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Medizin

27. April 2020 Fastenmonat Ramadan: Herausforderung für Diabetiker während der Corona-Pandemie

Für die etwa 4,7 Mill. in Deutschland lebenden Muslime hat am 23. April 2020 der religiöse Fastenmonat Ramadan begonnen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) rät Menschen mit Diabetes, nur unter ärztlicher Begleitung zu fasten – Risikopatienten sollten darauf besser ganz verzichten. Zudem geht während der Corona-Pandemie ein entgleister Diabetesstoffwechsel mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf einher.
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Fachinformation
Etwa 100.000 Muslime in Deutschland haben Typ-2-Diabetes. Viele von ihnen möchten den Ramadan ebenso begehen wie ihre stoffwechselgesunden Familienmitglieder. „Der Ramadan ist nicht nur ein religiöses Dogma“, erklärt Dr. med. Mahmoud Sultan von der AG „Diabetes und Migranten“ der DDG. „Der Fastenmonat geht auch mit sozio-kulturelle Aspekten, wie das gemeinsame Fastenbrechen am Abend, einher. „Wer daran nicht teilnimmt, kann sich schnell ausgeschlossen fühlen.“ Daher bestehen viele Diabetiker auf die Einhaltung der religiösen Pflicht, obwohl beispielsweise Schwangere, Alte und Menschen, die dauerhaft schwere körperliche Arbeit verrichten, befreit wären. Eine Studie ergab, dass fast 80% aller Muslime mit einem Diabetes Typ 2 für mindestens 15 Tage fasten (1). „Es ist besonders wichtig, diese Menschen in ihrer Diabetestherapie kulturell sensibel zu betreuen und ihnen das Fasten zu ermöglichen, soweit es medizinisch möglich ist“, erklärt Diabetes- und Diätassistentin VDD Johanna Karapinar aus Osnabrück. „Wir beobachten derzeit in der Praxis, dass das Bedürfnis der Patienten nach Fasten besonders hoch ist – es gibt ihnen eine Aufgabe.“ Zudem könne sich die Fastenzeit positiv auf die körperliche Gesundheit auswirken. „Viele haben in der Zeit der heimischen Isolation auch aus Langeweile gekocht und gegessen. Eine durch das Fasten reduzierte Kalorienaufnahme könne helfen, die Therapieziele bei Diabetes und Übergewicht besser zu verfolgen. „Dabei empfehlen wir Patienten, beim abendlichen Fastenbrechen darauf zu achten, möglichst wenig Kohlenhydrate zu sich zu nehmen.“

Komplikationen durch das Fasten

Den meisten Patienten gelingt die Umstellung ohne größere Probleme. Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes und Diabetespatienten mit einer Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung oder fehlender Bereitschaft, den Blutzucker regelmäßig zu prüfen, sollten hingegen mit täglichen Essens- oder Geldspenden andere Gläubige unterstützen und ihre religiösen Pflichten auf diese Weise erfüllen.  Auch Menschen mit Vorerkrankungen sollten vom Fasten absehen. Grundsätzlich besteht ein sehr hohes/hohes Risiko für Komplikationen durch das Fasten bei schweren Hypoglykämien in den zurückliegenden 3 Monaten vor dem Ramadan, aktuellen Erkrankungen, Schwangerschaft, Nierenproblemen/Dialyse, Typ-1-Diabetes, intensiver körperlicher Arbeit sowie bei hohem Alter mit schlechtem Gesundheitszustand.
 
Leitlinie „Diabetes and Ramadan“

Mit der umfassenden Leitlinie „Diabetes and Ramadan“ stellt die International Diabetes Federation (IDF) medizinischem Personal praktische Handlungsempfehlungen und Hintergrundinformationen bereit, um ihre Patientinnen und Patienten in der Fastenzeit sicher zu betreuen (2). Auf der Homepage von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe können sich Betroffene ausführlich zum Fasten mit Diabetes informieren: https://www.diabetesde.org/ramadan-fasten

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

Literatur:

1. Salti I et al. EPIDIAR study group, A population-based study of diabetes and its characteristics during the fasting month of Ramadan in 13 countries: results of the epidemiology of diabetes and Ramadan 1422/2001 (EPIDIAR) study, Diabetes Care 2004; 27(10):2306-11. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15451892
2. IDF-Guidelines zu Diabetes und Fasten: https://idf.org/e-library/guidelines/87-diabetes-and-ramadan-practical-25


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