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Medizin

20. März 2019 Opioid-induzierte Opstipation (OIC): Therapie mit PAMORA

In der neuen Praxisleitlinie der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) zur Opioid-induzierten Obstipation (OIC) (1) wird eine äußerst relevante Nebenwirkung der Schmerztherapie mit Opioiden thematisiert, unterstreicht der DGS-Präsident Dr. med. Johannes Horlemann, Kevelaer. Der Bedarf an valider Information in dieser Hinsicht sei auch deshalb besonders groß, weil dieser Art von Obstipation nicht mit den üblichen Laxanzien zu begegnen sei. Therapeutisch ist hierbei eine Antagonierung der µ-Opioid-Rezeptoren in der Peripherie indiziert.
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Fachinformation
Horlemann wies darauf hin, dass es wichtig ist, zwischen einer habituellen Obstipation und einer OIC zu unterscheiden. Zahlreiche Menschen Menschen leiden bereits vor einer Opioid-Medikation an einer habituellen Obstipation, die etwa mit Laxanzien behandelbar ist. Diese Mittel sind jedoch bei einer OIC weitestgehend unwirksam, weil sie an der Kausalität dieser Art von Verstopfung vorbeigehen.

Symptomatik schwerwiegend

Die gerade bei der Therapie von starken, chronischen Schmerzen so wichtigen Opioide aktivieren systemisch die µ-Opioid-Rezeptoren. Prof. Dr. med. Sven Gottschling, Homburg/Saar, wies auf die multiplen Wirkungen hin, die diese Aktivierung im GI-Trakt auslösen. „Nicht nur der Dünndarm, auch der Magen selbst weist eine verringerte Motilität auf. Im Dickdarm wird vermehrt Flüssigkeit absorbiert. Und auch der Anus-Sphinkter wird tendenziell dysfunktional.“

Dies führt „nicht nur zu einer erniedrigten Stuhlfrequenz, sondern außerdem zu erhärteter Stuhlkonsistenz. Der Patient muss stark pressen, hat zum Teil erhebliche Schmerzen bei der Defäkation und dennoch das Gefühl einer inkompletten Entleerung.“ Die Patienten selbst erleben die „Beeinträchtigung einer OIC als ähnlich gravierend wie einen mittelschweren Schlaganfall oder ein Postatakarzinom im fortgeschrittenen Stadium.“

Arzneimitteltherapie mit PAMORA

Naloxegol (Moventig®) ist der erste orale, peripher wirkende µ-Opioid-Rezeptor-Antagonist. Er gehört zur Substanzklasse der PAMORA (Peripherally Acting µ-Opioid Receptor Antagonist), die eine spezifisch Blockade der Opioid-Rezeptoren im Gastrointestinaltrakt bewirken, und damit die unerwünschte Nebenwirkung der Analgetika, welche µ-Opioid-Rezeptor-Agonisten sind, im GI-Trakt inhibieren. Naloxegol kann als PEGyliertes Naloxon nur limitiert die Blut-Hirn-Schranke passieren.

Gemäß der Untersuchung von Chey und Kollegen, beeinträchtigt Naloxegol weder den täglichen Opioidgebrauch noch die Schmerzscores (2). In zulassungsrelevanten Studien konnte Naloxegol „bei den meisten Patienten mit inadäquatem Ansprechen auf Laxanzien die OIC am ersten Tag lösen“, konstatiert Gottschling (3). Im Schnitt kam es 7,6 Stunden nach Einnahme zu einer spontanen Darmentleerung. Deshalb sollte die Gabe von Naloxegol morgens erfolgen.

Nebenwirkungen

Gerade in der höheren Dosierung (25 mg vs 12,5 mg) kommt es zu Nebenwirkungen im GI-Bereich, wie Bauchschmerzen, Diarrhoe und Übelkeit (2). Ihnen kann eventuell mit Novalgin entgegengewirkt werden.


 

Reimund Freye

Quelle: Pressekonferenz: „Neue DGS-Praxisleitlinie zur Opioid-induzierten Obstipation (OIC)“, im Rahmen des 30. Deutscher Schmerz- und Palliativtags, Frankfurt, 7. März 2019; unterstützt von: Kyowa Kirin

Literatur:

(1) www.dgs-praxisleitlinien.de/oic.
(2) Chey WD et al., N Engl J Med 2014; 370 (25): 2387-96.
(3) Tack J et al., United European Gastroenterol J 2015; 3 (5): 471-80.


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