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Medizin

17. Mai 2019 Migräne: Neuer CGRF-Antikörper zur Prophylaxe bietet hohe Flexibilität

Mit der Entwicklung von CGRP-Antikörpern steht erstmals eine spezifisch für die Migräne-Prophylaxe entwickelte Medikation zur Verfügung (1). Der neue monoklonale Antikörper Fremanezumab kann monatlich oder auch nur einmal im Quartal appliziert werden, was Patienten mehr Entscheidungsfreiheit bietet.
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Fachinformation
Die WHO zählt die Migräne zu den Top 10 der nicht tödlichen Krankheiten mit den stärksten Beeinträchtigungen. Dies gilt insbesondere für die hochfrequente episodische Migräne mit 9-15 Migräne-Attacken pro Monat und die chronische Migräne mit mehr als 15 Kopfschmerztagen (davon mindestens 8 mit Migräne).

Bislang geringe Adhärenz

Bei etwa 40% der Migränepatienten wäre aufgrund der Symptomatik und des Leidensdruckes eigentlich eine prophylaktische Therapie indiziert, die darauf abzielt, Anzahl, Schwere und Dauer der Attacken zu reduzieren, sagte Prof. Dr. Uwe Reuter von der Neurologischen Klinik der Charité Universitätsmedizin Berlin. Nur 15% dieser Patienten erhalten aber eine prophylaktische Therapie. Dies könnte auch daran liegen, dass die bisher zur Migräne-Prophylaxe eingesetzten Medikamente aus anderen Indikationsgebieten stammen, zahlreiche Nebenwirkungen und Kontraindikationen aufweisen und zudem in der Wirksamkeit begrenzt sind, sagte der Neurologe. Viele Patienten brechen die Therapie im ersten Behandlungsjahr aus solchen Gründen wieder ab.

CGRP-Antikörper wie Fremanezumab (Ajovy®) sind die ersten Medikamente, die spezifisch für die Migräne-Prophylaxe entwickelt wurden und gezielt in den Pathomechanismus der Migräne-Entstehung eingreifen, sagte PD. Dr. Tim Jürgens von der Neurologischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Rostock.

Wirksam bei chronischer und episodischer Migräne

In den Phase-III-Studien des HALO-Studienprogramms zeigte sich unter Fremanezumab sowohl bei episodischer als auch bei chronischer Migräne eine signifikante Reduktion der Zahl der Kopfschmerz- bzw. Migräne-Tage im Vergleich zu Placebo (2). Bei chronischer Migräne wurde die Anzahl der monatlichen Kopfschmerztage im Vergleich zur Baseline um 4,6 Tage reduziert; bei der Quartalsdosis lag die Reduktion bei 4,3 Tagen (p<0,0001 vs. Placebo mit -2,5 Tagen). Bei der Behandlung der episodischen Migräne konnte bei fast der Hälfte der Patienten die Anzahl der monatlichen Migräne-Tage halbiert werden. So wiesen bei monatlicher Dosierung 47,7% der Patienten eine mindestens 50-%ige Verbesserung auf, bei der Quartalsdosis waren es 44,4% (vs. Placebo 27,9%, p=0,0001). Auch Patienten, bei denen bereits andere prophylaktische Therapien versagt hatten, sprachen gut auf die Therapie mit Fremanezumab an, berichtete Jürgens.

Schneller Wirkeintritt

Anders als bei den herkömmlich zur Migräneprophylaxe eingesetzten Medikamenten machte sich die Wirkung von Fremanezumab sehr rasch bemerkbar. In der Studie zur chronischen Migräne verspürten die Patienten bereits nach einer Woche eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu Placebo (3). Als weiteren Vorteil gegenüber den bisherigen Prophylaxe-Möglichkeiten nannte der Neurologe die gute Verträglichkeit. Die Rate an Nebenwirkungen unterschied sich nicht wesentlich von der Placebogruppe und die meisten unerwünschten Wirkungen waren nur injektionsbedingt.

Zugelassen ist Fremanezumab zur Prophylaxe bei Patienten mit mindestens 4 Migränetagen pro Monat. Durch das Wirtschaftlichkeitsgebot der GKV werden die neuen Antikörper aber wahrscheinlich zunächst bei schwerstbetroffenen Patienten und nach dem Versagen anderer prophylaktischer Therapien angewandt werden.

Maria Weiß

Quelle: Launch-Pressekonferenz „Schnell, stark und flexibel: AJOVY® schafft Entscheidungsfreiheit in der spezifischen Migräneprophylaxe“, 9.04.2019, Berlin; Veranstalter:Teva

Literatur:

(1) Silberstein SD et al. Fremanezumab for the Preventive Treatment of Chronic Migraine; N Engl J Med 2017; 377: 2113-22.
(2) Dodick DW et al. Effect of Fremanezumab Compared With Placebo for Prevention of Episodic Migraine: A Randomized Clinical Trial; JAMA 2018; 319: 1999-2008.
(3) Brandes J et al. AAN 2018. Poster P4.102.


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