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Medizin

22. Januar 2020 Rückenmarksverletzung: Stammzelltherapie zur Verbesserung der motorischen und Sinnesfunktion

Stammzellen, die aus dem eigenen Fett eines Patienten gewonnen werden, bieten einen Schritt in Richtung Verbesserung — nicht nur Stabilisierung — der motorischen und Sinnesfunktionen von Menschen mit Rückenmarkverletzungen, zeigt eine frühe Forschung von Mayo Clinic. Ein klinischer Versuch umfasste 10 Erwachsene zur Behandlung der Lähmung aufgrund einer traumatischen Rückenmarkverletzung. Nach einer Stammzelleninjektion zeigte der erste Patient eine Verbesserung der motorischen und Sinnesfunktionen, und es traten gemäß einem in Mayo Clinic Proceedings veröffentlichten Fallbericht keinerlei unerwünschte Nebenwirkungen auf.
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Als eine multidisziplinäre klinische Studie der Phase I testet die Studie die Sicherheit, Nebenwirkungen und die ideale Dosis von Stammzellen. Frühe Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Patienten unterschiedlich darauf ansprechen. Das Mayo-Team plant die weitere Analyse des Ansprechens der Patienten, und weitere Ergebnisse werden für die übrigen neun Studienteilnehmer veröffentlicht.

Unterschiedliches Ansprechen

„In diesem Fallbericht sprach der erste Patient ganz hervorragend an, aber es gibt andere Patienten in der Studie, die nur mittelmäßig oder gar nicht darauf ansprechen“, sagt Dr. Mohamad Bydon, ein neurologischer Chirurg bei Mayo Clinic und erster Autor des Berichts. „Eines unserer Ziele dieser Studie und zukünftiger Studien besteht darin, besser abzugrenzen, wer darauf ansprechen wird und warum Patienten unterschiedlich auf Stammzelleninjektionen ansprechen."
„Die bisherigen Ergebnisse sind ermutigend für Patienten mit Rückenmarkverletzungen, da wir eine wachsende Palette an Optionen für die Behandlung erforschen, die die physikalischen Funktionen nach diesen verheerenden Verletzungen verbessern kann."

Genehmigung durch FDA für Studie

Zwischen 250.000 und 500.000 Menschen weltweit erleiden alljährlich Rückenmarkverletzungen, häufig mit dem lebensverändernden Verlust von Sinnes- und motorischen Funktionen, so die Weltgesundheitsorganisation. Bis zu 90% dieser Fälle haben traumatische Ursachen.
Alle Teilnehmer dieser Studie wurden mit aus dem Fett gewonnenen Stammzellen behandelt, was experimentell und von der Food and Drug Administration (FDA) nicht für einen Masseneinsatz zugelassen ist. Jedoch hat die FDA die Verwendung in dieser Studie genehmigt.

Fallbericht

Laut Fallbericht hat der Patient, damals 53, das Rückenmark in seinem Nacken 2017 bei einem Surfunfall verletzt. Er litt unter dem vollständigen Verlust der Funktionen unterhalb der Verletzungsstelle, was bedeutete, dass er sich unterhalb des Halses nicht bewegen und nichts fühlen konnte. Er wurde operiert, um die Halswirbelsäure zu dekomprimieren und zu versteifen. In den nächsten Monaten gewann er mithilfe von Physio- und Beschäftigungstherapie in beschränktem Maße die Fähigkeit zurück, seine Arme und Beine zu nutzen, und auch die Sinnesfunktionen verbesserten sich etwas. Jedoch pegelten sich sein Fortschritte 6 Monate nach seiner Verletzung ein.
Der Patient wurde 9 Monate nach seiner Verletzung in die Studie aufgenommen. Seine Stammzellen wurden aus einer geringen Menge Fett von seinem Bauch entnommen. Im Laufe von 8 Wochen wurden die Zellen im Labor auf 100 Millionen Zellen vermehrt. Dann wurden die Stammzellen in die Lendenwirbelsäule des Patienten injiziert, 11 Monate nach seiner Verletzung.

Deutliche motorische Verbesserungen

„Wir wollen eingreifen, wenn sich die physikalische Funktion eingepegelt hat, damit wir die frühen Verbesserungen, die als Teil der natürlichen Historie bei vielen Rückenmarkverletzungen auftreten, nicht den Stammzellen zuschreiben. In diesem Fall wurden dem Patienten fast ein Jahr nach seiner Verletzung Stammzellen injiziert“, sagt Dr. Bydon.
Der Patient wurde zu Beginn und dann in regelmäßigen Abständen in den 18 Monaten nach der Injektion beobachtet. Seine Physiotherapiepunktzahl verbesserte sich. So verbesserte sich beispielsweise die Zeit des Patienten bei dem 10-Meter-Gehtest von den anfänglichen 57,72 Sekunden nach 15 Monaten auf 23 Sekunden. Und in dem Mobilisierungstest verbesserte sich das Erstuntersuchungsergebnis des Patienten von 635 Fuß in 12,8 Minuten nach 15 Monaten auf 2.200 Fuß in 34 Minuten.
Auch die Beschäftigungstherapiepunktzahl des Patienten verbesserte sich, wie Griff- und Kneifstärke und handwerkliches Geschick. Seine Sinnenpunktzahl verbesserte sich bei Nadelstich- und leichten Berührungstests, ebenso wie seine Punktzahl für geistige Gesundheit.

Mechanismus noch nicht identifiziert

Die Stammzellen migrieren zum höchsten Entzündungsstand, der sich auf dem Niveau der Rückenmarkverletzung befindet, aber man versteht den Interaktionsmechanismus der Zellen mit dem Rückenmark noch nicht vollständig, sagt Bydon. Als Teil der Studie entnahmen die Forscher Rückenmarkflüssigkeit von allen Patienten, um nach biologischen Markern zu suchen, die Hinweise auf eine Heilung geben. Biologische Marker sind wichtig, weil sie dabei helfen können, kritische Prozesse zu ermitteln, die auf Zellebene zu einer Rückenmarkverletzung führen, und die so zu neuen regenerativen Therapien führen könnten.
„Regenerative Medizin ist ein sich entwickelndes Feld“, sagt Dr. Wenchun Qu, ein Physiotherapeut und Schmerzspezialist bei Mayo Clinic und Hauptautor des Berichts. „Hinter Mayos Forschung und der Nutzung von Stammzellen stehen viele Jahre rigoroser wissenschaftlicher Untersuchungen. Wir bemühen uns sicherzustellen, dass Patienten, die Stammzellen erhalten, vollständig über die Risiken, Vorteile, Alternativen und Unbekannten dieser Therapien aufgeklärt werden. Durch unsere klinischen Versuche mit Stammzellen lernen wir etwas und verbessern diese Verfahren.“

Weitere Studien sind notwendig, um die Wirksamkeit der Stammzellentherapie bei Lähmungen aufgrund von Rückenmarkverletzungen wissenschaftlich zu verifizieren, stellen die Autoren fest. Es ist nicht sicher, ob dieses Verfahren die Zulassung der FDA für die routinemäßige klinische Versorgung bekommen wird.

Quelle: Mayo Clinic


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