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Medizin

22. Mai 2019 Migräne: Signifikante Reduktion der Schmerztage durch Anti-CGRP-Antikörper

Mit Fremanezumab ist in Deutschland der erste monoklonale Antikörper für eine spezifische Migräneprophylaxe verfügbar, der neben der monatlichen Injektion auch eine Quartalsdosis bietet (1). Fremanezumab überzeugte in den Studien in beiden Dosierungsintervallen durch eine hohe Ansprechrate, eine gute Verträglichkeit und einen schnellen Wirkeintritt. Der Antikörper bindet an das Neuropeptid Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), welches bei der Pathophysiologie der Migräne eine zentrale Rolle spielt (2).
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Hoher Bedarf an neuen Therapien

In Deutschland leiden 8-10 Millionen Menschen an dieser ernstzunehmenden neurologischen Erkrankung, die mit stark belastenden Symptomen wie Kopfschmerzattacken, Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit sowie zahlreichen Komorbiditäten assoziiert ist. Eine effektive prophylaktische Therapie kann eine Chronifizierung der Migräne verhindern bzw. verzögern. Bisher werden aber nur 15% der Patienten, die von einer Prophylaxe profitieren könnten, vorbeugend gegen Migräne behandelt (3,4). „Der Bedarf an neuen Therapien für eine spezifische Migräneprophylaxe ist groß. Im Vordergrund steht hier neben der Wirksamkeit vor allem auch eine gute Verträglichkeit, um eine hohe Adhärenz auf Patientenseite sicherstellen zu können“, erklärte Prof. Dr. med. Uwe Reuter, Leiter des Kopfschmerzzentrums der Charité Universitätsmedizin Berlin.

Bislang wenig Adhärenz

Die Migräne-Erkrankung wird von der WHO zu den TOP 10 der Krankheiten mit den stärksten Beeinträchtigungen weltweit gezählt. Erschwerend kommen relevante Komorbiditäten wie Depression und Angsterkrankungen hinzu. Patienten mit einer hochfrequenten episodischen oder chronischen Migräne erhalten neben der Akut-Therapie eine prophylaktische Behandlung, deren Ziel es ist, die Anzahl, Schwere und Dauer der Migräne-Attacken zu reduzieren. Bisher kamen in der medikamentösen Prophylaxe Substanzen zum Einsatz, die nicht speziell für die Migränebehandlung entwickelt wurden und zum Teil mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden sind. Dies hatte zur Folge, dass ein Großteil der Patienten die prophylaktische Therapie innerhalb eines Jahres abbrach.

Blockade von CGRP reduziert Migräne-Attacken

Die Entwicklung der CGRP-Antikörper ist daher ein Meilenstein in der Migränetherapie. „Die Serumkonzentrationen des Neuropeptids sind bei chronischer Migräne und – in einem geringeren Ausmaß auch bei episodischer Migräne – interiktal erhöht. Durch die Blockade von CGRP durch
einen Antikörper kann die Anzahl der Migräne- und Kopfschmerztage signifikant reduziert werden“, so Reuter.

Schneller Wirkeintritt unter Fremanezumab

In den Phase-III-Studien des HALO-Studienprogramms konnte durch die Behandlung mit Fremanezumab (AJOVY®) sowohl in der chronischen als auch in der episodischen Migräne die Anzahl der monatlichen Kopfschmerz- bzw. Migränetage im Vergleich zu Placebo signifikant reduziert werden (5,6). Der Antikörper erreichte mit beiden Dosierungen (monatlich, vierteljährlich) alle primären und sekundären Endpunkte. Bei der Behandlung der chronischen Migräne konnte mit der monatlichen Dosierung von Fremanezumab die Anzahl der monatlichen Kopfschmerztage im Vergleich zur Baseline um 4,6 Tage reduziert werden; bei der Quartalsdosis lag die Reduktion bei 4,3 Tagen (p<0,0001 vs. Placebo). Bei der Behandlung der episodischen Migräne konnte nahezu bei der Hälfte der Patienten die Anzahl der monatlichen Migränetage halbiert werden: Bei der monatlichen Dosierung wiesen 47,7% eine mindestens 50-%ige Verbesserung auf, bei der Quartalsdosis waren es 44,4% (p=0,0001 vs. Placebo). Besonders hervorzuheben ist das schnelle Ansprechen unter Fremanezumab. So konnten in der Studie zur chronischen Migräne bereits nach einer Woche im Vergleich zu Placebo signifikante Verbesserungen erzielt werden (7).

Integration der Antikörper in den Praxisalltag

„Auch die Patienten, bei denen andere prophylaktische Therapien versagt haben, profitierten von der Therapie mit Fremanezumab“, erklärte PD Dr. med. Tim Jürgens, Oberarzt und Leiter des Kopfschmerzzentrums am Universitätsklinikum Rostock. „In der klinischen Routine ist es wichtig, dass wir auf Substanzen zurückgreifen können, deren Wirksamkeit in großen Studien an vielen Patienten belegt ist. Allein in die Phase-II- und Phase-III-Studien zu den CGRP-Antikörpern wurden über 12.000 Patienten eingeschlossen. Die Evidenz für diese Wirkstoffklasse ist damit sehr hoch.“ „Um Migräne-Patienten adäquat zu betreuen, bietet sich ein multimodaler Ansatz an, der nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden einschließt“, erklärte Dr. med. Astrid Gendolla, niedergelassene Neurologin und Schmerztherapeutin aus Essen. „Wichtig ist eine langfristige Adhärenz der Patienten.“ Diesbezüglich überzeugen die CGRP-Antikörper durch ihre besonders gute Verträglichkeit, die sie von den bisherigen Prophylaxe-Möglichkeiten stark unterscheidet.

Nebenwirkungen nur injektionsbedingt

Die Nebenwirkungen waren in den Studien auf Placeboniveau und in der Regel nur injektionsbedingt. „Mit den CGRP-Antikörpern steht uns eine vielversprechende Behandlungsoption zur Verfügung. Für den Praxisalltag müssen wir nun die geeigneten Logarithmen finden, bei welchen Patienten wir die Therapie zu welchem Zeitpunkt anwenden. Mit der nun bestehenden Möglichkeit, einen CGRP-Antikörper nur einmal im Quartal zu verabreichen, kann die Therapie flexibel – auf die individuelle Situation des Patienten angepasst – gestaltet werden“, so Gendolla weiter.

Quelle: Teva

Literatur:

(1) Teva. Fachinformation AJOVY®. Stand: März 2019.
(2) Kaiser EA, Russo AF. Neuropeptides 2013; 47: 451-461.
(3) Lipton RB et al. Neurology 2007; 68: 343-349.
(4) VanderPluym J et al. Headache 2016; 56: 1335-1343.
(5) Silberstein SD et al. N Engl J Med 2017; 377: 2113-22.
(6) Dodick DW et al. JAMA 2018; 319: 1999-2008.
(7) Brandes J et al. AAN 2018. Poster P4.102.


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