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Medizin

24. Oktober 2019 Prävention: Netzwerk gegen Darmkrebs zieht Bilanz

Die Gründung des Netzwerks gegen Darmkrebs e.V. jährt sich 2019 zum 15. Mal. Von der ersten Stunde an mit dabei war auch Gründungsmitglied und heutiger Vize-Präsident Dr. Berndt Birkner. Der Münchner Gastroenterologe zieht eine positive Bilanz aus den bisherigen Vereinsaktivitäten und sagt, warum das Netzwerk auch in Zukunft dringend gebraucht wird.
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Basistext
Herr Dr. Birkner, was gab 2004 den Ausschlag, das Netzwerk gegen Darmkrebs e.V. zu gründen?

Birkner: Mit der Gründung wollten wir neben der Öffentlichkeit auch die maßgeblichen Akteure im Gesundheitswesen adressieren. Das Netzwerk sollte mit einer wissenschaftlichen und medialen Kompetenz ausgestattet sein, um Entscheidungsträger an einen Tisch zu bringen, ihnen Ideen zu liefern, Innovationen den Weg zu bahnen und durch Änderungen im System das Darmkrebsfrüherkennungsprogramm in Deutschland weiterzuentwickeln.

Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erfolge des Netzwerks?

Birkner: Der erste war sicher unsere Beteiligung am Register zur Früherkennungskoloskopie. Wir konnten damit Daten generieren, die den Stellenwert der Koloskopie als Früherkennungsmaßnahme untermauerten. Weitere Fortschritte, an denen wir maßgeblich beteiligt waren oder sind, sind die Einrichtung des organisierten Darmkrebsfrüherkennungsprogramms, das Modellprojekt FARKOR zur risikoadaptierten Darmkrebsvorsorge sowie die vom Netzwerk zusammen mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum ausgerichteten Symposien 'Innovations in Oncology'. Deren Ziel ist es, die Evidenz unter anderem für die Darmkrebsprävention aufzuarbeiten und die wissenschaftliche Community davon zu überzeugen, wie wichtig dieses Thema ist.

Wo sehen Sie kurzfristig Chancen, die Darmkrebsprävention weiter zu verbessern?

Birkner: Zu unseren zentralen Anliegen gehört es derzeit, die Vorsorge bei Personen mit familiär erhöhtem Darmkrebsrisiko zu verbessern. Das Krebsfrüherkennungs- und Registergesetz hat die Möglichkeit geschaffen, sie als Zielgruppe für ein organisiertes Einladungsverfahren zu definieren. Aber die Entscheidungsträger haben davon nicht Gebrauch gemacht. Mit dem bayerischen Modellprojekt FARKOR wollen wir den Menschen mit familiär erhöhtem Darmkrebsrisiko den gesetzlichenLeistungsanspruch zu einer vorgezogenen Darmkrebsfrüherkennung vor 50 Jahren erwirken. In dem Innovationsprojekt steht der bayerischen Bevölkerung zwischen 25 und 49 Jahren die Möglichkeit zu, sich über ihr familiäres Risiko zu informieren und gegebenenfalls die notwendigen Früherkennungsmaßnahmen durchführen zu lassen.

Welchen weiteren Themen wird sich das Netzwerk widmen?

Birkner: Dazu gehört beispielsweise die Einrichtung eines Koloskopieregisters, in dem Daten aus allen Koloskopien erfasst werden, unabhängig von deren Anlass. Darüber hinaus streben wir auch ein Adenomregister an, da wir längst noch nicht alles über diese Krebsvorstufen wissen. Mittelfristig sollten wir weitere Risikoprofile identifizieren und die Vorsorge dementsprechend stratifizieren sowie neue Methoden der Früherkennung und Vorsorge entwickeln, die uns von der Koloskopie unabhängiger machen. Dabei wird auch die Erforschung des intestinalen Mikrobioms eine wichtige Rolle spielen.

Welches persönliche Fazit ziehen Sie aus 15 Jahren Arbeit im Netzwerk gegen Darmkrebs?

Birkner: Diese Zeit hat mir sehr deutlich gemacht, dass das Thema Prävention im ärztlichen Handeln bislang viel zu kurz gekommen ist. Sie hat aber auch gezeigt, dass es sich lohnt, sich zu engagieren. Das gilt besonders für den persönlichen Einsatz von Frau Dr. Christa Maar als Präsidentin des Netzwerks. Sie hat herausragende Arbeit geleistet und tut dies bis heute. Und ich wünsche mir, dass das Netzwerk noch lange aktiv ist. Andernfalls besteht die Gefahr, dass das wichtige Thema der Darmkrebsvorsorge wieder an Bedeutung verliert.

Quelle: Netzwerk gegen Darmkrebs e.V.


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