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05. Oktober 2017 Methode zur Abschätzung des Risikos von Virus-Epidemien

Infektionskrankheiten wie HIV, Hepatitis B oder C, die sexuell oder durch Blut übertragen werden, können sich in der Bevölkerung epidemisch ausbreiten. Eine am UniversitätsSpital Zürich entwickelte biomathematische Methode hilft, das Risiko dafür abzuschätzen.
Wie groß ist die Gefahr, dass sich HIV in der heterosexuellen Bevölkerung der Schweiz epidemisch ausbreitet? "Das Risiko ist sehr gering und es wird laufend geringer", sagt Prof. Roger Kouyos von der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene. Die von einem Team von Infektiologen für die Schweiz ermittelte HIV-Reproduktionsrate beträgt 0.44. "Der Wert liegt weit unter der kritischen Schwelle", sagt Kouyos. Ist die Reproduktionsrate geringer als 1, kommt es selten zu Ansteckungen und die Übertragungskette bricht irgendwann ab. Somit kann sich das Virus nur in der heterosexuellen Bevölkerung halten, weil es über verschiedene Risikogruppen ständig neu in diese importiert wird.

Für die in der Fachzeitschrift eLife publizierte Arbeit nutzte das Team um die Epidemiologin Teja Turk die anonymisierten und qualitativ hochstehenden Daten der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie (www.shcs.ch), welche die HIV Epidemie in der Schweiz seit 30 Jahren repräsentativ abbildet. In die neu entwickelte biomathematische Methode flossen neben klinischen Daten die viralen Genomsequenzen ein, anhand derer sich die Übertragungsketten nachvollziehen lassen. Untersucht wurden verschiedenste Subtypen von Viren und deren demografische Herkunft. Dabei zeigte sich, dass HIV-Infizierte das Virus besonders stark verbreiteten, wenn ihre Erkrankung spät diagnostiziert wurde und sie häufig Sex mit verschiedenen Partnern hatten.

Die Methode kann auch auf andere virale Infektionskrankheiten wie Hepatitis B oder C oder Syphilis angewandt werden. "Genomsequenzen werden heute immer häufiger auch bei nicht HIV-Pathogenen produziert", sagt Prof. Kouyos. Man könne damit prüfen, wie wirksam präventive Maßnahmen sind und welche Subgruppen besonders gefährdet sind. "Das dürfte insbesondere für gesundheitspolitische Fragestellungen interessant sein."

Quelle: UniversitätsSpital Zürich


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