Montag, 10. August 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

30. Juli 2020 Palliativmedizin in Zeiten von COVID-19: Entscheidung über Beatmung nicht aufgrund des Alters treffen

In Anlehnung an die Empfehlungen des Nationalen Ethikrates hat die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) eine S1-Leitlinie zur palliativmedizinischen Versorgung von COVID-19-Patienten entwickelt. Kernthese der Handlungsempfehlung für Ärzte und Pflegende ist, dass eine Entscheidung für oder gegen intensivmedizinische Maßnahmen nicht aufgrund des Alters des Patienten getroffen werden kann. Vielmehr solle die Gesamtsituation, wie z.B. das Vorliegen einer nicht heilbaren lebenslimitierenden Erkrankung und der Wille des Patienten berücksichtigt werden.
Anzeige:
Fachinformation
Ziel der S1-Leitlinie ist es, Ärzte und Pflegende in ihren individuellen Entscheidungen zur Behandlung von Patienten mit palliativem Versorgungsbedarf und einer COVID-19-Erkrankung zu unterstützen.„Jedes menschliche Leben genießt dengleichen Schutz“, heißt es in den Empfehlungen des Nationalen Ethikrats in Anlehnung an das Grundgesetz, und zwar unabhängig von Geschlecht, Rasse, Religion, Herkunft und Alter. „Daher darf der Staat auch in Ausnahmezeiten nicht vorschreiben, welches Leben in einer Konfliktsituation vorrangig zu retten ist“, sagt Norbert Schürmann, Autor der neuen S1-Leitlinieund Vizepräsident der DGS. Er betont: „Das Alter stellt keine Begründung für eine Behandlungsrestriktion dar.“

Therapiezielfestlegung anhand von 5 Fragen

Um entscheiden zu können, ob intensivmedizinische Behandlungen inklusive einer Beatmung erfolgen oder ob der Patient palliativmedizinisch behandelt werden sollte, sind folgende Fragen hilfreich:
 
  1. Hat der Patient eine nicht heilbare, lebenslimitierende Erkrankung?
  2. Gibt es bei dem individuellen Patienten angesichts seiner Gesamtsituation eine medizinische Indikation für intensivmedizinische Behandlung und/oder eine invasive Beatmungstherapie?
  3. Liegt eine Patientenverfügung vor?
  4. Hat der Patient eine palliative Grunderkrankung?
  5. Liegt eine Vorausplanung zur Therapiezieländerungnach Advance-Care-Planning-Standard vor?

Falls eine Intensiv-oder Beatmungstherapie nicht indiziert ist oder nicht dem z.B. in der Patientenverfügung geäußerten Willen des Patienten entspricht, sollte der Patient bestmöglich palliativ versorgt werden, beispielsweise auf einer Palliativstation, in einem Hospiz, durch ein Palliativteam oder den Hausarzt.

Falls Triage unvermeidlich: Sorgfältig abwägen, Mehraugenprinzip wahren

Sollte die Entscheidung für eine Beatmungstherapie fallen, aber keine weiteren Beatmungsplätze zur Verfügung stehen, könnten Ärzte gezwungen sein, eine Triage vorzunehmen und zu entscheiden, welcher Patient eine Beatmung erhält und welcher nicht. Eine extreme Situation für alle Beteiligten. Die Leitlinie empfiehlt daher, die Entscheidung sorgfältig abzuwägenund möglichst immer das Mehraugenprinzip zu wahren. Ethische Fallbesprechungen können, so die Empfehlung weiter, zu mehr Transparenz bei Angehörigen und Mitarbeitern führen. Patienten, die nach sorgfältiger Abwägung keine invasive Therapie mit Beatmungerhalten können, müssen weiterhin und mit besonderer Sorgfalt an ihren individuellen Bedürfnissen versorgt und palliativ begleitet werden. Die S1-Leitlinie wurde aktuell in der Zeitschrift „Schmerzmedizin“ publiziert und ist online unter www.dgschmerzmedizin.de zu finden.

Quelle: DGS


Anzeige:

Das könnte Sie auch interessieren

Aufruf der Orthopäden und Unfallchirurgen zur Entlastung der Kliniken angesichts der aktuellen Corona-Krise

Aufruf der Orthopäden und Unfallchirurgen zur Entlastung der Kliniken angesichts der aktuellen Corona-Krise
© Prostock-studio - stock.adobe.com

Bitte gehen Sie in der aktuellen Situation mit nicht lebensbedrohlichen orthopädisch-unfallchirurgischen Verletzungen und akuten Schmerzen während der regulären Öffnungszeiten nicht zuerst in die Notfallambulanz einer Klinik, sondern in eine ambulante Facharztpraxis für Orthopädie und Unfallchirurgie in Ihrer Nähe. Auch eine ambulante fachärztliche Versorgung am Wochenende ist, sofern in einem Bundesland nicht bereits flächendeckend Portalpraxen oder Notfallstrukturen außerhalb von Kliniken arbeiten, möglich.

Forsa-Umfrage belegt: Mediennutzung nimmt durch Schulschließungen zu

Forsa-Umfrage belegt: Mediennutzung nimmt durch Schulschließungen zu
© vege / Fotolia.com

Morgens länger schlafen und nicht zur Schule gehen, Hausaufgaben im Kinderzimmer oder am Küchentisch erledigen, Mama und Papa im Homeoffice, kein Besuch von Oma und Opa: Das Corona-Virus wirbelt in diesen Wochen den Familienalltag gehörig durcheinander. Hinzu kommt, dass Medien auf Kinder derzeit noch mehr als sonst magische Anziehungskräfte ausüben. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse berichten nahezu alle Eltern (95 %), dass ihr Kind zwischen 6 und 18 Jahren PC, Smartphone und Co. während der...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Palliativmedizin in Zeiten von COVID-19: Entscheidung über Beatmung nicht aufgrund des Alters treffen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Italien verlängert Notstand bis Oktober (dpa, 29.07.2020).
  • Italien verlängert Notstand bis Oktober (dpa, 29.07.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden