Montag, 6. April 2020
Navigation öffnen

Medizin

18. Dezember 2019 Alzheimer: Subtypen beeinflussen Behandlung

Trotz jahrzehntelanger wissenschaftlicher Untersuchungen haben die Erforscher der Alzheimer-Krankheit deren Ursache und Behandlungsmethoden noch nicht klären können. Zu verstehen, was den 3 verschiedenen Subtypen der Krankheit zugrunde liegt, gilt als vielversprechender neuer Forschungsansatz.
Anzeige:
In einer neuen, in der JAMA Neurology veröffentlichten Studie untersuchte ein Team von Neurowissenschaftlern der Mayo Clinic in Florida unter der Leitung von Dr. Melissa Murray eine Schlüsselregion des Gehirns und stellte fest, dass sich die Muster der Alzheimer-Schäden nach Subtyp und Erkrankungsalter unterscheiden. Diese Beobachtungen könnten wichtige Auswirkungen auf die Art der Behandlung haben.
„Alzheimer beeinträchtigt Menschen auf unterschiedliche Weise“, sagt Dr. Murray. „Wenn wir erfahren, warum, wird uns das helfen, die Geheimnisse dieser Krankheit zu lüften. Wir sollten die Krankheit nicht länger als ein einheitliches Konstrukt betrachten.“

Unterschiedliche Symptomatik

Murray und ihre Kollegen der Mayo Clinic und des Mount Sinai Medical Centers untersuchten Hirngewebe, das von über 1.000 verstorbenen Alzheimer-Patienten gespendet wurde. Sie konzentrierten sich dabei auf das cholinerge Zentrum und das Ziel der einzigen Therapien ist, von denen bekannt ist, dass sie bei einigen Alzheimer-Patienten die Symptome effektiv behandeln. Die Forscher untersuchten ein Hauptmerkmal der Krankheit: die Alzheimer-Fibrillen. Sie konnten 2 interessante Muster beobachten.
Zum einen haben sie bei Patienten die an dem den „Hippocampus verschonenden Subtyp“ der Alzheimer-Krankheit erkrankt waren, schwerere Krankheitsanzeichen festgestellt. Während der typische Alzheimer-Subtyp den Hippocampus – das Gedächtniszentrum des Gehirns – angreift, wirkt der den Hippocampus verschonende Subtyp vor allem auf den Kortex. Alzheimer-Patienten dieses Subtyps können also Symptome haben, die mit Verhaltens- und Sprachauffälligkeiten sowie Sehstörungen und weniger mit Gedächtnisverlust einhergehen.
Zum anderen beobachteten Dr. Murray und ihr Team bei Patienten, bei denen sich bereits vor dem 65. Lebensjahr Alzheimer-Symptome zeigten, mehr Alzheimer-spezifische Schädigungen als bei Patienten, bei denen die Symptome erst später im Leben auftraten.

Basierend auf diesen Beobachtungen gehen die Forscher davon aus, dass die verfügbaren Therapien für Menschen dieses Alzheimer-Subtyps und bei Patienten, die in jüngerem Alter an Alzheimer erkranken, am effektivsten sind. Im nächsten Schritt wollen die Forscher diese Hypothese an lebenden Patienten testen.

Häufige Fehldiagnostik

Unterdessen betont Murray die Wichtigkeit des Strebens nach diagnostischer Genauigkeit. Es wird angenommen, dass der den Hippocampus verschonende Subtyp für mehr als 10% der Alzheimer-Fälle verantwortlich ist, aufgrund seines früheren Auftretens und seiner atypischer Symptome jedoch häufig falsch diagnostiziert wird, so die Wissenschaftlerin. Der Verlust kognitiver Fähigkeiten kann bei diesen Patienten schnell voranschreiten, weshalb eine korrekte Erstdiagnose besonders wichtig ist.
„Zum Beispiel deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass, wenn ein jüngerer Patient Symptome einer Persönlichkeitsstörung zeigt, die normalerweise auf eine frontotemporale Demenz hinweisen können, der Arzt überlegen sollte, ob nicht ein Test auf Alzheimer-Biomarker oder andere Scans gerechtfertigt seien,“ führt Murray aus.

Während ihr Team daran arbeitet, zukünftigen Patienten zu helfen, denkt Murray mit Dankbarkeit an die verstorbenen Alzheimer-Patienten, die ihre Gewebe an die Hirnbank der Mayo Clinic in Florida gespendet haben. Die Einrichtung enthält über 7.000 Proben, die es Wissenschaftlern ermöglichen, neurodegenerative Erkrankungen besser zu verstehen. „Unsere Forschung ist dank der Güte der Patienten möglich“, so Murray.

Quelle: Mayo Clinic


Das könnte Sie auch interessieren

So kommen Senioren gut durch den Winter

So kommen Senioren gut durch den Winter
© ARochau / Fotolia.com

Im Winter neigen vor allem ältere Menschen dazu, sich zu Hause einzuigeln. Aber zu wenig an Bewegung, frischer Luft und Tageslicht können schnell das Immunsystem schwächen, den Stoffwechsel verlangsamen und aufs Gemüt schlagen. „Senioren sollten auch im Winter auf ausreichend Bewegung achten. Andernfalls haben sie es im Frühjahr deutlich schwerer, wieder in Schwung zu kommen“, sagt Klaus Möhlendick, Diplom-Sportwissenschaftler bei der BARMER GEK. Regelmäßige Bewegung ist deshalb so wichtig, weil sie den altersbedingten physiologischen...

Es ist mehr als nur eine Ausrede: Migräne am Arbeitsplatz

Es ist mehr als nur eine Ausrede: Migräne am Arbeitsplatz
© deagreez / fotolia.com

Mit starken Kopfschmerzen, Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit zur Arbeit? Für viele Migränepatienten ist das Alltag. Ein Großteil der 900.000 an Migräne leidenden Deutschen schleppt sich trotz starker Schmerzen zur Arbeit – aus Angst einen schlechten Eindruck bei Arbeitskollegen und Vorgesetzten zu hinterlassen. Denn wer über Kopfschmerzen klagt, trifft immer noch auf Vorurteile. Nicht selten wird Migräne belächelt und als Ausrede abgetan. Zum Tag der Arbeit berichten Migränepatienten und Nutzer der Kopfschmerz- und...

Plötzlicher Blutdruck-Anstieg: Wann den Notarzt (112) rufen?

Plötzlicher Blutdruck-Anstieg: Wann den Notarzt (112) rufen?
© JPC-PROD / Fotolia.com

Regelmäßiges Blutdruckmessen ist die wichtigste Vorsorgemaßnahme, um die schwerwiegenden Folgen eines unbehandelten Bluthochdrucks wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzschwäche, Vorhofflimmern oder Nierenschädigung zu verhindern. Besonders problematisch ist es, wenn der Blutdruck plötzlich ansteigt und Werte in Ruhe z. B. von 190-200 mmHg (oberer Wert) oder mehr erreicht. Für Patienten entscheidend für das weitere Vorgehen in dieser beunruhigenden Situation ist, ob der hohe Blutdruck nur mit geringfügigen Missempfindungen wie Gesichtsröte,...

Rezeptfreie Schmerzmittel: Packungsbeilage beachten und Apotheker fragen

Rezeptfreie Schmerzmittel: Packungsbeilage beachten und Apotheker fragen
© Nenov Brothers / Fotolia.com

Rezeptfreie Schmerzmittel sind wirksam und sicher. „Sie sollten jedoch – wie alle anderen Arzneimittel – strikt nach Packungsbeilage eingenommen werden“, sagt Dr. Elmar Kroth, Geschäftsführer Wissenschaft beim Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH). Er reagiert damit auf den Fernsehbeitrag des ARD-Magazins Plusminus vom 13.09.2017, der rezeptfreie Schmerzmittel als gefährlich darstellt.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Alzheimer: Subtypen beeinflussen Behandlung"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden