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Medizin

17. April 2019 Hormonelle Kontrazeptiva: Mehrheit der Anwenderinnen weisen unzureichenden Vitamin-D-Spiegel auf

Die Post-hoc-Analyse (1) einer randomisierten offenen klinischen Studie (2) zum Vitamin-D-Status bei Anwenderinnen hormoneller Kontrazeptiva (HK) zeigt, dass die bislang übliche Blutuntersuchung (Messung des Gesamt-25(OH)D)) bei Frauen, die HK anwenden, zu einer Überschätzung des Vitamin-D-Status führen könnte.
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Zusätzliche Vitamin-D-Zufuhr empfohlen

Bei fehlender endogener Synthese empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) zusätzlich zur Zufuhr über die Ernährung 20 μg/Tag durch Vitamin-D-Präparate einzunehmen. Vitamin D spielt eine wichtige Rolle für den Knochen- und Kalzium-Stoffwechsel und ist für die Entwicklung und Erhaltung der muskuloskelettalen Gesundheit erforderlich (3). Vitamin-D-Mangel kann zu Rachitis und Osteomalazie führen (4). Dennoch liegen nach einer aktuellen Studie die Prävalenzraten in der Allgemeinbevölkerung zwischen 13% (25(OH)D-Konzentrationen < 30 nmol/L im Mittel)) und 40,4% (25(OH)-Konzentrationen < 50 nmol/L)). Ethnische Subgruppen mit dunkler Hautfarbe hatten dabei einen niedrigeren Gesamt- 25(OH)D-Serumspiegel (3- bis 71-fach) von < 30 nmol/L als Gruppen mit heller Hautfarbe (5).

Überschätzter Vitamin-D-Status

Eine neue monozentrische offene randomisierte klinische Studie (2), die die 25(OH)D-Serumkonzentrationen bei Frauen im gebärfähigen Alter untersuchte, zeigte: 60,7% der teilnehmenden Frauen wiesen einen unzureichenden Vitamin-D-Spiegel zu Beginn der Studie auf (< 50 nmol/L). 23% hatten einen 25(OH)DSerumspiegel < 30 nmol/L, was als defizitär definiert ist (6). Bei Verdacht auf einen Vitamin-D-Mangel wird üblicherweise ein routinemäßiger Bluttest zur Bestimmung des Gesamt-25(OH)D3-Serumspiegels durchgeführt. Messung des als Parameter verwendeten Gesamt-25(OH)D überschätzt möglicherweise den Vitamin-D-Status bei Frauen im gebärfähigen Alter, die HK anwenden.

Der bei routinemäßigen Blutuntersuchungen gemessene Gesamt-25(OH)D ermöglicht in der Regel eine gute Bewertung des Vitamin-D-Status, da die Konzentrationen zwischen dem gesamten und dem freien 25(OH)D, welches laut der „freien Hormon Hypothese“ nur biologisch aktiv ist (7), meist stark korrelieren (8). Unter bestimmten Bedingungen hingegen, z. B. der Verwendung hormoneller Kontrazeptiva, korreliert der Gesamt-25(OH)D-Spiegel nicht mit dem freien 25(OH)D-Spiegel, wie in der neuen Post-hoc-Analyse (1) einer offenen randomisierten Studie gezeigt wurde. Anwenderinnen von HK wiesen hier im Durchschnitt einen um 26% höheren Gesamt-25(OH)D-Serumspiegel im Vergleich zu den Frauen, die keine HK einnahmen, auf. Bezüglich des freien 25(OH)D-Serumspiegels zeigte sich kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen – weder im Ausgangswert noch nach einer Vitamin-D-Supplementation (1). Nach der „freien Hormon Hypothese“ könnte demnach das freie, ungebundene 25(OH)D den Gesamt-25(OH)DSpiegel für Frauen, die HK einnehmen, besser darstellen (7).

Mit anderen Worten: Die Analyse zeigt, dass aufgrund der „freien Hormon Hypothese“ die tatsächliche Prävalenz eines Vitamin-D-Mangels bei Frauen im gebärfähigen Alter unterschätzt werden könnte. Besonders, da die Einnahme von hormonellen Kontrazeptiva zu einem Anstieg des Gesamt-25(OH)DSerumspiegels, aber nicht des freien 25(OH)D-Serumspiegels führt (1,9). Diese neuen Ergebnisse sollten in Anbetracht von etwa 50% der Frauen im gebärfähigen Alter, die HK (in Europa und in den USA) einnehmen, ernst genommen werden (10). Der am besten geeignete Marker für die Messung eines Vitamin-D-Status bei Frauen, die HK einnehmen, wird noch diskutiert. Es wurde postuliert, dass die Messung des freien 25(OH)D-Spiegels eine bessere Bewertung des Vitamin-D-Status bieten kann als die Messung der gesamten 25(OH)D-Konzentrationen in bestimmten Zielgruppen (7,11).

Freie Hormon-Hypothese

Unter Berücksichtigung der „freien Hormon-Hypothese“ zeigt die neue Post-hoc-Analyse, dass die routinemäßige Blutmessung des gesamten 25(OH)D-Spiegels möglicherweise nicht der richtige Parameter für das Beurteilen des Vitamin-D-Status bei Frauen ist, die hormonelle Kontrazeptiva (1) einnehmen. Dabei ist zu beachten, dass durch die Einnahme von Vitamin-D-Supplementen mit 800 IE pro Tag fast jede Frau, die zu Beginn einen Vitamin-D-Status von im Median 45,3 nmol/L aufgewiesen hatte, nach 8 Wochen einen ausreichenden Vitamin-D-Status von ≥ 50nmol/L erreicht hatte (12). Hier ist hervorzuheben, dass eine solche Vitamin-D-Dosis während der Schwangerschaft in der Regel keine Bedenken für Mutter und Fötus darstellt, wie systematische Reviews und Meta-Analysen belegen (13). Prof. Stefan Pilz, Medizinische Universität Graz, Prüfarzt der Post-hoc-Analyse, versichert daher: „Die tägliche Einnahme eines Vitamin-D-Präparats mit 800 IE Vitamin D ist jedoch – für fast alle Frauen – ausreichend, um den Vitamin-D-Bedarf zu decken, ohne negative Auswirkungen auf die Gesundheit zu haben.“

Vitamin-D-Mangel gefährdet Fötus

Gleichzeitig betont Pilz, dass die Frauen im gebärfähigen Alter ein besonderes Augenmerk auf eine ausreichende Vitamin-D-Zufuhr legen sollten. „Obwohl es für alle Altersgruppen wichtig ist, sollten sich insbesondere Frauen im gebärfähigen Alter bewusst sein, dass im Falle einer Schwangerschaft das ungeborene Kind in Bezug auf die Vitamin-D-Versorgung vollständig von dem Vitamin-D-Status der Mutter abhängig ist, sodass der Vitamin-D-Mangel der Mutter direkt einen Vitamin-D-Mangel des ungeborenen Kindes verursacht“ (14,15). Darüber hinaus erklärt Pilz: „Einige Studien weisen darauf hin, dass Vitamin D die Fruchtbarkeit verbessern kann, diese Hypothese muss jedoch noch weiter untersucht werden (16). Allerdings zeigen mehrere randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) – insbesondere Meta-Analysen von RCTs – bessere Ergebnisse unter Einnahme von Vitamin-D-Supplementen, z. B. ein höheres Geburtsgewicht, ein geringeres Risiko für eine Unterentwicklung im Vergleich zum Gestationsalter (SGA) und bei chronischer/wiederkehrender keuchender Atmung oder Asthma beim Nachwuchs (13,15,17,18). Auch zeigt sich ein geringeres Risiko für Präeklampsie oder Frühgeburt, aber die Daten hierzu sind nicht konsistent“ (15,18,19).

Quelle: P&G Health

Literatur:

(1) Pilz S et al. Hormonal Contraceptive Use is Associated with Higher Total but Unaltered Free 25-Hydroxyvitamin D Serum Concentrations. J Clin Endocrinol Metab. 2018 Apr 16. doi: 10.1210/jc.2018-00336.
(2) Pilz S. et al. Effect of Two Different Multimicronutrient Supplements on Vitamin D Status in Women of Childbearing Age: A Randomized Trial. Nutrients 2017 Jan 4; (9) 1.
(3) Pludowski P. et al. Vitamin D effects on musculoskeletal health, immunity, autoimmunity, cardiovascular disease, cancer, fertility, pregnancy, dementia and mortality-a review of recent evidence. Autoimmun Rev. 2013 Aug; 12 (10): 976-89.
(4) Soubervielle JC. et al. Vitamin D and musculoskeletal health, cardiovascular disease, autoimmunity and cancer: Recommendations for clinical practice. Autoimmun Rev. 2010 Sep; 9( 11): 709-15.
(5) Cashman KD et al. Vitamin D deficiency in Europe: pandemic? Am J Clin Nutr. 2016 Apr; 103 (4): 1033-44.
(6) US institute of Medicine (IOM), Vitamin D factsheet for health professionals, March 2018.
(7) Bikle DD, Malmstroem S, Schwartz J. Are Free Vitamin Metabolite Levels a More Accurate Assessment of Vitamin D Status than Total Levels? Endocrinol Metab Clin North Am. 2017 Dec; 46 (4): 901-918.
(8) Oleröd G. et al. The variation in free 25-hydroxy vitamin D and vitamin D-binding protein with season and vitamin D status. Endocrine Connections 2017; 6:110-120.
(9) Harmon, Q.E.; Umbach, D.M.; Baird, D.D. Use of Estrogen-Containing Contraception Is Associated With Increased Concentrations of 25-Hydroxy Vitamin D. J. Clin. Endocrinol. Metab. 2016, 101, 3370-3377.
(10) Johnson S et al. Current methods and attitudes of women towards contraception in Europe and America. Reprod Health 2013; 10:7.
(11) Møller U, við Streym S, Jensen L, Mosekilde L, Schoenmakers I, Nigdikar S, Rejnmark L. Increased Plasma Concentrations of Vitamin D Metabolites and Vitamin D Binding Protein in Women Using Hormonal Contraceptives: A Cross-Sectional Study. Nutrients 2013, 5, 3470- 3480.
(12) Cashman KD et all. Improved Dietary Guidelines for Vitamin D: Application of Individual Participant Data (IPD)-Level Meta-Regression Analyses. Nutrients. 2017 May 8; 9 (5).
(13) Roth DE, Leung M, Mesfin E, Qamar H, Watterworth J, Papp E. Vitamin D supplementation during pregnancy: state of the evidence from a systematic review of randomised trials. BMJ. 2017 Nov 29; 359: j5237. doi: 10.1136/bmj. j5237.
(14) Karras SN, Wagner CL, Castracane VD. Understanding vitamin D metabolism in pregnancy: From physiology to pathophysiology and clinical outcomes. Metabolism. 2017 Oct 21. pii: S0026-0495 (17) 30275-5. doi: 10.1016/j.metabol.2017.10.001.
(15) Hollis BW, Wagner CL. New insights into the vitamin D requirements during pregnancy. Bone Res. 2017 Aug 29;5:17030. doi: 10.1038/boneres. 2017. 30. eCollection 2017.
(16) Trummer C, Pilz S, Schwetz V, Obermayer-Pietsch B, Lerchbaum E. Vitamin D, PCOS and androgens in men: a systematic review. Endocr Connect. 2018 Mar; 7 (3): R95-R113.
(17) Bi WG, Nuyt AM, Weiler H, Leduc L, Santamaria C, Wei SQ. Association Between Vitamin D Supplementation During Pregnancy and Offspring Growth, Morbidity, and Mortality: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Pediatr. 2018 May 29. doi: 10.1001/jamapediatrics.2018.0302.
(18) De-Regil LM, Palacios C, Lombardo LK, Peña-Rosas JP. Vitamin D supplementation for women during pregnancy. Cochrane Database Syst Rev. 2016 Jan 14; (1): CD008873.
(19) Rostami M, Ramezani Tehrani F, Simbar M, Bidhendi Yarandi R, Minooee S, Hollis BW, Hosseinpanah F. Effectiveness of prenatal vitamin D deficiency screening and treatment program: a stratified randomized field trial. J Clin Endocrinol Metab. 2018 May 18. doi: 10.1210/jc.2018-00109.


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