Montag, 21. Januar 2019
Navigation öffnen

Aktuelle Infos für Ärzte

30. Mai 2016 EAN: Europa muss sich auf die Zika-Epidemie vorbereiten

"Die Zeit ist nicht auf unserer Seite. Das Zika-Virus zeigt nicht nur sein immer hässlicheres Gesicht, sondern auch sein Potenzial für eine globale Ausbreitung", so Prof. Raad Shakir (London, UK), Präsident der Weltföderation für Neurologie (WFN), auf dem Kongress der European Academy of Neurology (EAN) in Kopenhagen. "Wir sehen eine immer weitere Ausbreitung der Epidemie, und Europa wird sicher nicht davon verschont bleiben."

"Neurologische Expertise wird entscheidend sein für die Bewältigung der Folgen von Zika", betont Prof. Shakir. "Die WFN hat kürzlich eine eigene Arbeitsgruppe zu diesem Thema eingerichtet, um die globalen Bemühungen zur Bewältigung dieser Krise zu unterstützen." Eine wichtige Aufgabe dieser hochkarätigen Expertenrunde ist die rasche Entwicklung von Diagnostik-Leitlinien für die neurologischen Komplikationen, die mit einer Zika-Infektion einhergehen können.

Es gäbe zahlreiche Missverständnisse und Fehleinschätzungen, was das wahre Ausmaß der Risiken, die mit Zika-Infektionen einhergehen, betrifft, so der WFN-Präsident: "Viele Menschen scheinen immer noch der Meinung zu sein, dass nur Schwangere besorgt sein müssten. Schließlich kann eine Infektion während der Schwangerschaft zu schweren Missbildungen beim Fötus führen, unter anderem zur bekannten Mikrozephalie. Das ist zwar eine besonders tragische Folge einer Ansteckung, aber eine Zika-Infektion kann auch bei Erwachsenen zu schwer wiegenden neurologischen Erkrankungen führen, etwa zum Guillain-Barré-Syndrom (GBS), zu Rückenmark- oder Knochenmarksentzündungen (Myelitis) oder einer Gehirnhautentzündung."

Zwar sind die negativen Wirkungen einer Zika-Infektion auf das Nervensystem noch nicht im Detail geklärt, aber es werden vermehrt Forschungsergebnisse veröffentlicht. So zeigte etwa eine kürzlich im Lancet veröffentlichte brasilianische Studie, dass Kontakt mit dem Zika-Virus das Risiko, an GBS zu erkranken, um das 60-Fache erhöht. GBS führt aufgrund von immunologischen Effekten des Virus zu Lähmungen. Ohne unterstützende Therapien versterben etwa 5% der Betroffenen.

"Auch Europa wird es nicht erspart bleiben, sich genauso wie andere Regionen auf die Zika-Konsequenzen vorzubereiten", betonte in Kopenhagen Prof. John England, Neurologe an der Louisiana State University in New Orleans und Vorsitzender der WFN-Arbeitsgruppe zum Thema Zika. "Die WHO hält das Risiko einer Verbreitung über Stechmücken in den meisten Teilen Europas für gering bis mäßig ausgeprägt, ausgenommen der Regionen, in denen Aedes-Mücken verbreitet sind. Ich denke, in Europa muss man sich in erster Linie Sorgen über jene Menschen machen, die sich anderswo infizieren, die Infektion nach Europa mitbringen und hier weitergeben. In mehreren europäischen Ländern, unter anderem Frankreich und Deutschland, sind bereits sexuelle Übertragungen bekannt geworden. In Spanien wird ein Fall von Mikrozephalie untersucht und in den Niederlanden wurde ein GBS-Fall als Folge einer von einer Reise mitgebrachten Zika-Infektion registriert. Und jetzt kommt mit den Olympischen Sommerspielen ein ganz besonderes epidemiologisches Risiko auf uns zu. Es wäre unrealistisch zu glauben, dass wir nicht viel mehr importierte Zika-Fälle erleben werden, wenn tausende Athleten und Fans wieder aus Brasilien zurückkommen."

Allerdings habe Europa gegenüber anderen Teilen der Welt einen klaren Vorteil, wenn es um die Bewältigung der Zika-Folgen geht, so Prof. England: "In diesem Teil der Welt stehen relativ viele neurologische Ressourcen zur Verfügung. Da ist in vielen Ländern, die jetzt besonders schwer von Zika betroffen sind, nicht der Fall. Dort müssen wir viele Todesfälle erleben, die in weniger armen Gegenden der Welt nicht aufgetreten wären."

Nachdem derzeit weder eine spezifische Therapie noch ein kurzfristig verfügbarer Impfstoff in Sicht ist - auch wenn fieberhaft daran gearbeitet wird - müsse besonders das Bewusstsein für die Prävention geschärft werden. Prof. England: "Alle Staaten in Europa sollten Maßnahmen ergreifen, damit importierte Zika-Infektionen rasch entdeckt werden, und die Behörden sollten Reisende in betroffene Regionen ausführlich informieren, insbesondere auch was das Risiko einer sexuellen Übertragung betrifft."

In europäischen Ländern, in denen auch die Übertragung über Stechmücken möglich ist, sollten darüber hinaus Maßnahmen zur Eindämmung der Insekten ergriffen werden, insbesondere dort, wo die Gelbfiebermücke vorkommt.

Die WHO und die Panamerikanische Gesundheitsorganisation PAHO haben kürzlich Empfehlungen für Athleten und Besucher der Olympischen Sommerspiele veröffentlicht. Demnach sollte man sich konsequent vor Mückenstichen schützen, durch angemessene Kleidung und Insektenschutzmittel. Wichtig sei, während des Aufenthalts in Brasilien und vier Woche danach nur geschützten Sex zu haben oder aber auf Sex zu verzichten, und darauf zu achten, eine Unterkunft mit Klimaanlage zu buchen. Schwangeren wird nach wie vor von einer Reise in betroffene Gebiete, also auch nach Rio de Janeiro, abgeraten.

Aktuellen Zahlen der WHO zufolge meldeten zum Stichtag 18. Mai 2016 genau 60 Staaten und Territorien eine anhaltende Übertragung von Infektionen durch Stechmücken. Zehn Länder, darunter Deutschland und Frankreich, haben Übertragungen von Mensch zu Mensch berichtet, mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um sexuelle Übertragungen. Mikrozephalie und andere Fötus-Missbildungen, die mit einer Zika-Infektion in Verbindung stehen können, wurden in acht Ländern registriert, in 13 Ländern gibt es ein auffälliges Ansteigen von GBS-Fällen oder bestätigte Infektionen bei GBS-Betroffenen.

Quelle: pte


Das könnte Sie auch interessieren

An die Leber denken und Experten befragen: Kostenfreie Telefonaktion zum Deutschen Lebertag am 20. November

Bei einer großen Telefonaktion am 18. Deutschen Lebertag, der unter dem Motto „An die Leber denken!“ steht, beantworten sechs erfahrene Ärzte alle Anrufer-Fragen rund um die Themen Leber, Lebergesundheit und Lebererkrankungen. Am Montag, 20. November 2017, sind die Leber-Spezialisten von 14:00 bis 16:00 Uhr unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 666 39 22 für jeden Interessierten und Betroffenen erreichbar. Mit diesem Angebot möchten die Ausrichter des 18. Deutschen Lebertages – Deutsche Leberstiftung, Deutsche Leberhilfe e. V. und Gastro-Liga e. V. – an dem bundesweiten Aktionstag dazu beitragen, dass das lebenswichtige Organ und seine Erkrankungen mehr öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. Sie weisen gleichzeitig darauf hin, dass die Beratungsgespräche am Telefon keinen persönlichen Arztbesuch und keine individuelle Diagnose ersetzen.

Umgang mit Alzheimer-Patienten: Feste Abläufe helfen Patienten und Angehörigen

Bei der Alzheimer-Krankheit ist bereits in einem frühen Stadium das Kurzzeitgedächtnis betroffen. Deshalb hilft den Patienten das Festhalten an bekannten Handlungsroutinen und Abläufen. Das empfiehlt die gemeinnützige Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) in ihrem kostenlosen Ratgeber „Leben mit der Diagnose Alzheimer“, der unter der Telefonnummer 0211 - 86 20 66 0 oder www.alzheimer-forschung.de/diagnose-alzheimer bestellt werden kann.

Tagebuch hilft Pflegenden beim Erkennen eigener Bedürfnisse

Viele pflegende Angehörige nehmen ihre eigenen Bedürfnisse kaum mehr wahr. Die Sorge um den Angehörigen oder die Angst, der Aufgabe nicht gerecht zu werden, können den Blick auf sich und eigene Wünsche verstellen, erklärt Daniela Sulmann vom Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP). "Als erstes gilt es dann zu versuchen, sich selbst wieder stärker in den Fokus zu nehmen und zu formulieren, was man braucht." Das jedoch sei leichter gesagt als getan. Sulmann empfiehlt Pflegenden daher, ein Tagebuch zu führen.

Depression – verstecken ist kein Ausweg

Unter dem Titel „Depression – verstecken ist kein Ausweg“ macht das Freiburger Bündnis gegen Depression mit einer Kampagne auf sein Anliegen aufmerksam. Prof. Berger, Vorsitzender des Freiburger Bündnisses e.V. gegen Depression betont, dass depressive Störungen, obwohl sie zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland gehören, hinsichtlich ihrer Bedeutung noch immer stark unterschätzt werden. Dabei hat gerade erst eine weltweit durchgeführte Studie der WHO („Global burden of disease“) gezeigt: Depressionen sind eine der größten Volkskrankheiten.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"EAN: Europa muss sich auf die Zika-Epidemie vorbereiten"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.