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03. Dezember 2018 Atopische Dermatitis: Erstes Biologikum bewährt sich auch in der Praxis

Seit einem Jahr ist der humane monoklonale Antikörper Dupilumab bei schwerer und mittelschwerer atopischer Dermatitis (AD) zugelassen. Er hat — im Einklang mit den Studiendaten — die Therapie von Patienten, bei denen eine topische Behandlung nicht ausreichend wirksam ist, im Praxisalltag deutlich verbessert.
Die Prävalenz der AD ist, anders als bei Psoriasis besonders im Kleinkindalter hoch: Etwa 10-20% der Kinder im Alter von 0-2 Jahren sind nach Krankenkassen-Daten hiervon betroffen, berichtete Privatdozent Dr. Arnd Jacobi, Universitätsklinikum Eppendorf. Von den 14- bis 18-Jährigen sind es immer noch über 7%. Bei persistierenden schweren Ekzemen stand als wirksamste systemische Behandlung lediglich Ciclosporin A zur Verfügung. Dupilumab (Dupixent®) blockiert als zielgerichtete Therapie die — auch dem Interleukin-13-Rezeptor eigene — α-Untereinheit des heterodimeren Interleukin-4-Rezeptors. Damit werden IL-4 und IL-13, 2 Typ-2-Zytokine, die bei der Pathogenese von AD, Asthma und anderen atopischen Erkrankungen von Bedeutung sind, gehemmt. Dies bremst die ursächliche Entzündung, die für Juckreiz und die gestörte Barrierefunktion der Haut verantwortlich ist, so Jacobi.Neben ausgeprägten Ekzemen an Gesicht, Hals, Rumpf und Extremitäten bestimmt insbesondere der starke Juckreiz, oft verbunden mit Schlafstörungen, den starken Leidensdruck der AD-Patienten.

Vor Therapiebeginn mit einer initialen Anfangsdosis von 2 x 300 mg Dupilumab sind weder systemische Vortherapien noch Laboruntersuchungen nötig, fortgesetzt wird die Behandlung alle 2 Wochen mit vom Patienten selbst durchführbaren Injektionen von 1 x 300 mg. Dabei werden in Übereinstimmung mit den Daten der Zulassungsstudien rasch deutliche Verbesserungen erzielt, wie Jacobi an einem Fallbeispiel erläuterte. Bereits nach vier Wochen waren Schwere und Ausdehnung der Ekzeme bei einem 42-jährigen Lehrer mit langjähriger AD im EASI-Score (Eczema Area and Severity Index) um 60% verbessert. Die Phase-3-Studien (1,2) SOLO 1 und 2 hatten ebenfalls eine > 50%ige Abnahme des EASI ergeben. Nach 44 Wochen hatte der Patient sich weiter auf EASI-90 verbessert, eine solche ausgeprägte und langanhaltende Verbesserung wurde in den Studien von etwa 50% erreicht. Die Lebensqualität des Patienten besserte sich durch die Beseitigung der Schlafstörung entscheidend, was sich auch in den Studien bei 80% der Teilnehmer fand. Bei „insgesamt sehr gutem Sicherheitsprofil“ sei eine etwas häufigere, aber lokal gut behandelbare Konjunktivitis zu beachten, so Jacobi.

Ziel des, seit 2017 reorganisierten nationalen Registers von erwachsenen AD-Patienten mit derzeit 600 Teilnehmern, ist die Therapiebegleitung über 2 Jahre, so Professor Thomas Werfel, Medizinische Hochschule Hannover. Die Datenanalyse der nicht-interventionellen prospektiven Studie TREATgermany ergab bei 124 Patienten unter Dupilumab, dass sich ihre Beschwerdelast und Lebensqualität bereits nach einem halben Jahr signifikant um etwa 50% gebessert hatten und die Patienten zunehmend zufrieden mit der medikamentösen Behandlung waren.


Dr. rer. nat. Andreas Häckel

Quelle: Pressekonferenz „Dupilumab: 1 Jahr zielgerichtete Systemtherapie bei atopischer Dermatitis — Erfahrungen aus der Klinik und Praxis“, 27. 11. 2018, Frankfurt am Main; Veranstalter Sanofi Genzyme.

Literatur:

(1) Simpson EL et al. N Engl J Med 2016;375:2335-2348.
(2) Blauvelt A et al. Lancet 2017;389:2287-2303.


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