Donnerstag, 21. März 2019
Navigation öffnen

Medizin

14. März 2019 Geschlechtskrankheiten: Diagnostik via Smartphone

Erstmalig können Patienten aus ganz Deutschland jetzt digital und anonym Auffälligkeiten im Intimbereich von einem Facharzt überprüfen lassen. Der Antrag für die Smartphone-Applikation speziell für Geschlechtskrankheiten ist genehmigt. Entwickelt haben das digitale Angebot auch Mediziner der Essener Uni-Klinik für Dermatologie am Universitätsklinikum Essen, zusammen mit Kollegen der Universitäts-Hautklinik in Heidelberg (UKHD), dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT).
Ziel der App ist die möglichst frühe Diagnose von Geschlechtskrankheiten. Aus Scham holen sich die Betroffenen meist erst sehr spät ärztlichen Rat. „In vielen Fällen möchte der Patient bei einem Problem im Geschlechtsbereich unerkannt bleiben und gleichzeitig aber wissen, ob die von ihm entdeckte Auffälligkeit in einer Praxis behandelt werden muss“, erklärt PD Dr. Stefan Esser, Leiter der Ambulanz für sexuell übertragbare Erkrankungen der Universitäts-Hautklinik am Universitätsklinikum Essen.

Übertragung über verschlüsselte Verbindung

„Intimarzt“ steht über die Webseite www.Intimarzt.de sowie für iPhones und Android Smartphones kostenlos zum Download zur Verfügung. Um sich eine Erstmeinung einzuholen, müssen 3 Fotos des intimen Problems in bestimmten Abständen aufgenommen und einige Fragen zu möglichen Symptomen beantwortet werden. Die Bilder und Informationen werden anschließend über eine verschlüsselte Verbindung an einen Facharzt für Geschlechtserkrankungen übermittelt. Befunde dürfen nur Fachärzte für Geschlechtskrankheiten mit mindestens 10 Jahren Praxiserfahrung stellen.

Kosten

Bisher sind fast ausschließlich Mediziner aus Baden-Württemberg die Ansprechpartner für die Online-Anfragen aus ganz Deutschland. Sie können den digitalen Service nach der Gebührenordnung für Ärzte abrechnen. Der Patient bezahlt eine Service-Gebühr von 24,95 Euro. „Diese Pauschale müssen die Patienten derzeit noch selbst tragen, jedoch zeigen sich auch die Krankenkassen interessiert an dem neuen Angebot“, berichtet Dr. Titus Brinker, Assistenzarzt an der Universitäts-Hautklinik Heidelberg und Leiter der App-Entwicklung am Nationalen Centrum für NCT Heidelberg und DKFZ. Das Fernbehandlungsverbot erlaubt den Ärzten in Nordrhein-Westfalen eine Behandlung per App bisher nur in Ausnahmefällen – daher werden für den Start von „Intimarzt“ nur Kollegen aus Baden-Württemberg befunden dürfen. Eine weitere Lockerung der gesetzlichen Bestimmungen in NRW, wie sie auch in anderen Bundesländern bereits erfolgt ist, ist aber bald zu erwarten.

Externe wissenschaftliche Evaluation an der Universitäts-Hautklinik Essen

Die Projektgruppe konnte in einem aktuellen Review zeigen, dass die angebotene technische Lösung eine hohe Treffsicherheit und einen hohen Komfort für Patienten sowie befindende Fachärzte für Geschlechtskrankheiten bietet. Daten speziell zu Geschlechtskrankheiten sowie auch Daten aus Deutschland insgesamt fehlen jedoch. Am Universitätsklinikum Essen leitet Funktionsoberärztin Dr. Wiebke Sondermann die externe Evaluation der App Intimarzt. Zentrale Fragestellungen dabei sind, wie oft die Ärzte tatsächlich anhand der eingesandten Patientendaten mit Diagnose und Handlungsempfehlung bei dem intimen Problem weiterhelfen können, mit welchen Geschlechtskrankheiten oder intimen Hautveränderungen Patienten vorstellig werden und wie diese Faktoren interagieren. Grundsätzlich begrüßt Dr. Sondermann den Vorstoß aus Heidelberg: „Oft kommen Patienten durch falsche Scham zu spät in die Sprechstunde, wenn es um intime Hautveränderungen geht. Das hat einen negativen Einfluss auf die Prognose. Ich glaube, dass Intimarzt für Patientinnen und Patienten durch die anonyme Befundungsmöglichkeit eine schnellere fachärztliche Diagnostik ermöglichen kann und vor allem eine gegenüber Dr. Google deutlich überlegene erste Informationsquelle darstellen wird.“

Ersteinschätzung binnen 48 Stunden

Intimarzt verspricht dem Patienten innerhalb von 48 Stunden eine Ersteinschätzung digital zu übermitteln. Rückfragen der Online-Ärzte und die Antworten werden in einem nur für Arzt und Patient zugänglichen und geschützten Datenraum gespeichert. Patienten ohne Smartphone können auch über eine Digitalkamera und die Intimarzt-Webseite die Bilder ihres intimen Problems bereitstellen. Die App Intimarzt liefert eine erste Einschätzung, inklusive einer Handlungsempfehlung. So bleibt dem Patient der Arztbesuch sogar erspart, wenn er sich mit den empfohlenen, frei verkäuflichen Arzneien behandeln kann. Der Service schließt damit die Lücke zwischen einer Internetrecherche und einem persönlichen Praxisbesuch.

Kein genereller Ersatz für den Arztbesuch

„Allerdings ersetzt die Befundung per Smartphone auch nur in manchen Fällen den Arztbesuch. Eine Erstmeinung über eine Telemedizin-Anwendung sollte als ein möglicher Schritt vor einem Arztbesuch gesehen werden. Bei Fällen, die digital nicht eindeutig zu beurteilen sind, werden die Fachärzte die App-Nutzer auch weiterhin in die Praxis einladen“, sagt Brinker.

„Das anonyme Angebot ist auch für die frühzeitige Diagnose von Krebserkrankungen bedeutsam“, betont Jochen Utikal, Leiter der dermatoonkologischen Kooperationseinheit des DKFZ: „So sind zum Beispiel Vulva- oder Peniskarzinom, Hautflecken im Intimbereich oder Feigwarzen durch eine HPV-Infektion bei Frauen und bei Männern dringend auch onkologisch abzuklärende Veränderungen, die aber besonders ungern persönlich dem Arzt vorgestellt werden.“

Quelle: Universitätsklinikum Essen


Das könnte Sie auch interessieren

Adipositas im Kindes- und Jugendalter

Adipositas im Kindes- und Jugendalter
© kwanchaichaiudom / fotolia.com

Laut der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2), die vom Robert Koch-Institut durchgeführt wurde, haben nach dem Referenzsystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 26,3% der 5- bis 17-Jährigen Übergewicht; 8,8% sind von Adipositas betroffen (1). In der Versorgung dieser Kinder und Jugendlichen gibt es erhebliche Defizite: So werden in Deutschland überzeugende, wissenschaftlich-basierte Behandlungs- und Betreuungskonzepte im Gesundheitssystem nicht unterstützt und in der Regel von den Kostenträgern nicht finanziert....

So kommen Senioren gut durch den Winter

So kommen Senioren gut durch den Winter
© ARochau / Fotolia.com

Im Winter neigen vor allem ältere Menschen dazu, sich zu Hause einzuigeln. Aber zu wenig an Bewegung, frischer Luft und Tageslicht können schnell das Immunsystem schwächen, den Stoffwechsel verlangsamen und aufs Gemüt schlagen. „Senioren sollten auch im Winter auf ausreichend Bewegung achten. Andernfalls haben sie es im Frühjahr deutlich schwerer, wieder in Schwung zu kommen“, sagt Klaus Möhlendick, Diplom-Sportwissenschaftler bei der BARMER GEK. Regelmäßige Bewegung ist deshalb so wichtig, weil sie den altersbedingten physiologischen...

Orthopäden und Unfallchirurgen setzen sich für aktiven Lebensstil ein

Orthopäden und Unfallchirurgen setzen sich für aktiven Lebensstil ein
@ Von Schonertagen / Fotolia.com

Jedes Jahr verletzen sich 1,25 Millionen Bundesbürger beim Sport so schwer, dass sie ärztlich versorgt werden müssen (1). Überbelastung, hohe Risikobereitschaft und eine mangelnde Vorbereitung auf das Training führen immer wieder zu Unfällen. Gleichzeitig leben in Deutschland viele Millionen Menschen, die sich aufgrund einer Erkrankung nicht mehr schmerzfrei bewegen können. Auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) stellen Experten vom 24. bis 27. Oktober Therapien vor, mit denen sie Beweglichkeit bis ins hohe Alter...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Geschlechtskrankheiten: Diagnostik via Smartphone "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.