Freitag, 24. Mai 2019
Navigation öffnen

Medizin

18. April 2019 Nuklearmedizin: Neuausrichtung des Faches mit mehr Interdisziplinarität und KI

Die Nuklearmedizin ist ein „cooles Fach“: Diese Aussage eines jungen Teilnehmers kann stellvertretend für die angeregten Diskussionen während des ersten Zukunftsworkshops der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin stehen, der am 6. April im Rahmen ihrer Jahrestagung stattgefunden hat. Die rund 300 Teilnehmer beteiligten sich lebhaft bei der Suche nach Lösungen und zukünftigen Zielen im Hinblick auf 4 selbst gewählte Themen, bei denen es zahlreiche inhaltliche Überschneidungen gab: Zukunftsprofil Nuklearmedizin, Interdisziplinarität, die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz und Big Data für die Nuklearmedizin sowie die Möglichkeiten, den Nachwuchs für die Nuklearmedizin zu begeistern.
Anzeige:
Fachinformation
Bessere Vernetzung angestrebt

Wie Strategien für die Gewinnung junger Mediziner aussehen könnten, dazu sammelten Prof. Dr. Wolfgang Burchert, Direktor des Instituts für Radiologie, Nuklearmedizin und Molekulare Bildgebung in Bad Oeynhausen und Zakariya Ali, Assistenzarzt in Elternzeit, viele Ansätze in einer Mindmap. In ihren Diskussionsgruppen wurde spontan eine Initiative aus der Taufe gehoben, die sich darum kümmern wird, den Frauenanteil in der Nuklearmedizin zu erhöhen – auch innerhalb der Gremien des Faches. Eine Überlegung war auch, eine Gruppe wie die „Jungen NUKis (NUK-Kurzform für das Fach)“ zu gründen und sich besser, zum Beispiel in WhatsApp-Gruppen, zu vernetzen. Forderungen nach kalkulierbarer Arbeitszeit, nach mehr Teilzeit, Gleitzeit sowie Möglichkeiten zum Arbeiten im Homeoffice wurden laut. Damit Studierende die „Coolness“ des Faches kennenlernen können, ist aus Sicht der Teilnehmer unbedingt mehr Marketing und Öffentlichkeitsarbeit notwendig. Auch müsse man umfangreicher informieren, um Vorurteile gegenüber Strahlenbehandlung zu entkräften. Universitäten sollten unter anderem Lehrangebote in Praxen machen, hieß es in der Diskussion.

Künstliche Intelligenz nutzen

Dass die Künstliche Intelligenz (KI) Nuklearmedizinern künftig das Arbeitsleben erleichtern wird, war ein Ergebnis des Workshops von Priv.-Doz. Dr. Felix Nensa, Priv.-Doz. Dr. Christoph Rischpler und Dr. Aydin Demircioglu von der Uniklinik Essen: Es geht nun darum, Bereiche innerhalb des Faches zu finden, in denen KI sinnvoll eingesetzt werden kann. Dafür sind aus Sicht der Workshopteilnehmer standardisierte Daten notwendig. Die zukünftige Arbeit mit Künstlicher Intelligenz hängt von deren Gestaltung durch die Nuklearmediziner in Zusammenarbeit mit der Industrie ab – so lautete ein weiteres Resultat des Workshops.

Interdisziplinarität

Interdisziplinarität mehr leben, sich gesellschaftlich und in universitätsinternen Einrichtungen positionieren sowie mit Studien mehr Evidenz für die Bedeutung des Faches generieren: Das waren wichtige Aspekte des Faches, die sich aus Abstimmungen innerhalb der Diskussionen zum Zukunftsprofil der Nuklearmedizin in Deutschland ergaben. Prof. Dr. Martin Gotthardt aus Nijmegen und Prof. Dr. Dr. Lutz Freudenberg aus dem Rhein-Kreis-Neuss pflückten einen bunten Strauß an Themen – unter anderem wurden unterstützende Strukturen für eine ambulante Versorgung als bedeutend für die Zukunft angesehen.

Wie sieht die Zukunft der Interdisziplinarität aus? Darüber diskutierten der Onkologe Prof. Dr. Viktor Grünwald mit Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Fendler sowie Prof. Dr. Ken Herrmann in ihren Gesprächsrunden: „Die Nuklearmedizin ist der 10-Kampf, die Königsdisziplin – aber in Tumorboards sehen wir Generalisten uns häufig in der Rolle des 100-Meter-Sprinters“, erklärte Professor Herrmann in seinem Resümee. Es gehe darum, die Hauptschnittstellen mit der Radiologie und der Onkologie zu verbessern, was sich im Klinik-Alltag und innerhalb eines komplexen onkologischen Managements als Herausforderung herausstelle. Die Probleme in der Uniklinik müssten ebenso wie die Schwierigkeiten im Alltag gelöst werden. Dafür sollte die Kommunikation verbessert und ausgebaut werden – in Tumorboards und Demos, aber auch im direkten Kontakt mit den Zuweisern. Weiterhin stand die Weiterbildung junger Kollegen im Mittelpunkt. So könnte die generelle Nuklearmedizin künftig innerhalb von 3,5 bis 4 Jahren erlernt werden, gefolgt von einer Spezialisierung, zum Beispiel mit einer stark therapeutisch-onkologischen oder diagnostischen Ausrichtung. In Hinblick auf den Fachärztemangel wurde auch darüber gesprochen, das Fach zu öffnen – in Richtung Internisten und Onkologen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V.


Das könnte Sie auch interessieren

Plötzlicher Blutdruck-Anstieg: Wann den Notarzt (112) rufen?

Plötzlicher Blutdruck-Anstieg: Wann den Notarzt (112) rufen?
© JPC-PROD / Fotolia.com

Regelmäßiges Blutdruckmessen ist die wichtigste Vorsorgemaßnahme, um die schwerwiegenden Folgen eines unbehandelten Bluthochdrucks wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzschwäche, Vorhofflimmern oder Nierenschädigung zu verhindern. Besonders problematisch ist es, wenn der Blutdruck plötzlich ansteigt und Werte in Ruhe z. B. von 190-200 mmHg (oberer Wert) oder mehr erreicht. Für Patienten entscheidend für das weitere Vorgehen in dieser beunruhigenden Situation ist, ob der hohe Blutdruck nur mit geringfügigen Missempfindungen wie Gesichtsröte,...

Patientenportal für klinische Studien macht medizinische Forschung für alle transparent und zugänglich

Patientenportal für klinische Studien macht medizinische Forschung für alle transparent und zugänglich
© pressmaster / Fotolia.com

In Deutschland werden jedes Jahr über 500 klinische Forschungsstudien zu neuen Therapien und Medikamenten durchgeführt. Ein Großteil betrifft Volkskrankheiten wie Diabetes, Asthma, COPD, Arthrose oder Schuppenflechte und richtet sich an chronisch kranke Patienten. Leider weiß die Mehrheit dieser Patienten nichts über aktuelle Studien und die Möglichkeiten, die sich daraus für sie ergeben können. Hier setzt das Aufklärungsprinzip von Mondosano an und bietet einfach aufbereitete Informationen zu neuen Therapieformen und Forschungsprojekten. Bei...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Nuklearmedizin: Neuausrichtung des Faches mit mehr Interdisziplinarität und KI"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.