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Medizin

15. Mai 2019 Multiple Sklerose: B-Zell-Zahl beeinflusst Risiko für Behinderungsprogression bei RMS und PPMS

Aktuelle Daten von pharmakokinetischen und pharmakodynamischen Analysen sowie Expositionsanalysen zu Ocrelizumab (OCREVUS®) lassen erstmals Rückschlüsse auf einen Zusammenhang zwischen der Exposition des Anti-CD20-Antikörpers und einem Effekt auf die Behinderungsprogression bei schubförmiger Multipler Sklerose (RMS) und früher primär progredienter MS (PPMS) zu. So konnte nachgewiesen werden, dass eine höhere Ocrelizumab-Exposition mit einem verringerten Risiko einer Behinderungsprogression einherging – ohne das Sicherheitsprofil zu beeinflussen (1). Eine ausreichend hohe Antikörper-Exposition und eine damit verbundene effektive B-Zell-Depletion scheinen folglich wichtig für die Kontrolle der Behinderungsprogression zu sein.
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Fachinformation
Risikoreduktion für Behinderungsprogression

Sowohl bei RMS- als auch PPMS-Patienten verringerte sich unter Ocrelizumab im Vergleich zu Interferon (IFN) beta‑1a s.c. bzw. Placebo das Risiko einer bestätigten Behinderungsprogression über 24 Wochen (CDP24) mit zunehmender Ocrelizumab-Exposition (1). Diese Daten stützen den für Ocrelizumab angenommenen Wirkansatz, der durch eine effiziente B-Zell-Depletion bedingt ist.

6-Monats-Intervallinfusion

Die Tatsache, dass ein verringertes Risiko einer Behinderungsprogression bei Patienten mit höherer Antikörper-Exposition zu beobachten ist, weist darauf hin, dass die derzeit zugelassene Dosierungsempfehlung im unteren Bereich der Dosis-Wirkungskurve liegt (1). Um einen stabilen Behandlungseffekt auf die Behinderungsprogression zu erzielen, empfiehlt es sich daher, die in der Fachinformation angegebenen Infusionsintervalle von 6 Monaten einzuhalten (7). Auf diese Weise lässt sich eine ausreichende Exposition des Anti-CD20-Antikörpers und damit eine anhaltende B-Zell-Depletion sicherstellen.

Vorsprung bei frühem Therapiestart

Daten der OLE zeigen, dass die in den Zulassungsstudien erzielte signifikante Reduktion der Behinderungsprogression sowohl bei Patienten mit RMS als auch PPMS über einen Beobachtungszeitraum von 5 bzw. 5,5 Jahren stabil bleibt (2,3). Eine aktuelle Auswertung untersuchte erstmals eine über 48 Wochen bestätigte Behinderungsprogression (CDP48) und bietet damit eine noch belastbarere Datenbasis. Die Ergebnisse übertreffen die bereits publizierten Daten über 24 Wochen: Durchgehend über insgesamt 5 Jahre mit Ocrelizumab behandelte RMS‑Patienten zeigten deutlich seltener eine CDP48 als Patienten, die erst nach 2 Behandlungsjahren mit IFN beta-1a s.c. auf den Anti-CD20-Antikörper wechselten (OPERA OLE: 10,4% vs. 15,7%; p=0,004) (2). Wie die Daten veranschaulichen, konnten früher mit dem Anti-CD20-Antikörper behandelte RMS-Patienten ihren erzielten Vorsprung gegenüber einem um 2 Jahre verzögerten Therapiestart halten (2). Bei Patienten mit PPMS (Daten der ORATORIO-Studie (5) und ORATORIO OLE (3)) zeigte sich ein vergleichbares Bild: Erstmals konnte ein über 5,5 Jahre anhaltender Nutzen in Bezug auf die Entwicklung einer über 48 Wochen bestätigten Behinderungsprogression nachgewiesen werden (3). Der beobachtete Effekt in der OLE war konsistent zu dem der Doppelblindphase und konnte über verschiedene Zeiträume der OLE aufrechterhalten werden. Der Anteil der PPMS-Patienten mit einer CDP48 war in der Gruppe, die über 5,5 Jahre Ocrelizumab erhielt, deutlich geringer als bei den Patienten, die erst nach der 120-wöchigen Doppelblindphase von Placebo auf Ocrelizumab umstellten (43,7% vs. 53,1%; p=0,03) (3).

Die aktuellen Daten und Analysen vom AAN-Kongress 2019 zeigen: Ein Wechsel auf eine hochwirksame Therapie wie Ocrelizumab lohnt sich bei jeglichem klinischen oder subklinischen Anzeichen von Krankheitsaktivität. Zudem scheint ein frühzeitiger Start einer Ocrelizumab-Therapie bei RMS und PPMS mit einem Vorteil in Bezug auf den späteren Behinderungsgrad einherzugehen.

5-Jahresdaten 

Die erste und aktuell einzige Therapie, die sowohl bei RMS (aktive schubförmig remittierende MS (RRMS) und sekundär progrediente MSd mit aufgesetzten Schüben) als auch bei früher PPMS zugelassen ist, konnte bei der AAN-Tagung erneut mit aktuellen Sicherheitsdaten überzeugen. Diese stammen von 4.501 Patienten mit RMS und PPMS – entsprechend 12.559 Patientenjahren (PJ) (6). Die gepoolten Daten dieser Population bestätigen das günstige Sicherheitsprofil von Ocrelizumab: Die Rate unerwünschter Ereignisse pro 100 PJ blieb weiterhin konsistent zu denen aus kontrollierten Behandlungsphasen bei RMS (4) und PPMS (5). Die Rate schwerwiegender Infektionen pro 100 PJ zeigte einen Anstieg über die Zeit – eine Änderung hinsichtlich der Art und Muster konnte nicht beobachtet werden (6). Weltweit sind bis April 2019 mehr als 100.000 Patienten mit Ocrelizumab behandelt worden (6).

Quelle: Roche

Literatur:

(1) Hauser SL et al., AAN 2019; Platform Presentation 001.
(2) Hauser SL et al., AAN 2019; Poster 2-054.
(3) Wolinksy JS et al., AAN 2019; Poster 2-031.
(4) Hauser SL et al., N Engl J Med 2017; 376: 221-234.
(5) Montalban X et al., N Engl J Med 2017; 376: 209-220.
(6) Hauser SL et al., AAN 2019; Poster 2-025.
(7) Fachinformation OCREVUS®, Stand Oktober 2018.


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