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Medizin

11. Februar 2020 Morbus Alzheimer: Autophagie-Induktion durch Spermidin

In Deutschland leiden rund 1,7 Millionen Menschen an Demenz, davon zwei Drittel aufgrund von Morbus Alzheimer. Im Jahr 2050 werden es geschätzt schon 3 Millionen sein. Doch sind Demenzerkrankungen bisher nicht heilbar und die erhofften Erfolge mit Anti-Amyloid-Wirkstoffen in der Therapie von Alzheimer-Demenz blieben bislang aus (1, 2). Anlässlich einer Pressekonferenz am 6. Februar in Frankfurt am Main stellten Wissenschaftler nun einen vielversprechenden Ansatz zur frühzeitigen Prävention von Demenz vor: die Autophagie-Induktion durch das Polyamin Spermidin.
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Spätestens mit der Verleihung des Nobelpreises für Medizin 2016 rückte die Autophagie zur Vorbeugung altersbedingter Erkrankungen mehr und mehr in den Fokus der Forschung (3). Bei diesem intrazellulären Selbstreinigungsprozess werden beschädigte und dysfunktionelle Zellbestandteile abgebaut und deren Grundbausteine wiederverwertet oder zur Energiegewinnung verwendet (3-5). So können sogar zellschädigende Proteinaggregate, die charakteristisch sind für neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Alzheimer, entfernt werden (3). Stimuliert wird der Autophagieprozess unter anderem durch niedrige zelluläre Energielevel oder eine geringe Nährstoffzufuhr (3, 5). Daher stellt die Kalorienrestriktion durch Fasten einen möglichen Weg dar, den Selbstreinigungsprozess der Zelle anzukurbeln (6, 7). Als weitere Induktoren werden seit neuestem natürliche Substanzen wie das körpereigene Polyamin Spermidin intensiv erforscht. Spermidin gehört zu den „Caloric Restriction Mimetics“, die bestimmte Effekte der Kalorienrestriktion nachahmen können, wie zum Beispiel das Auslösen der Autophagie (8-10). Erste vielversprechende Ergebnisse einer spermidininduzierten Autophagie auf neurodegenerative Erkrankungen lieferte die randomisierte Placebo-kontrollierte „preSmartAge“-Studie der Charité Berlin. Bereits nach 3-monatiger Supplementation mit Spermidin in Kapselform zeigten die Probanden mit Demenzrisiko eine moderate Verbesserung der Gedächtnisleistung (11).

Die Bedeutung einer täglichen Spermidingabe für die Demenzprävention wird derzeit in der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Folgestudie „SmartAge“ weiterführend untersucht. Die Ergebnisse werden im Herbst 2020 erwartet.

Quelle: InfectoPharm

Literatur:

(1) Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. (Hrsg.): Informationsblatt 1: Die Häufigkeit von Demenzerkrankungen. Juni 2018, https://www.deutsche‑alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/factsheets/infoblatt1_haeufig keit_demenzerkrankungen_dalzg.pdf (Zugriff am 17.01.2020).
(2) Müller T. (2019) Zum Weltalzheimertag: Nur Amyloid – das ist wohl zu kurz gedacht. Ärzte Zeitung. https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Nur-Amyloid-geben-Das-ist-wohl-zu-kurz-gedacht-401576.html (Zugriff am 28.01.2020).
(3) Richter-Landsberg C. (2012) Zelluläre Selbstverdauung – Autophagie als Überlebensstrategie. Biol. Unserer Zeit, 42/6, 374-379.
(4) Jung C.H: et al. (2010) mTOR regulation of autophagy. FEBS Lett.; 584(7),1287-1295.
(5) Menzies F.M. et al. (2017) Autophagy and Neurodegeneration: Pathogenic Mechanisms and Therapeutic Opportunities. Neuron 93,1015-1034.
(6) Bagherniya M. et al. (2018) The effect of fasting or calorie restriction on autophagy induction: A review of the literature. Ageing Res Rev., 47: 183-197.
(7) Phillips M.C.L. (2019) Fasting as a Therapy in Neurological Disease. Nutrients, 11(10): 2501.
(8) Madeo F. et al. (2018) Spermidine in health and disease. Science, 359 (6374).
(9) Eisenberg T. et al. (2009). Induction of autophagy by spermidine promotes longevity. Nat Cell Biol., 11(11): 1305-14.
(10) Lee S.H., Min K.J. (2013) Caloric restriction and its mimetics. BMB Rep., 46(4): 181-7.
(11) Wirth M. et al. (2018) The effect of spermidine on memory performance in older adults at risk for dementia: A randomized controlled trial. Cortex., 109: 181-188.


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