Mittwoch, 17. Juli 2019
Navigation öffnen

Medizin

28. Februar 2019 Ernährung: Süßstoffhaltige Getränke steigern ischämische Schlaganfälle, koronare Herzerkrankung und Gesamtsterblichkeit

Die Ergebnisse von 82.000 Frauen der Women's Health Initiative Observational Study (1) liegen vor: Das Risiko für tödliche und nicht-tödliche Schlaganfälle war um 23% höher bei den Frauen, die angaben, vergleichsweise am meisten süßstoffhaltigen Diätgetränke konsumiert zu haben. Diese berichteten über 2 oder mehr künstlich gesüßte Getränke pro Tag, im Unterschied zur niedrigsten Gruppe über keines oder weniger als eines pro Woche.
Anzeige:
Zusätzlich zu schon bekannten, ähnlichen Assoziationen wurde jetzt neu beschrieben, dass  die Gruppe mit dem höchsten Konsum von „Diätgetränken“ ein um 81% höheres Risiko für SAO (Small Artery Occlusions) in den Gehirngefäßen hatte. Auf die Bedeutung dieser Verschlüsse der kleinen Arterien (SAO) für die Schlaganfälle unter künstlichen Süßstoffen wies die Erstautorin der Studie, Yasmin Mossavar-Ramani, New York City, USA, besonders hin.

Studiendesign

Die 82.000 Teilnehmerinnen an der Studie waren 50-79 Jahre alt und wurden zwischen 1993-1998 rekrutiert. 3 Jahre nach der Eingangsuntersuchung fand eine körperliche Überprüfung mit Blutabnahmen statt. Sie hatten einen Fragebogen auszufüllen und anzugeben, wie viel künstlich gesüßte Getränke sie in den vorangegangenen 3 Monaten konsumiert hatten (wie etwa Diet Coke (Cola light) oder  Diät-Fruchtgetränke in 12-Unzen-Dosen). Eingeteilt wurde in 9 Kategorien, von „nie“ bis zu „6x täglich“. Die Rasse/Ethnizität und der Body Mass Index wurden berücksichtigt. Erfaßt wurde ebenfalls der Konsum von mit Zucker gesüßten Getränken, welcher aber nicht mit den untersuchten Ereignissen assoziiert war (1).

Süßstoff und Demenz

Schon 2017 war an 4.400 Teilnehmern der Framingham Heart Study Offspring Cohort (mit meist weißen Männern und Frauen) eine Assoziation zwischen hohem Konsum von Getränken mit künstlichem Süssstoff und dem Risiko für Demenz und kardiovaskuläre Ereignissen einschließlich Schlaganfall berichtet worden (2). In dieser prospektiven Kohortenstudie waren mit Zucker gesüßte Getränke auch nicht mit Schlaganfall oder Demenz assoziiert. Matthew P. Pase, der führende Autor dieser Untersuchung betonte, dass dieser Befund aber „keine Evidenz dafür sei, dass zuckergesüßte Getränke sicher seien“.

Süßstoff und kardiovaskuläre Ereignisse

Bereits in einer früheren Untersuchung an Teilnehmern der Women's Health Initiative Study hatte man einen um 30% gesteigerten Anstieg kardiovaskulärer Ereignisse und der Gesamtmortalität bei den Teilnehmerinnen gefunden, die täglich 2 oder mehr „Diät-Getränke“ konsumieret hatten (3). Allerdings liegen zwischenzeitlich auch gegenteilige Resultate vor. Insofern kommt der neuen Studie an 82.000 Frauen eine besondere Bedeutung zu. In einem begleitenden Kommentar zur Arbeit von Mossavar-Ramahni et al. weisen Hannah Gardener und Mitchell S.V. Elkind (4) darauf hin, dass erst 2018 die American Heart Association den Rat gegeben habe, kurzfristig zuckergesüßte Getränke durch niedrigkalorische einschließlich solcher mit künstlichen Süßstoffen zu ersetzen, um die Kalorienaufnahme und das Körpergewicht zu reduzieren. Die neuen Befunde sprechen dieser Empfehlung entgegen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e.V.

Literatur:

(1) Yasmin Mossavar-Rahmani et al.: Artificial sweetened beverages and stroke, coronary heart disease, and all-cause mortality in the Women´s Health Initiative. Originally published 14 Feb 2019. Stroke. 2019. 50: 555-562.
(2) Matthew P. Pase et al.: Sugar- and artificial sweetened beverages and the risks of incident stroke and dementia. Originally published 20 Apr 2017. Stroke. 2017. 48: 1139-1146.
(3) Ankur Vyas et al.: Diet drink consumption and the risk of cardiovascular events: A report from the Women’s Health Initiative. Published online 17 Dec 2014. J Gen Intern Med. 2015. 30 (4): 462-468.
(4) Hannah Gardener, Mitchell S.V. Elkind: Artificial sweeteners, real risks. Stroke. 2019. 50: 549-551.


Das könnte Sie auch interessieren

Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) vergibt Deutschen Preis für Patientensicherheit 2018

Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) vergibt Deutschen Preis für Patientensicherheit 2018
© psdesign1 / fotolia.com

In deutschen Krankenhäusern sterben jährlich etwa 15 000 Patienten an Infektionen. Damit diese weitestgehend vermieden und Patienten schnellstmöglich behandelt werden können, ist ein gutes Infektions-management notwendig. Das Kompetenzzentrum „Mikrobiologie und Hygiene" der St. Franziskus-Stiftung Münster verfolgt dazu seit 2014 ein umfassendes interdisziplinäres Gesamtkonzept für mehr Patientensicherheit. Der Fokus liegt dabei auf der Infektionsvermeidung, dem Infektionsmanagement und sowie dem Schutz vor Keimübertragung. Das...

Rauchen ist Hauptursache für chronische Lungenkrankheit, die nicht heilbar ist

Rauchen ist Hauptursache für chronische Lungenkrankheit, die nicht heilbar ist
© Eric Limon / Fotolia.com

COPD – diese vier Buchstaben stehen für eine chronische Lungenkrankheit (chronic obstructive pulmonary disease). Sie stehen gleichzeitig auch für die weltweite Nummer Drei unter den Todesursachen. Bei 90 Prozent aller Fälle hierzulande ist die Hauptursache ziemlich klar bestimmt: das Rauchen. Zum Welt-COPD-Tag am 15. November weist Prof. Hubert Wirtz, Leiter der Abteilung für Pneumologie am UKL, auf unangenehme Wahrheiten rund um diese Krankheit hin: "COPD verkürzt die Lebenserwartung. Es ist nicht heilbar."

Balance halten – Rücken stärken!

Balance halten – Rücken stärken!
© Aktion Gesunder Rücken e. V.

Am 15. März 2017 findet der 16. Tag der Rückengesundheit statt. Unter dem Motto „Balance halten – Rücken stärken!“ werden bundesweit zahlreiche Veranstaltungen, Aktionen und Workshops angeboten. Organisiert wird der Aktionstag traditionell von der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. und dem Bundesverband deutscher Rückenschulen (BdR) e. V. Eine ausgewogene Balance – sowohl körperlich als auch psychisch - ist von zentraler Bedeutung für die Rückengesundheit. Damit stellt der diesjährige Aktionstag ein wichtiges Thema...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Ernährung: Süßstoffhaltige Getränke steigern ischämische Schlaganfälle, koronare Herzerkrankung und Gesamtsterblichkeit"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.