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Medizin

12. September 2019 Colitis ulcerosa: Zulassungserweiterung für rein humanen monoklonalen Antikörper Ustekinumab

Die Europäische Kommission hat den rein humanen monoklonalen Antikörper Ustekinumab (Stelara®) für die Behandlung mittelschwerer bis schwerer aktiver Colitis ulcerosa zugelassen. Diese Zulassungserweiterung schließt jene Patienten ein, die zuvor entweder auf eine konventionelle Therapie oder auf ein Biologikum unzureichend angesprochen haben, nicht mehr darauf ansprechen oder eine Unverträglichkeit oder eine Kontraindikation gegen eine entsprechende Behandlung aufweisen. Das Biologikum kann somit direkt nach einer konventionellen Therapie eingesetzt werden (1, 2).  Ustekinumab ist der erste und bislang einzige Interleukin (IL)-12/23-Inhibitor für die Behandlung der mittelschweren bis schweren aktiven Colitis ulcerosa.
Überzeugende Wirksamkeit

Die Zulassung der Europäischen Kommission für die Behandlung der Colitis ulcerosa erfolgte auf Basis der Daten des UNIFI-Studienprogramms. Dieses multizentrische, randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Phase-III-Studienprogramm wurde in 2 Teile gegliedert. Auf die mindestens 8-wöchige Induktionsstudie (UNIFI-I) folgte eine 44-wöchige Erhaltungsstudie (UNIFI-M). Die Daten aus dem UNIFI-Studienprogramm zeigen, dass Patienten mit Colitis ulcerosa von einer Induktions- und Erhaltungstherapie mit Ustekinumab profitieren können.

Schnelles und hohes Ansprechen

Für die Induktionsstudie wurden 961 Patienten auf eine einmalige intravenöse (i.v.)-Gabe von Ustekinumab (Dosierung: 130 mg beziehungsweise ~6 mg/kg) oder Placebo randomisiert (1:1:1). Primärer Endpunkt war eine klinische Remission in Woche 8 (definiert als Mayo Score ≤2, kein individueller Subscore >1). Die Ergebnisse zeigen, dass in Woche 8 nach einer einmaligen i.v.-Gabe von Ustekinumab 15,6% (130 mg) beziehungsweise 15,5% (~6 mg/kg) der Patienten eine klinische Remission erreichten – verglichen mit 5,3% unter Placebo. Der Unterschied gegenüber der Kontrollgruppe war für beide Dosierungen signifikant (jeweils p<0,001) (3, 4).

Positive Gesamtanalyse bis Woche 16

Einer weiteren Analyse der Induktionsstudie zufolge hatten nach 8 Wochen insgesamt 56,5% der Patienten auf die initiale i.v.-Gabe von Ustekinumab (130 mg oder ~6 mg/kg) klinisch angesprochen, 15,6% waren in klinischer Remission. Die Patienten, die nicht auf die initiale i.v.-Gabe von Ustekinumab angesprochen haben, erhielten in Woche 8 eine subkutane (s.c.)-Gabe von Ustekinumab 90 mg. Die erneute Auswertung in Woche 16 ergab bei diesen Patienten ein klinisches Ansprechen bei 59,7% und eine klinische Remission bei 9,4%. Somit zeigte sich in der Gesamtanalyse eine hohe Ansprechrate von insgesamt 77,6% (498 von 642 Patienten) und eine Remissionsrate von 18,8% bei den mit Ustekinumab behandelten Patienten der Induktionsstudie in Woche 8 oder Woche 16. Differenziert nach Vorbehandlungen ergab sich für 70,6% der Patienten mit vorherigem Biologika-Versagen ein klinisches Ansprechen in Woche 8 oder 16. Für Patienten ohne Versagen einer vorherigen Biologikatherapie lag dieser Wert bei 84,9% in Woche 16 (4).

Hohe steroidfreie Remission

In die randomisierte, doppelblinde, multizentrische Erhaltungsstudie wurden alle Patienten aufgenommen, die in der Induktionsstudie auf Ustekinumab ein klinisches Ansprechen erreicht hatten (n=523). Sie wurden erneut randomisiert und erhielten über 44 Wochen Ustekinumab 90 mg s.c. alle 8 Wochen (q8w; n=176), alle 12 Wochen (q12w; n=172) oder wurden im Kontrollarm mit Placebo s.c. behandelt (n=175). Primärer Endpunkt war eine klinische Remission in Woche 44, die von 43,8% (q8w) beziehungsweise 38,4% (q12w) der mit Ustekinumab behandelten Patienten vs. 24% unter Placebo erreicht wurde (p<0,001 bzw. p=0,002). Eine steroidfreie Remission in Woche 44 zeigten 42% (q8w) beziehungsweise 37,8% (q12w) vs. 23,4% (p<0,001 und p=0,002) (5).

Bewährtes Sicherheitsprofil

Daten der UNIFI-Erhaltungsstudie zur Sicherheit des IL‑12/23‑Inhibitors bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer aktiver Colitis ulcerosa zeigten bis Woche 44 für alle 3 Studienarme ein vergleichbares Sicherheitsprofil hinsichtlich (schwerer) unerwünschter Ereignisse oder (schwerer) Infektionen. Therapieabbrüche bedingt durch unerwünschte Ereignisse waren unter Ustekinumab seltener als unter Placebo (4,0% vs. 11,4%). Unter Ustekinumab q8w wurde ein Fall von Darmkrebs festgestellt, unter Ustekinumab q12w kam es bei einem Patienten zu einem papillären Nierenzellkarzinom. Insgesamt war das Sicherheitsprofil von Ustekinumab im UNIFI-Studienprogramm konsistent mit den Daten über 3 Jahre zu Morbus Crohn und den anderen zugelassenen Indikationen, also Plaque-Psoriasis und Psoriasis-Arthritis (5).

Quelle: Janssen

Literatur:

(1) Aktuelle STELARA®-Fachinformation: 130 mg Konzentrat.
(2) Aktuelle STELARA®-Fachinformation: 45 mg/90 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze.
(3) Sands BE et al., UEGW 2018 #LB01.
(4) Danese S et al., ECCO 2019; #Tu1739.
(5) Sandborn WJ et al., ECCO 2019; #OP37.


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