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Medizin

28. Februar 2019 Ernährung: Süßstoffhaltige Getränke steigern ischämische Schlaganfälle, koronare Herzerkrankung und Gesamtsterblichkeit

Die Ergebnisse von 82.000 Frauen der Women's Health Initiative Observational Study (1) liegen vor: Das Risiko für tödliche und nicht-tödliche Schlaganfälle war um 23% höher bei den Frauen, die angaben, vergleichsweise am meisten süßstoffhaltigen Diätgetränke konsumiert zu haben. Diese berichteten über 2 oder mehr künstlich gesüßte Getränke pro Tag, im Unterschied zur niedrigsten Gruppe über keines oder weniger als eines pro Woche.
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Fachinformation
Zusätzlich zu schon bekannten, ähnlichen Assoziationen wurde jetzt neu beschrieben, dass  die Gruppe mit dem höchsten Konsum von „Diätgetränken“ ein um 81% höheres Risiko für SAO (Small Artery Occlusions) in den Gehirngefäßen hatte. Auf die Bedeutung dieser Verschlüsse der kleinen Arterien (SAO) für die Schlaganfälle unter künstlichen Süßstoffen wies die Erstautorin der Studie, Yasmin Mossavar-Ramani, New York City, USA, besonders hin.

Studiendesign

Die 82.000 Teilnehmerinnen an der Studie waren 50-79 Jahre alt und wurden zwischen 1993-1998 rekrutiert. 3 Jahre nach der Eingangsuntersuchung fand eine körperliche Überprüfung mit Blutabnahmen statt. Sie hatten einen Fragebogen auszufüllen und anzugeben, wie viel künstlich gesüßte Getränke sie in den vorangegangenen 3 Monaten konsumiert hatten (wie etwa Diet Coke (Cola light) oder  Diät-Fruchtgetränke in 12-Unzen-Dosen). Eingeteilt wurde in 9 Kategorien, von „nie“ bis zu „6x täglich“. Die Rasse/Ethnizität und der Body Mass Index wurden berücksichtigt. Erfaßt wurde ebenfalls der Konsum von mit Zucker gesüßten Getränken, welcher aber nicht mit den untersuchten Ereignissen assoziiert war (1).

Süßstoff und Demenz

Schon 2017 war an 4.400 Teilnehmern der Framingham Heart Study Offspring Cohort (mit meist weißen Männern und Frauen) eine Assoziation zwischen hohem Konsum von Getränken mit künstlichem Süssstoff und dem Risiko für Demenz und kardiovaskuläre Ereignissen einschließlich Schlaganfall berichtet worden (2). In dieser prospektiven Kohortenstudie waren mit Zucker gesüßte Getränke auch nicht mit Schlaganfall oder Demenz assoziiert. Matthew P. Pase, der führende Autor dieser Untersuchung betonte, dass dieser Befund aber „keine Evidenz dafür sei, dass zuckergesüßte Getränke sicher seien“.

Süßstoff und kardiovaskuläre Ereignisse

Bereits in einer früheren Untersuchung an Teilnehmern der Women's Health Initiative Study hatte man einen um 30% gesteigerten Anstieg kardiovaskulärer Ereignisse und der Gesamtmortalität bei den Teilnehmerinnen gefunden, die täglich 2 oder mehr „Diät-Getränke“ konsumieret hatten (3). Allerdings liegen zwischenzeitlich auch gegenteilige Resultate vor. Insofern kommt der neuen Studie an 82.000 Frauen eine besondere Bedeutung zu. In einem begleitenden Kommentar zur Arbeit von Mossavar-Ramahni et al. weisen Hannah Gardener und Mitchell S.V. Elkind (4) darauf hin, dass erst 2018 die American Heart Association den Rat gegeben habe, kurzfristig zuckergesüßte Getränke durch niedrigkalorische einschließlich solcher mit künstlichen Süßstoffen zu ersetzen, um die Kalorienaufnahme und das Körpergewicht zu reduzieren. Die neuen Befunde sprechen dieser Empfehlung entgegen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e.V.

Literatur:

(1) Yasmin Mossavar-Rahmani et al.: Artificial sweetened beverages and stroke, coronary heart disease, and all-cause mortality in the Women´s Health Initiative. Originally published 14 Feb 2019. Stroke. 2019. 50: 555-562.
(2) Matthew P. Pase et al.: Sugar- and artificial sweetened beverages and the risks of incident stroke and dementia. Originally published 20 Apr 2017. Stroke. 2017. 48: 1139-1146.
(3) Ankur Vyas et al.: Diet drink consumption and the risk of cardiovascular events: A report from the Women’s Health Initiative. Published online 17 Dec 2014. J Gen Intern Med. 2015. 30 (4): 462-468.
(4) Hannah Gardener, Mitchell S.V. Elkind: Artificial sweeteners, real risks. Stroke. 2019. 50: 549-551.


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