Dienstag, 25. Juni 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

16. Mai 2019 Risiko kardiovaskulärer Ereignisse: Kontroverse Diskussion um Lp(a)-Senkung

20% der Bevölkerung haben aufgrund einer genetisch erhöhten Lipoprotein(a)-Konzentration (> 50mg/dl) ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Aortenklappenstenose. Spezifische Medikamente, die das Blutfett Lp(a) senken, sind zwar in Entwicklung, das Ausmaß einer notwendigen Lp(a)-Senkung wird allerdings kontrovers diskutiert. Nun konnten Innsbrucker Epidemiologen das für eine kardiovaskuläre Risikoreduktion nötige Ausmaß einer Lp(a)-Senkung abschätzen.
Signifikante Senkung des Lp(a)-Spiegels

Um das Risiko für kardiovaskuläre Zwischenfälle um mehr als 20% zu senken, müsste der Lp(a)-Spiegel um ca. 66 mg/dl gesenkt werden. In Hinblick auf die damit erzielte präventive Wirkung wäre das vergleichbar mit der Senkung des LDL-Cholesterinspiegels um 38 mg/dl. So lautet das Ergebnis einer neuen, kürzlich im Fachjournal JAMA Cardiology veröffentlichten Untersuchung von Claudia Lamina und Florian Kronenberg von der Sektion für Genetische Epidemiologie der Medizinischen Universität Innsbruck, das für die Planung zukünftiger Klinischer Studien mit Lp(a)-senkenden Medikamenten richtungsweisend sein wird.

Präventive Lp(a)-Senkung

Dass die Konzentration von Lp(a) im Blut ein unabhängiger kardiovaskulärer Risikofaktor ist, wurde vielfach beschrieben. Die Kausalität dieses Zusammenhanges wurde erstmals in den 90er Jahren vom Innsbrucker Humangenetiker und Pionier der Lp(a)-Forschung, Gerd Utermann, mit dem Prinzip der „Mendelian Randomization“ nachgewiesen. Dieses damals noch nicht so bezeichnete genetisch-statistische Verfahren wurde von Utermann und seinem Team erstmals eingesetzt und ist mittlerweile zu einem absoluten Standardverfahren in der Genetischen Epidemiologie geworden. Nun liefern die Innsbrucker Epidemiologen Lamina und Kronenberg eine belastbare Abschätzung, wie stark Lp(a) in zukünftigen klinischen Studien gesenkt werden sollte, um das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko deutlich zu reduzieren. „Für die Berechnung dieses Ergebnisses haben wir uns auf die genetisch-statistische Methode der ‚Mendelian Randomization‘ gestützt. Dieses Verfahren kann angewendet werden, wenn ein großer Teil der genetischen Grundlagen eines Parameters bekannt ist und in großen Studien gemessen wurde, wie es bei Lipoprotein(a) der Fall ist“, so Kronenberg, dessen Studie auf eigenen Daten aus 5 Beobachtungsstudien mit knapp 14.000 Studienteilnehmern und anderen öffentlich verfügbaren Daten mit nahezu 50.000 Patienten und Kontrollen basiert.

Wirkstoffe, die Lp(a) selektiv senken, sind zwar bereits in klinischer Erprobung; das notwendige Ausmaß der Senkung, das zu einer effektiven Risikoreduktion für Herz-Kreislauferkrankungen beitragen könnte, wurde bislang allerdings kontrovers diskutiert. „Mit den berechneten Daten konnten wir einen wichtigen Beitrag für die Planung von zukünftigen Interventionsstudien mit Lp(a)-senkenden Medikamenten liefern“, kommentiert Biostatistikerin und Erstautorin Lamina.

Innsbrucker Lp(a)-Expertise

Das Blutfett Lp(a) wird an der Medizinischen Universität Innsbruck bereits seit mehr als 30 Jahren intensiv beforscht. Allein in den vergangenen 10 Jahren wurden an der Sektion für Genetische Epidemiologie die Lp(a)-Konzentrationen und die dazugehörigen Isoformen von mehr als 30.000 Menschen gemessen und mit klinischen Daten in Zusammenhang gebracht. So konnte Stefan Coassin aus dem Team von Kronenberg u.a. auch eine neue Genmutation identifizieren, die für niedrige Lp(a)-Konzentrationen verantwortlich ist und dadurch vor kardiovaskulären Erkrankungen schützt.

Mit den neuesten Erkenntnissen aus Innsbruck wird zudem eine vorangegangene, in der Fachwelt kritisch beurteilte Analyse von Wissenschaftlern aus Cambridge relativiert, die zu einer Überschätzung einer notwendigen Lp(a)-Senkung geführt hat.

Quelle: Medizinische Universität Innsbruck


Das könnte Sie auch interessieren

Der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung rät zur Patientenverfügung

Der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung rät zur Patientenverfügung
© Pixelot / fotolia.com

Die Patientenverfügung ist wichtig, wenn durch Unfall, Krankheit oder Alter der eigene Wille nicht mehr ausgedrückt werden kann. Denn: Angehörige dürfen im Ernstfall keine medizinischen Entscheidungen treffen. Darauf weist Christian Bredl, Chef der Techniker Krankenkasse (TK) in Bayern, hin. Er rät deshalb dazu, rechtzeitig eine Patientenverfügung schriftlich zu fixieren.  

Oft unerkannt: Frauenkrankheit Lipödem

Oft unerkannt: Frauenkrankheit Lipödem
© vanillya / fotolia.com

Etwa jede zehnte Frau in Deutschland leidet unter einem Lipödem, auch als Reiterhosenphänomen bekannt. Hierbei treten symmetrische schwammige Schwellungen an den Beinen und in 30 Prozent der Krankheitsfälle auch an den Armen auf. Die Ursache: eine Fettverteilungsstörung, die mit Wassereinlagerungen einhergeht. Lipödempatienten stehen aus mehreren Gründen unter einem sehr hohen Leidensdruck. Sie haben nicht nur sehr starke Berührungs- und Druckschmerzen, sondern auch Spannungsgefühle, sodass bereits einfache Tätigkeiten wie Haare föhnen oder...

Adipositas im Kindes- und Jugendalter

Adipositas im Kindes- und Jugendalter
© kwanchaichaiudom / fotolia.com

Laut der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2), die vom Robert Koch-Institut durchgeführt wurde, haben nach dem Referenzsystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 26,3% der 5- bis 17-Jährigen Übergewicht; 8,8% sind von Adipositas betroffen (1). In der Versorgung dieser Kinder und Jugendlichen gibt es erhebliche Defizite: So werden in Deutschland überzeugende, wissenschaftlich-basierte Behandlungs- und Betreuungskonzepte im Gesundheitssystem nicht unterstützt und in der Regel von den Kostenträgern nicht finanziert....

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Risiko kardiovaskulärer Ereignisse: Kontroverse Diskussion um Lp(a)-Senkung"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.