinvasiv. Das Spektrum reicht von der Zertrümmerung der Steine durch Schallwellen von außen, der extrakorporalen Stoßwellen Lithotripsie (ESWL), bis hin zu endoskopischen Verfahren der Schlüssellochchirurgie. „Bei den minimalinasiven Therapien hat die ESWL in den vergangenen Jahren vor allem gegenüber der Ureterorenoskopie erheblich an Stellenwert verloren“, sagt Knoll.
 
Deutsche Steinstudie: Vergleich der interventionellen Therapieverfahren

Eine neue Studie soll die verschiedenen Verfahren miteinander vergleichen. „In den vergangenen 40 Jahren wurden mit der Einführung der Stosswellentherapie und der modernen endourologischen Techniken große Fortschritte in der minimalinvasiven Therapie der Steinerkrankung erzielt. Die Datenlage hinsichtlich eines Vergleichs der verschiedenen interventionellen Therapieverfahren ist allerdings weiterhin schlecht“, sagt Prof. Dr. med. Martin Schönthaler aus dem DGU-Arbeitskreis Harnsteine, der die „Deutsche Steinstudie“ initiiert hat und auf dem 72. DGU-Kongress eine Pilotstudie vorstellen wird. „Mit der Pilotstudie zur Deutschen Steinstudie, deren Publikation aktuell vorbereitet wird, konnte gezeigt werden, dass eine methodisch anspruchsvolle randomisierte chirurgisch-urologische Studie auch im Rahmen des deutschen Gesundheitssystems und den entsprechend hohen regulatorischen Anforderungen durchgeführt werden kann“, sagt Schönthaler, der 2019 bereits das Nationale Harnsteinregister auf den Weg gebracht hat. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte voll-automatisierte digitale Forschungsregisters für rezidivierende Urolithiasis des oberen Harntraktes (RECUR) unter Leitung von Schönthaler steht unter der Schirmherrschaft der DGU. „Mit den gewonnenen Erkenntnissen wird die individuelle Versorgung von Patienten mit rezidivierenden Harnsteinleiden verbessert, aber auch die gesellschaftliche Belastung durch häufige Hospitalisierungen und hohe Therapiekosten reduziert werden können“, erklärt Schönthaler. „Erste Ergebnisse aus der Aufbauphase von RECUR werden in Leipzig präsentiert werden“, sagt Rassweiler, der in einem neuen Video-Cast über den aktuellen Stand der Kongressplanung in Corona-Zeiten informiert.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.

Literatur:

www.urologenportal.de
www.dgu-kongress.de


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