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Medizin

24. Januar 2020 Hypoglykämie: Nasales Glukagon ab März verfügbar

Schwere Hypoglykämien bei Patienten mit Diabetes mellitus sind glücklicherweise selten geworden – aber das Risiko ist nicht Null. Wie Prof. Dr. Karin Lange, Hannover, ausführte, können Hypoglykämien in allen HbA1c-Bereichen auftreten. Für den Fall, dass ein Patient in einer schweren Unterzuckerung keinen Fruchtsaft oder Traubenzucker mehr zu sich nehmen kann, gibt es Glukagon als Notfallmedikament bereits seit den 1990er Jahren. Diabetes-Patienten mit klinisch relevantem Hypoglykämierisiko bekommen es verschrieben, sodass ein Dritter es ihnen im Notfall verabreichen kann. Das könnte, je nach Situation, ein instruierter Freund oder Angehöriger, aber auch ein zufällig anwesender Fremder sein. Das Hormon, das normalerweise von den alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse produziert wird, sorgt im Körper dafür, dass Zucker aus der Leber freigesetzt wird.
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Glukoagon-Spritze praxisuntauglich

Bislang war Glukoagon bereits als Spritze verfügbar, doch die hat aus Sicht von Prof. Dr. Thomas Danne, Hannover, 2 entscheidende Nachteile: Zum einen muss sie permanent gekühlt werden – schwierig, wo sie doch eigentlich immer und überall hin mitgenommen werden sollte. Zum anderen ist die Handhabung kompliziert, denn die Spritze ist nicht gebrauchsfertig. Vielmehr muss das Glukagon-Pulver in einer Durchstechampulle zunächst in dem Lösungsmittel aus der Spritze aufgelöst werden, die Lösung dann wieder aufgezogen und dem unterzuckerten und möglicherweise heftig krampfenden Patienten in den Oberschenkel injiziert werden. Nach Ansicht des Experten für Laien, auch wenn sie instruiert sind, gerade in einer Stress-Situation kaum machbar.

Glukagon als nasale Applikation

Danne begrüßt es daher, dass mit Baqsimi® nun ein Glukagon-Präparat für die nasale Applikation zugelassen wurde. Es kann bei Raumtemperatur gelagert werden, und die Anwendung ist einfach: Das Glukagon befindet sich als Pulver in einem Behältnis, das von der Form an ein kleines Nasenspray erinnert. Der Helfer nimmt es in die Hand, sodass sich der Daumen am Boden des Behältnisses und Zeige- und Mittelfinger rechts und links von der Spitze befinden. Sodann führt er die Spitze in ein Nasenloch des Unterzuckerten ein und löst die Freigabe des Pulvers durch Druck mit dem Daumen auf den Boden aus. Das gelang in einer Simulation über 90% der Testpersonen – auch solchen, die vorher nicht instruiert waren.

Tränenfluss und Reizung der oberen Atemwege

Über die Nasenschleimhaut gelangt das Glukagon direkt ins Blut. Wie eine Untersuchung gezeigt hat, sind Spritze und nasale Applikation vergleichbar wirksam und letztere funktioniert auch bei verstopfter Nase. Neben den bekannten Nebenwirkungen von Glukagon (Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen), kann es bei nasaler Applikation zu erhöhtem Tränenfluss und zu Reizung der oberen Atemwege kommen.
Das nasale Glukagon ist angezeigt zur Behandlung schwerer Hypoglykämie bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 4 Jahren mit Diabetes mellitus. Laut Hersteller Lilly soll es ab Mitte März verfügbar sein.

Dr. Anne Benckendorff

Quelle: Launch-Pressekonferenz: „Nasales Glukagon (Baqsimi®) – Meilenstein in der Notfallversorgung schwerer Hypoglykämien“, 22. Januar 2020, Frankfurt am Main; Veranstalter: Lilly


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