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Medizin

15. Juli 2020 Antibiotikaresistenzen: Pharmaindustrielle Partnerschaft arbeitet an neuen Antibiotika

Mehr als 20 führende Biopharmaunternehmen haben den Start des AMR Action Fund bekanntgegeben. Dabei handelt es sich um eine zukunftsweisende Partnerschaft, die darauf abzielt, Patientinnen und Patienten bis zum Jahr 2030 2-4 neue Antibiotika zur Verfügung zu stellen. Diese Medikamente werden dringend benötigt, um dem rapiden Anstieg antibiotikaresistenter Infektionen – auch als Antibiotikaresistenz oder AMR bezeichnet – entgegenzuwirken. Die Unternehmen haben sich verpflichtet, fast 1 Milliarde US-Dollar an neuen Finanzmitteln aufzubringen, um die klinische Entwicklung von innovativen neuen Antibiotika zu ermöglichen. Über den AMR Action Fund werden sich Pharmaunternehmen mit gemeinnützigen Organisationen, Entwicklungsbanken und multilateralen Organisationen zusammenschließen, um die Entwicklung von Antibiotika zu stärken und zu beschleunigen. Der Fonds wird sich dabei auf die Bedürfnisse der öffentlichen Gesundheit konzentrieren. Er wird dringend benötigte finanzielle Mittel sowie wichtige technische Unterstützung bereitstellen, um Biotech-Unternehmen dabei zu helfen, Patienten neuartige Antibiotika bereitzustellen.
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Der AMR Action Fund, eine Initiative des internationalen Pharmaverbands (IFPMA), der die forschenden pharmazeutischen Unternehmen vertritt, wurde bei gleichzeitig stattfindenden virtuellen Veranstaltungen in Berlin (Deutschland) und Washington, D.C. (USA), verkündet. Eine dritte Veranstaltung fand am 10. Juli in Tokio, Japan, statt.

Vermeidbare Krise

AMR stellt eine sich abzeichnende globale Krise dar, die das Potenzial hat, COVID-19 in Bezug auf Todesfälle und wirtschaftliche Kosten in den Schatten zu stellen. Während die Zahl der Todesopfer von COVID-19 tragischerweise weiter steigt, sterben schon heute jedes Jahr rund 700.000 Menschen an AMR. In einigen der alarmierendsten Szenarien wird geschätzt, dass AMR bis 2050 jährlich bis zu 10 Millionen Menschen das Leben kosten könnte. „Im Gegensatz zu COVID-19 ist AMR eine vorhersehbare und vermeidbare Krise. Wir müssen gemeinsam handeln, um die Antibiotika-Pipeline wieder aufzubauen und um sicherzustellen, dass die vielversprechendsten und innovativsten Antibiotika es vom Labor zu den Patienten schaffen“, sagte Thomas Cueni, Generaldirektor der IFPMA und einer der Organisatoren des neuen Fonds. Er fügte hinzu: „Der AMR Action Fund ist eine der größten und ehrgeizigsten gemeinsamen Initiativen, die je von der pharmazeutischen Industrie unternommen wurden, um auf eine globale Bedrohung der öffentlichen Gesundheit zu reagieren.“

Hohe wirtschaftliche Kosten durch Antibiotikaresistenzen

Die Welt braucht dringend neue Antibiotika, aber es sind nur wenige in der Pipeline, weil ein Paradoxon besteht: Obwohl Antibiotikaresistenzen enorme wirtschaftliche Kosten verursachen, gibt es derzeit keinen rentablen Markt für neue Antibiotika. Diese werden sparsam eingesetzt, um ihre Wirksamkeit zu erhalten, und sie machen kaum Umsatz. Als Folge mussten in den letzten Jahren eine Reihe von Biotechunternehmen, die sich auf die Antibiotikaherstellung fokussiert hatten, Konkurs anmelden, und einige weitere große Pharmafirmen sind aus der Antibiotikaforschung ausgestiegen mit entsprechendem Verlust an Fachwissen und Ressourcen. Es besteht ein Bedarf an neuen Antibiotika, doch fehlt es an verfügbaren finanziellen Mitteln für die Forschung und Entwicklung, insbesondere für die späteren Phasen der klinischen Entwicklung.

„Mit dem AMR Action Fund investiert die Pharmaindustrie fast 1 Milliarde US-Dollar, um eine Antibiotika-Pipeline aufrechtzuerhalten, die zusammenzubrechen droht. Dies ist eine potenziell verheerende Situation, die Millionen von Menschen auf der ganzen Welt betreffen könnte“, sagte David Ricks, Vorstandsvorsitzender und CEO von Eli Lilly and Company und Präsident von IFPMA. „Der AMR Action Fund wird innovative Antibiotika-Kandidaten während der schwierigsten späten Phasen der Arzneimittelentwicklung unterstützen und den Regierungen letztlich Zeit geben, die notwendigen politischen Reformen durchzuführen, um eine nachhaltige Antibiotika-Pipeline zu schaffen.“

Nachhaltige Reformen gefordert

Der AMR Action Fund ist ein wichtiger Schritt zur Bewältigung der AMR-Herausforderung. Für eine Lösung des Problems der Antibiotika-Resistenzen braucht es allerdings Maßnahmen auf der politischen Ebene, Marktreformen im Bereich der Kostenerstattung oder Anreize für die Forschung und Entwicklung, die den Antibiotika-Markt wiederbeleben. Die Initiative der forschenden Pharmafirmen zur Finanzierung der klinischen Entwicklung der derzeitigen Pipeline von Antibiotika schafft Zeit für die Umsetzung nachhaltiger Reformen.

Beim AMR Action Fund handelt es sich um die bislang größte kollektive Initiative zur Bekämpfung von AMR. Der AMR Action Fund wird:
 
  • Investitionen in kleinere Biotechunternehmen tätigen, mit einem klaren Fokus auf der Entwicklung innovativer antibakterieller Behandlungen und den Bedürfnissen der öffentlichen Gesundheit,
  • den Firmen, in denen der Fund investiert, technische Unterstützung und Zugang zum Know-how großer Pharmafirmen gewähren, um die Antibiotika-Entwicklung zu stärken und den Zugang und den angemessenen Einsatz von Antibiotika zu unterstützen,
  • eine Allianz aus Industrie und Nicht-Industrie-Partnern zusammenbringen – darunter gemeinnützige Organisationen, Entwicklungsbanken und multilaterale Organisationen – in der Hoffnung, Regierungen den Anstoß zu geben, Marktreformen umsetzen, die wieder nachhaltige Investitionen in die Antibiotika-Pipeline ermöglichen.
Der AMR Action Fund rechnet damit, mit der Unterstützung künftiger Partner mehr als 1 Milliarde US-Dollar in ein Portfolio von Unternehmen zu investieren zur Überbrückung der Finanzierungslücke in der Antibiotikaentwicklung. Der Fonds wird voraussichtlich im vierten Quartal 2020 einsatzbereit sein.

Quelle: IFPMA


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