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Medizin

27. Februar 2019 Parkinson: Linderung motorischer Beeinträchtigungen im Mausmodell

Wissenschaftler lindern bei Mäusen motorische Störungen, ähnlich denen von Patienten mit Parkinson. Bewährt sich der neuartige Ansatz in Labortests, könnte er in klinischen Studien erprobt werden.
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Fachinformation
Bei der Parkinson-Erkrankung sterben bestimmte Nervenzellen des Gehirns allmählich ab. Die möglichen Folgen der langsamen, aber stetig fortschreitenden Neurodegeneration sind vielfältig: Sie reichen von schwerwiegenden Verdauungsstörungen bis hin zur Demenz. Herausragendes Merkmal von Parkinson sind motorische Beeinträchtigungen: Patienten leiden unter Zittern und Steifigkeit der Arme und Beine. Zwar lassen sich manche dieser Symptome lindern, aktuelle Behandlungsmethoden können den Verlust an Gehirnzellen jedoch nicht aufhalten. Somit gibt es derzeit keine Therapie, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen oder gar zu stoppen.

Immunzellen des Gehirns

Neben den Nervenzellen befassten sich die Parkinsonforscher von DZNE und UMG auch mit den Immunzellen des Gehirns. Die „Mikroglia“ schützen vor Schadstoffen und Erregern. Bei einer Parkinson-Erkrankung entwickelt sich allerdings eine chronische Entzündung. Infolge dieser beständigen Immunreaktion können die Mikroglia gewisse Stoffe freisetzen, die Nervenzellen schädigen und letztlich deren Tod herbeiführen.

„Wir haben einen experimentellen Wirkstoff verwendet, von dem man aus Voruntersuchungen wusste, dass er entzündungshemmend wirkt“, sagt Prof. Dr. Anja Schneider, Bonn. „Diese Substanz ist in der Lage, bis ins Innere der Mikroglia zu gelangen und dort einen molekularen Schalter umzulegen, der die Entzündungsreaktion dämpft. Der Wirkstoff wurde bereits in klinischen Studien an Menschen untersucht, als mögliches Mittel gegen Angststörungen. Insofern gibt es zu dieser Substanz bereits Daten, die Sicherheit und Verträglichkeit am Menschen belegen.“

Emapunil

Schneider sowie weitere Wissenschaftler aus Bonn und Göttingen untersuchten die Wirkung dieser Substanz mit dem Namen „Emapunil“ auf Mäuse. Diese Tiere zeigten Bewegungsstörungen, ausgelöst vom Verlust von Nervenzellen in der Substantia Nigra. Dieses Hirnareal ist auch bei Parkinson-Patienten betroffen. Die Behandlung der Mäuse mit Emapunil linderte die Symptome. „Tiere, die den Wirkstoff erhielten, konnten sich kontrollierter bewegen als die unbehandelten Tiere einer Vergleichsgruppe“, sagt Prof. Dr. Tiago Outeiro, Ko-Autor der Studie.

Die Wissenschaftler identifizierten mögliche Ursachen dafür. „Wir konnten zeigen, dass Emapunil auf Nervenzellen eine schützende Wirkung hat. Daran scheinen verschiedene Mechanismen beteiligt zu sein“, sagt Outeiro. „Der Wirkstoff beeinflusst die Mikroglia und dämpft Entzündungsreaktionen. Das war im Grunde genommen schon bekannt. Wir haben nun herausgefunden, dass diese Substanz auch direkt auf Nervenzellen wirkt. Besonders in diesen Zellen vermindert Emapunil die ungefaltete Proteinantwort. Das ist eine Stressreaktion, die zum Zelltod führen kann.“

Molekularer Rezeptor

Aus bisherigen Untersuchungen war bereits bekannt, dass Emapunil an ein Molekül mit dem Namen TSPO (Translocator Protein) bindet. Dieser Rezeptor kommt in Nervenzellen und Mikroglia vor. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass TSPO grundsätzlich ein Ansatzpunkt für Wirkstoffe gegen neurodegenerative Erkrankungen sein könnte“, sagt Prof. Dr. Markus Zweckstetter, Göttingen.

Die Forscher schlagen vor, die beteiligten Mechanismen weiter zu untersuchen. „Im Labor lassen sich immer nur Teilaspekte einer Parkinson-Erkrankung nachbilden“, so Schneider. „Deswegen möchten wir anregen, die aktuellen Ergebnisse in weiteren Laboruntersuchungen und anhand anderer Krankheitsmodelle zu überprüfen. Wenn es sich bewährt, bei TSPO anzusetzen, könnte diese Strategie in klinischen Studien zur Parkinson-Erkrankung erprobt werden.“

Quelle: Universitätsmedizin Göttingen


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