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Medizin

12. Februar 2019 Deutscher Herzbericht 2018 (Teil 1): Herzkrankheiten weiterhin Haupttodesursache

Die Sterblichkeit durch Herzkrankheiten in Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahr insgesamt gesunken. Auch wenn diese Entwicklung erfreulich sei, dürfe man trotzdem keine Entwarnung geben, betont Prof. Dr. med. Dietrich Andresen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, anlässlich der Vorstellung des neuen Deutschen Herzberichts 2018, da es noch immer jährlich über 338.000 Sterbefälle aufgrund einer Herzerkrankung gebe.
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Besonders deutlich zeigt sich eine Sterblichkeitsabnahme für die Herzinsuffizienz, die um mehr als 7.000 Sterbefälle innerhalb eines Jahres auf 40.334 (2016) Gestorbene gesunken ist. Aber auch bei der Koronaren Herzkrankheit (KHK), deren Sterbefälle sich von 128.230 im Jahr 2015 auf 122.274 im Jahr 2016 (minus 4,6%) verringert haben.

Risikofaktoren: Rauchen, Diabetes, Adipositas

Herzinsuffizienz zählt zu den häufigsten Diagnosen, die zu einer stationären Behandlung führen. Sie ist in den meisten Fällen die Folge anderer chronischer Herz- und Kreislauferkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt, Diabetes, Herzklappenkrankheiten und Vorhofflimmern. Den hohen Stellenwert der Prävention hat die Herzmedizin in ihren Leitlinien längst verankert. „Um dies auch durchzusetzen, sind stärkere öffentliche Investitionen in die Prävention erforderlich, damit der Bevölkerung wirkungsvolle Maßnahmen angeboten und nachhaltig in die Praxis umgesetzt werden können“, fordert Andresen. Noch heute sind fast 30% der Reha-Herzpatienten Raucher,18% sind stark übergewichtig, 22% haben Diabetes. Mit gezielten Maßnahmen muss hier gegengesteuert werden. Dass so etwas möglich ist, belegen Daten aus dem Bremer Herzinfarktregister: Wie der aktuelle Herzbericht 2018 zeigt, führen bevölkerungsbasierte Maßnahmen wie der gesetzliche Nichtraucherschutz, zu einer Senkung der Klinikeinweisungen wegen Herzinfarkts in einer Region wie Bremen. Auch zeigt das Bremer Register, dass für eine nachhaltige Umsetzung von Raucherpräventions-, Bewegungs- und Ernährungsprogrammen bei den Zielgruppen auch soziale Faktoren, wie sozioökonomischer und Bildungsstatus, zu berücksichtigen sind.

Unterschiede zwischen den Bundesländern

Unverändert ist die unterschiedlich hohe Sterblichkeit an Herzkrankheiten zwischen den einzelnen Bundesländern. Während die niedrigste Sterbeziffer weiterhin Hamburg mit 184 Gestorbenen pro 100.000 EW, Berlin (187) und Baden-Württemberg (200) haben, ist die Sterblichkeit am höchsten in Sachsen-Anhalt (295), Bremen (270) und Mecklenburg-Vorpommern (264). „Auffällig ist, dass die Sterblichkeitsrate an Herzkrankheiten in der Summe in allen Bundesländern insgesamt spürbar gesunken oder zumindest unverändert geblieben ist. Neben demographischen Aspekten könnte das an Verbesserungen in der medizinischen Versorgung, aber auch an einer verbesserten Vorsorge liegen“, bemerkt Andresen und verweist auf Anstrengungen von Bundesländern wie Sachsen-Anhalt, das bisher eine überdurchschnittlich hohe Herzinfarkt-Sterblichkeit aufweist.

Die dortigen Gesundheitsbehörden haben vor wenigen Jahren die Versorgung von Herzinfarktpatienten mit Hilfe des von der Herzstiftung mitfinanzierten Regionalen Herzinfarktregisters Sachsen-Anhalt (RHESA) wissenschaftlich analysiert. „Erkenntnisse aus Registern wie RHESA sind notwendig, um die Qualität der Infarktversorgung beurteilen zu können und Schlussfolgerungen für eine Verbesserung zu ziehen. RHESA hat hier Vorbildcharakter.“ Hinzu kommen Aufklärungsaktionen wie die Kampagne „Herzwoche Sachsen-Anhalt“, die die Bevölkerung im Bundesland über Prävention und Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie über das Notfallverhalten bei Herzinfarkt und Herzstillstand informiert. „Diese Anstrengungen könnten ein Grund dafür sein, dass Sachsen-Anhalt seine Herzinfarkt-Sterbeziffer mittlerweile senken konnte und seine Spitzenposition in der Infarktmortalität abgegeben hat. Auch die Kampagne könnte zu dieser Verbesserung beitragen“, erklärt Andresen. Sachsen-Anhalt konnte seine Herzinfarkt-Sterbeziffer von 82 Gestorbenen pro 100.000 EW im Jahr 2015 auf 75 (2016) senken.

Krankenhausaufnahmen wegen Herzschwäche und Rhythmusstörungen gestiegen

Auffallend steil stiegen die Klinikaufnahmen aufgrund von Herzschwäche, Rhythmusstörungen und Klappenerkrankungen an. Augrund von Herzinsuffizienz, die zu den häufigsten Anlässen für eine Krankenhausweisung zählt, wurden im Jahr 2017 464.724 Patienten stationär versorgt – ein Anstieg um mehr als 20.000 seit 2015.

Auch Herzrhythmusstörungen zählen zu den häufigsten Anlässen für einen Krankenhausaufenthalt in Deutschland. Je nach Art und Schwere können Rhythmusstörungen mit enormen Einbußen an Lebensqualität einhergehen. Und sie können gefährlich werden bis hin zum Plötzlichen Herztod. Der jährliche Anstieg der stationären Aufnahmen von 2016 zu 2017 um rund 8.400 Fälle auf 480.109 (2017) ist auffallend. Die Zunahme basiert zum großen Teil auf mehr stationären Aufnahmen von Patienten mit der häufigsten Rhythmusstörung, dem Vorhofflimmern.

Therapie und Prävention

Jedes Jahr erleiden ca. 65.000 Menschen in Deutschland ein plötzliches Herzversagen. Über 60.000 versterben daran. Dabei könnte ein großer Teil von ihnen gerettet werden, wenn Zeugen (zumeist Angehörige) sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen würden. Dies ist leider nicht der Fall: Die Laienreanimationsquote beträgt in Deutschland ca. 30-35%. In anderen europäischen Ländern beträgt die Quote bis zu 80%. Mit gezielten Projekten zur Vermittlung der Laienreanimation in Schulen, Kommunen oder Vereinen lassen sich Reanimationsquoten verbessern. Mit gezielter Bevölkerungsaufklärung zum richtigen Notfallverhalten bei Herzstillstand konnte etwa der Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg seine Ersthelferquote in den vergangenen 2 Jahren von 27% auf 45% steigern. 

„Wir müssen in den Schulen bereits damit beginnen Schüler über solche Notfälle aufzuklären und sie in der Laienreanimation auszubilden. Darüber hinaus sollten Präventionsstrategien zur Bekämpfung der wichtigsten Grunderkrankungen des Plötzlichen Herztodes, allen voran die koronare Herzkrankheit, zur Anwendung kommen.“ Hier hat die Herzmedizin mit Katheterverfahren, aber auch schonenden operativen Eingriffen sowie neuen medikamentösen Therapien, viel erreicht. „Aber es gibt Verbesserungspotenziale“, unterstreicht Andresen. Denn bei 25.846 (2017) Neueinbringungen Implantierbarer Cardioverter-Defibrillatoren (ICD), die bei Herzstillstand automatisch einen Elektroschock abgeben, ist die Rate an ICD-Revisionen mit 8.598 zu hoch.

Höhere Mortalität bei Frauen

Weiterhin auffällig ist die höhere Sterblichkeit bei Frauen. Bei Betrachtung aller Herzkrankheiten sterben mehr Frauen als Männer: 107.529 (51,9%) Frauen gegenüber 99.503 Männern (48,1%). Bei Herzklappenkrankheiten liegt die Sterblichkeitsziffer um 51% höher, bei Herzrhythmusstörungen um 45,8% und bei Herzschwäche um 64,1% höher als bei Männern. Als mögliche Ursachen für dieses Gefälle sehen Herzspezialisten u. a. geschlechtsspezifische Unterschiede in der Genetik und anatomische an Herz und Gefäßen sowie Unterschiede in der Wirkung von Herz-Kreislauf-Medikamenten und in der Symptomatik von Herzkrankheiten.

Quelle: Deutsche Herzstiftung e.V.


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