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Medizin

03. Juni 2019 HCV: Hohe Heilungsraten

Moderne direkt wirkende antivirale Agenzien (DAA) gegen HCV erreichen bei allen Genotypen Heilungsraten von teilweise weit über 90%. Die Elimination der Infektion scheint dadurch in greifbare Nähe gerückt. Doch im Vergleich zu vielen anderen Ländern hinkt Deutschland bei der Umsetzung der von der WHO ausgegebenen Ziele hinterher.
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Fachinformation
Symptomloser Verlauf bis zur Zirrhose

In Deutschland gibt es etwa 150.000 Patienten mit einer chronischen HCV-Virämie, die noch nicht diagnostiziert ist, schätzt Prof. Dr. Johannes Vermehren, Frankfurt. Zu den Risikogruppen gehören Drogenkonsumenten, Substitutionspatienten, Haftinsassen, HIV-Infizierte und Migranten aus Ländern mit hoher HCV-Prävalenz. In der Allgemeinbevölkerung ist die Gefahr einer Neuinfektion in Deutschland zwar gering – doch die absolute Zahl der Virusträger liegt viel höher, betont Prof. Christoph Sarrazin, Wiesbaden. So können sich beispielsweise Menschen, die vor 1992 kontaminierte Blutprodukte erhalten oder in ihrer Jugend Kokain geschnupft hatten, mit dem Virus angesteckt haben. Meist verläuft die Infektion ohne Symptome. „Aber 20% der Betroffenen entwickeln innerhalb von 20 Jahren eine Zirrhose, nach 30 bis 40 Jahren fast alle“, erläutert Sarrazin.

Chronische HCV-Infektion heilbar

Durch die pangenotypische Kombinationstherapie mit Sofosbuvir/Velpatasvir (Epclusa®) über 12 Wochen lässt sich eine chronische HCV-Infektion heute bei praktisch allen Patienten heilen. Das belegen aktuelle Real-world-Daten aus 12 Ländern, die insgesamt 5.541 Patienten ohne oder mit kompensierter Zirrhose einschlossen. In der Per-protocol-Analyse betrug das anhaltende virologische Ansprechen (SVR) über das Gesamtkollektiv hinweg 98,5%, berichtet Vermehren. Die wenigen Patienten, bei denen eine erste DAA-Behandlung versagt, profitieren von einer 12-wöchigen Re-Therapie mit der 3-fachkombination Sofosbuvir/Velpatasvir/Voxilaprevir (Vosevi®): Wie eine Analyse von Daten des Deutschen HCV-Registers ergab, führte diese bei allen 110 erfassten Patienten mit und ohne Zirrhose zur Heilung.

Deutschland verfehlt WHO-Vorgabe

Trotz hocheffektiver Therapiemöglichkeiten deutet derzeit aber alles darauf hin, dass Deutschland das WHO-Ziel der HCV-Elimination bis zum Jahr 2030 nicht erreicht. Denn: Dafür wäre die Behandlung von mindestens 7% aller Infizierten pro Jahr notwendig. Diese Quote verfehlte Deutschland, weshalb es von der Liste der erfolgreich auf die Elimination zusteuernden Staaten gestrichen wurde – im Gegensatz zu den meisten anderen westeuropäischen Ländern, die ihre Therapieraten im Vergleich zu 2016 gesteigert hatten. Hauptursache für das „unrühmliche Abschneiden“ Deutschlands, so Sarrazin, ist die zu geringe Zahl an Neudiagnosen. Er fordert deshalb bundesweite Aufklärungskampagnen für die Öffentlichkeit, die Implementierung von HCV-Screening-Maßnahmen im Rahmen von Routineuntersuchungen und die Wiedereinführung der Budgetneutralität des HCV-Antikörpertests.

Clara Wildenrath

Quelle: Pressekonferenz „HepDialog Post EASL: Eine 360°-Betrachtung zur Hepatitis C“, 20.05.2019, München; Veranstalter: Gilead


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