Mittwoch, 12. August 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

16. April 2020 Instabile COPD: Früherkennung und personalisierte Behandlung entscheidend

Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) hat viele Gesichter und eine eindeutige Diagnose bedarf der richtigen Methoden. Hier stellt sich die Frage, wie genau der Krankheitsverlauf bei COPD ist. Antworten darauf liefert PD Dr. Henrik Watz, Großhansdorf. Im Vordergrund seines Vortrags standen Diagnose-Methoden sowie der rechtzeitige Einsatz wirksamer COPD-Therapien. Wie wichtig es ist, die individuellen Ursachen sowie den Schweregrad der Erkrankung einzuschätzen, um schlussendlich eine personalisierte Therapie zu wählen, war ebenso Thema. Dr. Conrad Schiefer, Markkleeberg, erläuterte, wie gerade Patienten mit einer geringen symptomatischen Ausprägung in der Praxis erkannt werden können und somit eine adäquate Therapie erhalten.
Anzeige:
Basistext
Wenn von COPD gesprochen wird, ist eine Erkrankung gemeint, die mit Symptomen wie Belastungsdyspnoe, Husten und Auswurf sowie einer persistierenden Atemwegsobstruktion einhergeht. Die WHO (World Health Organization) definiert COPD hingegen nicht als eine alleinstehende Erkrankung, sondern als Sammelbegriff für chronische Lungenerkrankungen, die mit Einschränkungen des Atemflusses in der Lunge einhergehen (1).

Heterogene Ursachen für chronische Atemwegsobstruktion

Die 2 Hauptursachen der chronischen Atemwegsobstruktion bei COPD sind entzündliche Veränderungen an den kleinen Atemwegen (small airways disease) sowie eine Destruktion von Lungengewebe (Emphysem) (2). Das Patientenkollektiv bei COPD ist dabei sehr heterogen und die Symptom-Ausprägung variiert stark: So leidet beispielsweise ein Teil der Patienten an einer chronischen Bronchitis – dies trifft aber bei weitem nicht auf alle Patienten zu (2). Laut GOLD gibt es neben dem Emphysem noch weitere strukturelle Veränderungen im Lungengewebe bei COPD-Patienten (3). Zudem können vor allem mit zunehmendem Alter Komorbiditäten einen Einfluss auf den Verlauf der COPD haben.

Neue Möglichkeiten einer umfassenden COPD-Diagnose

Eine Voraussetzung für den rechtzeitigen Einsatz einer wirksamen Therapie ist es, die korrekte Diagnose so früh wie möglich zu stellen. Denn je eher die Therapie beginnt, umso eher kann die Progression der Erkrankung verlangsamt werden. „Die COPD geht mit einem stetigen Verlust der Lungenfunktion einher. Das Ziel muss es daher sein, frühestmöglich zu intervenieren“, erläuterte Watz und fügte hinzu: „Neben einer wirksamen Therapie sind dabei die Tabakentwöhnung und eine ausreichende körperliche Aktivität entscheidend.“

Doch in welchem Ausmaß ist dies überhaupt möglich? Genau hier setzt eine Untersuchung an, die Watz gemeinsam mit Kollegen initiiert und auf dem Trialog I vorgestellt hat: Ein Ziel der Studie ist es, Patienten in einem frühen Krankheitsstadium zu identifizieren, die ein hohes Risiko für eine schnell voranschreitende Progression und/oder einen Verlust der Lungenfunktion haben. Außerdem möchten die Mediziner herausfinden, welche Rolle die small airways disease (SAD) bei der Progression der Erkrankung spielt. „Wir müssen COPD-Patienten präzise diagnostizieren, um Risikopatienten zu identifizieren und individuell behandeln zu können“, so Watz. „Dabei hat die Prävention von Exazerbationen einen hohen Stellenwert, da jedes Akutereignis die Lungenfunktion weiter verschlechtert – und das irreversibel. Außerdem erhöht sich nach jeder Exazerbation das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse.“

Inzwischen stehen für die (frühe) Diagnose optimierte technische Möglichkeiten der Lungenfunktionsmessung sowie bildgebende Methoden zur Verfügung: Die Impulsoszillometrie (IOS) ermöglicht eine sensitivere Messung von SAD, als es alleine durch die Spirometrie möglich ist. Auch das Multiple Breath Washout (MBW) trägt dazu bei, die Lungenfunktionsveränderungen im Bereich der kleinen Atemwege frühzeitig zu erkennen (4). Die hochauflösende Computer Tomografie (HRCT) ermöglicht frühzeitig Bronchiektasen zu erkennen und das Ausmaß des Lungenemphysems einzuschätzen (3).

Therapie-Anpassung bei moderater COPD

Auch Schiefer betonte bei seinem Vortrag, wie wichtig es ist, frühzeitig mit der Therapie zu beginnen: „In der Praxis ist es leider so, dass zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bei den Patienten meist schon ein großer Teil der Lungenfunktion zerstört ist.“ So auch bei seinem Beispiel eines instabilen Patienten, der eine Therapie-Umstellung auf eine Dreifach-Fixkombination erhielt:

Im Oktober 2018 erfolgte die Erstvorstellung eines 52-jährigen Patienten in der Pneumologischen Schwerpunktpraxis Pneumologie Markkleeberg GbR. Der Patient (BMI 36, 30 py, CAT= 5, FEV1 54% vom Soll, LABA/LAMA Vortherapie) wird klassifiziert als COPD GOLD II – Gruppe B, er hat eine hochgradige bronchiale Hyperreagibilität und weitere Komorbiditäten (Diabetes mellitus Typ II, arterielle Hypertonie und Adipositas Grad II). Um seine Überblähung und Atemnot zu reduzieren und um Exazerbationen zu vermeiden, wurde der Patient auf eine maximale Bronchodilatation mit Trimbow® 2x2 Hübe am Tag und Berodual® 2 Hübe bei Bedarf umgestellt. Wichtig waren weiterhin die Schulung des Patienten zur Devicenutzung, die Beibehaltung der Nikotinkarenz sowie eine Gewichtsreduktion. Innerhalb eines knappen Jahres hat sich die Belastbarkeit des Patienten verbessert, die pulmonalen Reizerscheinungen sind reduziert worden und es kam zu keiner erneuten Exazerbation.

Mehr Lebensqualität und Senkung der Exazerbationsrate durch Dreifach-Fixkombination

In der randomisierten Doppelblindstudie TRIBUTE wurde die Wirksamkeit der extrafeinen Dreifach-Fixkombination Trimbow® (Glycopyrroniumbromid (GB), Formoterolfumarat (FF) und Beclometasondipropionat (BDP)) mit der LAMA/LABA-Kombination aus Glycopyrroniumbromid/Indacaterol (GB/IND) hinsichtlich der Reduktion moderater bis schwerer Exazerbationen bei COPD verglichen (5). In der Studie wurden 1.532 Patienten mit einem FEV1 < 50% vom Soll und einem CAT-Score ≥ 0, die trotz medikamentöser Vortherapie mindestens eine moderate bis schwere Exazerbation im Vorjahr erlitten hatten, eingeschlossen (5).
Mit 63% war ein hoher Anteil an GOLD-B-Patienten mit einer moderaten Exazerbation in den vergangenen 12 Monaten in die Studie eingeschlossen (6). Eine Subgruppenanalyse zeigte, dass auch bei dieser Gruppe eine signifikante Zunahme der Lebensqualität im Vergleich zu GB/IND zu verzeichnen war (6). Auch wurde eine signifikante Senkung der Exazerbationsrate um 23% mit GB/FF/BDP im Vergleich zu GB/IND gezeigt (6).
Schiefer stellte in seinem Vortrag heraus, dass eine Dreifach-Fixkombination aus LAMA, LABA und ICS (GB/FF/BDP) ein geeignetes „all-in-one“-Konzept, jedoch nicht „one for all“, ist, da der Einsatz nur bei symptomatischen Patienten indiziert ist.

Quelle: Chiesi

Literatur:

(1) https://www.who.int/respiratory/copd/en/
(2) Vogelmeier CF et al., S2k-Leitlinie „Diagnostik, Prävention und Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD)", Stand: 01.01.2018, gültig bis 31.12.2021 https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/020-006.html (letzter Zugriff: 17.03.2020).
(3) The Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD). Global Strategy for the Diagnosis, Management, and Prevention of Chronic Obstructive Pulmonary Disease. 2020 Report https://goldcopd.org/wp-content/uploads/2019/11/GOLD-2020-REPORT-ver1.0wms.pdf (letzter Zugriff: 17.03.2020).
(4) Trinkman et al., Abstract AJRCCM 2019; 199: A2409. https://www.atsjournals.org/doi/10.1164/ajrccm-conference.2019.199.1_MeetingAbstracts.A2409 (letzter Zugriff: 17.03.2020).
(5) Papi A et al., Lancet 2018; 391:1076-1084.
(6) Singh et al., Eur Respir J 2019, https://doi.org/10.1183/13993003.00235-2019 (letzter Zugriff: 17.03.2020).


Anzeige:
Fachinformation

Das könnte Sie auch interessieren

13 Prozent der Deutschen glauben, Rheuma sei eine Krankheit des Alters

13 Prozent der Deutschen glauben, Rheuma sei eine Krankheit des Alters
© wavebreak3 / fotolia.com

Rheuma ist keine Frage des Alters Rheumatoide Arthritis ist eine von mehr als 200 verschiedenen Rheuma-Erkrankungen Welt-Rheuma-Tag am 12. Oktober   Mehr als jeder Zehnte glaubt, Rheuma sei eine altersbedingte Krankheit, die einfach hingenommen werden müsste (1). Das ergab eine repräsentative Umfrage unter 1.000 Deutschen anläßlich des Welt-Rheuma-Tages am 12. Oktober im Auftrag des Biotechnologie-Unternehmens Amgen. Dabei kann die Erkrankung in jedem Lebensalter auftreten. Auch viele junge Menschen erkranken an Rheuma: Rund 20.000 Kinder und...

Darmkrebsmonat März: Alkohol ist ein wichtiger Risikofaktor für Darmkrebs

Darmkrebsmonat März: Alkohol ist ein wichtiger Risikofaktor für Darmkrebs
© karepa / Fotolia.com

Das Trinken von Alkohol ist gesellschaftlich breit akzeptiert, trotz der Risiken, die mit seinem Konsum einhergehen. Alkohol ist an der Entstehung von mehr als 200 Erkrankungen beteiligt, so die Autoren des Alkoholatlas Deutschland 2017. Leberschäden gehören dabei zu den weitgehend bekannten Folgen. Doch auch das Risiko für Darmkrebs steigt. Anlässlich des Darmkrebsmonats März macht die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) darauf aufmerksam, dass auch der vergleichsweise moderate Konsum von Alkohol das...

Forsa-Umfrage: Jede dritte Frau hat Sorgen vor Klinikaufenthalt

Forsa-Umfrage: Jede dritte Frau hat Sorgen vor Klinikaufenthalt
© VILevi / Fotolia.com

Vergessenes OP-Besteck im Körper, Komplikationen durch fehlerhafte Medizinprodukte oder Infektionen mit Keimen – immer wieder kommt es in deutschen Krankenhäusern zu solchen Zwischenfällen. Laut Medizinischem Dienst der Krankenkassen (MDK) lag die offizielle Zahl der bestätigten Behandlungsfehler im vergangenen Jahr bundesweit bei knapp 3.500. Das verunsichert Patienten verständlicherweise vor wichtigen medizinischen Eingriffen. Frauen sorgen sich häufiger als Männer vor einem Klinikaufenthalt, so das aktuelle Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Instabile COPD: Früherkennung und personalisierte Behandlung entscheidend"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Italien verlängert Notstand bis Oktober (dpa, 29.07.2020).
  • Italien verlängert Notstand bis Oktober (dpa, 29.07.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden