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Medizin

08. Juli 2020 Immunsuppression: Pneumokokken-Impfstoff wieder vollumfänglich lieferbar

Der Pneumokokken-Impfstoff Prevenar 13® ist in den 1er-, 10er- und 50er-Packungsgrößen wieder vollumfänglich lieferbar. Für den 13-valenten Konjugatimpfstoff gilt ab sofort wieder die ursprüngliche Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Die zu Beginn der COVID-19-Pandemie herausgegebenen temporären Handlungshinweise wurden entfernt, sodass Patienten mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten bzw. Immunsuppression wieder mit Prevenar 13® geimpft werden können. Diese Menschen haben ein erhöhtes Risiko für schwere Pneumokokken-Infektionen, die ursächlich für die Mehrzahl aller bakteriellen Lungenentzündungen sind (1).
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Fachinformation
Ursachen für eine Immunsuppression können Grunderkrankungen wie eine HIV-Infektion und chronisches Nierenversagen oder immunsuppressive Therapien sein, beispielsweise bei Autoimmunerkrankungen wie Rheuma. Für immunsupprimierte Personen waren die Impfraten gegen Pneumokokken in den vergangenen Jahren sehr gering: Lediglich 4,4% haben innerhalb von 2 Jahren nach der Diagnose eine Pneumokokken-Impfung erhalten (2). „Die COVID-19-Pandemie hat dafür sensibilisiert, welchen Beitrag Impfungen zum Schutz der Gesundheit und zur Entlastung des Gesundheitssystems leisten können. Im Zuge dessen kam es auch zu einem Nachfrageschub bei Pneumokokken-Impfstoffen“, erläutert Prof. Dr. med. Christof von Eiff, Pfizer. Auf die stark erhöhte Nachfrage hat Pfizer in den vergangenen Wochen und Monaten reagiert und dem deutschen Markt zusätzliche Impfdosen Prevenar 13® zur Verfügung gestellt. „Für immunsupprimierte Patienten hat die Impfung gegen Pneumokokken auch weiterhin eine hohe Priorität, insbesondere, um vermeidbaren Lungenentzündungen vorzubeugen“, so von Eiff. Je nach Grundleiden kann das Risiko einer Pneumokokken-Infektion teilweise um das 5,4-fache steigen (1). Die Infektionskrankheit ist mit einer hohen Letalität verbunden – vor allem im höheren Lebensalter, bei Komorbiditäten und bei Personen mit geschwächtem Immunsystem (3).
 
STIKO-Empfehlungen zur Pneumokokken-Impfung bei Risikogruppen
 
Neben den Standardimpfungen für Kleinkinder und Personen ab 60 Jahren wird die Pneumokokken-Impfung auch als Indikationsimpfung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grundkrankheit empfohlen. Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten bzw. Immunsuppression sollen nach einem sequenziellen Impfschema zunächst den 13-valenten Konjugatimpfstoff Prevenar 13® (PCV13) und 6-12 Monate später den 23-valenten Polysaccharidimpfstoff PPSV23 erhalten. Für Patienten im Alter von 2-15 Jahren mit chronischen Erkrankungen des Herzens oder der Atmungsorgane, Stoffwechselerkrankungen und neurologischen Krankheiten gilt ebenfalls das sequenzielle Impfschema. Ab einem Alter von 16 Jahren erhält diese Patientengruppe nur eine Impfung mit PPSV23. Patienten mit anatomischen und fremdkörperassoziierten Risiken für eine Pneumokokken-Meningitis erhalten ebenfalls nach dem sequenziellen Impfschema eine Dosis Prevenar 13® und nach 6-12 Monaten eine Dosis PPSV23. In allen genannten Fällen soll PPSV23 erst ab einem Alter von 2 Jahren gegeben werden (4).
 
Impfen während der COVID-19-Pandemie
 
In einer Stellungnahme weist die STIKO auf den besonderen Stellenwert des Impfschutzes bei Immunsupprimierten und Personen mit anderen gesundheitlichen Risikofaktoren hin (5). Auch die Grundimmunisierung im ersten und zweiten Lebensjahr sollte unbedingt zeitgerecht begonnen und möglichst rechtzeitig abgeschlossen werden. Jeder Patientenkontakt sollte dazu genutzt werden, den Impfstatus zu überprüfen und ausgelassene Impfungen schnellstmöglich nachzuholen. Das Einrichten einer gesonderten Impfsprechstunde, für die ausschließlich Termine zur Impfung und Impfberatung vergeben werden, kann das Risiko einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 in der Praxis minimieren. Für immunsupprimierte Patienten werden neben der Pneumokokken-Impfung unter anderem auch die jährliche Grippeschutzimpfung sowie Impfungen gegen Meningokokken ACWY und Meningokokken B empfohlen (4).

Quelle: Pfizer

Literatur:

(1) Pelton SI, Shea KM, Farkouh RA, et al. Rates of pneumonia among children and adults with chronic medical conditions in Germany. BMC Infect Dis 2015;15(1):470.
(2) Schmedt N, Schiffner-Rohe J, Sprenger R, Walker J, von Eiff C, Häckl D. Pneumococcal vaccination rates in immunocompromised patients—A cohort study based on claims data from more than 200,000 patients in Germany. PLOS ONE 2019;14(8):e0220848.
(3) Kolditz M, Tesch F, Mocke L, Höffken G, Ewig S, Schmitt J. Burden and risk factors of ambulatory or hospitalized CAP: A population based cohort study. Respir Med 2016;121:32–8.
(4) Ständige Impfkommission: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Epid Bull 2019;34:313 – 364 | DOI 10.25646/6233.7.
(5) Ständige Impfkommission beim RKI: Stellungnahme der Ständigen Impfkommission: Durchführung von empfohlenen Schutzimpfungen während der COVID-19-Pandemie Epid Bull 2020;18:3–4 | DOI 10.25646/6858.


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