Montag, 25. März 2019
Navigation öffnen

Medizin

24. Dezember 2018 Medizintechnik: Lichtmikroskop überschreitet Abbe-Limit

Das Institut für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) erhält ein hochmodernes MINFLUX-Mikroskop. Prof. Dr. Christian Eggeling und sein Team hatten Erfolg mit ihrem Antrag „Minflux-Jena – Advancing Single-Molecule Detection in Cell-Biological Research“ bei der aktuellen Großgeräteinitiative der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Das etwa 2 Millionen Euro teure Gerät wird voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2019 seine Arbeit in Jena aufnehmen können.
„Das ist natürlich eine tolle Nachricht von der DFG“, sagt Prof. Eggeling. Der 48-jährige Biophysiker freut sich auf ein neues Gerät, dessen Leistungsgrenzen noch lange nicht ausgelotet sind: „Das Potenzial dieser Hochleistungsmikroskope lässt sich nur herausfinden, wenn wir die neue Technologie anwenden.“

Entwickelt wurde die MINFLUX-Mikroskopie am Max-Planck-Institut in Göttingen, wo der Nobelpreisträger Prof. Dr. Stefan Hell forscht. Christian Eggeling hat selbst in Hells Team gearbeitet, ehe er nach Oxford wechselte. Erfreulich sei, so Christian Eggeling, dass die Jenaer Stärken in der Mikroskopie und ihrer Anwendung durch die DFG gewürdigt werden. „Mit den Minflux-Mikroskopen stoßen wir die Tür zu einer neuen Form der Mikroskopie auf“, sagt Eggeling. Die Geräte erlauben den Blick auf ein einzelnes Molekül und überwinden damit die Auflösungsgrenze, die Ernst Abbe einst in Jena postulierte, auf eine neue Art und Weise.

Der Wissenschaftspionier Abbe hatte errechnet, dass optische Mikroskope höchstens eine Auflösung von 200 Nanometern erreichen können. Durch Entwicklungen über die letzten 20 Jahre auch durch das Team um Prof. Hell in Göttingen und Prof. Eggeling wurden mit Hilfe der superauflösenden Mikroskope Möglichkeiten aufgezeigt, diese Grenze zu überlisten, und es ist heute auch mit mittlerweile kommerziellen Geräten möglich, Strukturen in lebenden Zellen zu untersuchen, die wesentlich kleiner als die 200 Nanometer Grenze sind.

Neue Wege in die superauflösende Mikroskopie

Mit den MINFLUX-Geräten hat das Team um Prof. Stefan Hell nun neue Wege in die superauflösende Mikroskopie beschritten: Mit Hilfe eines Donut-förmigen Lasers und innovativer Computerunterstützung erlauben die neuen Mikroskope den Blick in lebende Zellen, wobei sie nun einzelne Moleküle mit bisher unerreichter räumlicher und zeitlicher Auflösung lokalisieren und verfolgen können. Noch sei das alles Grundlagenforschung, sagt Prof. Eggeling. Die Arbeit im Sonderforschungsbereich 166 „ReceptorLight“ lasse jedoch erkennen, welches Potenzial der Blick in die „Dunkelkammer Zelle“ hat. „Wenn wir beobachten können, an welchen Stellen beispielsweise ein Virus aus der Zelle austritt, können wir das gezielt verhindern“, sagt Christian Eggeling. Somit ließen sich Infektionen wie etwa HIV eindämmen.

Die Ausschreibung „Neuartige, experimentelle Lichtmikroskope für die Forschung“ stieß bei den deutschen Hochschulen auf große Resonanz. Insgesamt gingen 50 Anträge auf Förderung bei der DFG ein, davon werden 13 experimentelle Mikroskope gefördert. Die DFG gibt dafür etwa 14,5 Millionen Euro aus. Die sogenannte Großgeräteinitiative der Deutschen Forschungsgemeinschaft zielt darauf ab, hoch entwickelte, noch wenig etablierte Technologien aus der Lichtmikroskopie nutzbar zu machen.

Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena


Das könnte Sie auch interessieren

Über 6 Millionen an Osteoporose erkrankt

Über 6 Millionen an Osteoporose erkrankt
© decade3d / Fotolia.com

6,3 Millionen Menschen leiden heute in Deutschland an Osteoporose.(1) Jede vierte Frau über 50 Jahren ist betroffen, jeder 17. Mann.1 Jedes Jahr erkranken rund 885.000 Menschen neu an der Volkskrankheit.(1) Häufig bleibt jedoch die Krankheit unerkannt und unbehandelt. Nur 25 Prozent der Erkrankten werden in Deutschland medikamentös behandelt.(2) Im Vergleich: In Frankreich erhalten fast 60 Prozent der Erkrankten, in Spanien über 80 Prozent eine Osteoporose-Therapie.(2) Diagnose- sowie Behandlungsmöglichkeiten werden in Deutschland nicht ausreichend genutzt, warnen...

Die wichtigsten Tipps zur Grippe-Impfung

Die wichtigsten Tipps zur Grippe-Impfung
© Konstantin Yuganov / fotolia.com

Es geht wieder los: Die Grippe-Zeit beginnt! Insbesondere ältere Patienten sind durch Influenza-Viren gefährdet. Aber auch Schwangere, Kinder und Pflegepersonal sind besonders betroffen. Deswegen raten Experten jetzt zur gezielten Grippeschutzimpfung. „Für ältere Menschen eignen sich insbesondere die sogenannten tetravalenten Impfstoffe, die nun auch von den Krankenkassen bezahlt werden“, sagt Dr. Andreas Leischker (Foto), Impfexperte der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) sowie Chefarzt der Klinik für Geriatrie des Alexianer-Krankenhauses...

Diabetes – eine unterschätzte Herausforderung in der Pflege

Diabetes – eine unterschätzte Herausforderung in der Pflege
© Robert Kneschke / fotolia.com

Die stetig steigende Zahl an pflegebedürftigen Menschen mit Diabetes stellt eine wachsende Herausforderung dar. Mit dem Kompaktkurs „Basisqualifikation Diabetes Pflege DDG“ bietet die DDG praktische Hilfe und vermittelt Sicherheit bei der Pflege von Patienten mit Diabetes. Von der DDG qualifizierte Trainer bieten diese Kurse überregional an. Eine Liste der Trainer ist auf der Website abrufbar. Die Trainerteams verfügen sowohl über diabetologisch-ärztliche als auch über Diabetes beratende und pflegerische Qualifikationen. Die Fortbildung für...

Lymphknoten–Transplantation: Hilfe bei Lymphödemen

Lymphknoten–Transplantation: Hilfe bei Lymphödemen
© pixologic / fotolia.com

Neues Verfahren bietet erstmals Heilungschance bei Lymphstauungen. Vor allem Krebspatienten haben darunter zu leiden: Zwar ist der Krebs erfolgreich behandelt, doch zurück bleiben Folgen wie beispielsweise Lymphstauungen an Armen und Beinen. Meist handelt es sich um geschwollene, schmerzende Extremitäten, in denen die Lymphflüssigkeit nicht mehr abfließen kann, weil das feine System der dafür nötigen Kanäle beschädigt wurde. Bisher konnten nur die Symptome gelindert werden, oft eine unbefriedigende und lebenslang leidvolle Situation für die...

Urologen geben Entwarnung: Sorgen vor Zeugungsunfähigkeit sind unbegründet

Urologen geben Entwarnung: Sorgen vor Zeugungsunfähigkeit sind unbegründet
@ deagreez / Fotolia.com

Eine neue Studie zur männlichen Fruchtbarkeit, veröffentlicht in der Fachzeitschrift "Human Reproductive Update", sorgt derzeit für Aufsehen. Die Untersuchungen von Mediziner Hagai Levine und seinem Team der Hebräischen Universität Jerusalem zeigen, dass die Spermienanzahl von Männern aus westlichen Ländern immer weiter abnimmt. Laut den Wissenschaftlern ist die Spermienanzahl pro Milliliter Sperma um etwa 52 Prozent gesunken. Bei der Gesamtzahl der Spermien pro Samenerguss gaben die Forscher sogar einen Rückgang von nahezu 60 Prozent an....

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Medizintechnik: Lichtmikroskop überschreitet Abbe-Limit "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.