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Medizin

08. Mai 2020 SARS-CoV-2-Infektion: Schutzmechanismus des Schuppentieres auf den Menschen übertragbar?

Schuppentieren fehlen 2 Gene, die bei Säugetieren normalerweise eine Virusinfektion  erkennen und eine entsprechende Immunantwort auslösen. Einer kürzlich in der Zeitschrift „Frontiers in Immunology“ veröffentlichten Studie nach könnte diese Erkenntnis insofern von Bedeutung sein, als dass diese Schuppentiere zwar Träger des SARS-CoV-2 sein können – dies aber scheinbar trotz fehlender Komponenten der konventionellen Immunabwehr durch einen anderen Mechanismus ausgleichen können. Eine Aufklärung des zugrundeliegenden Mechanismus könnte somit eventuell biomedizinisch auch für Menschen genutzt werden.
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Die Forscher konzentrierten sich auf Schuppentiere, auch Pangoline genannt, da diese exotischen Säugetiere im Verdacht stehen, Zwischenwirte von SARS-CoV-2 zu sein, bevor das Virus auf den Menschen übertragen wurde, was schließlich zur aktuellen COVID-19-Pandemie führte. Es wurden auch Fledermäuse als mögliche Wirte des neuartigen Coronavirus identifiziert.
 
Um Unterschiede in der antiviralen Abwehr zu identifizieren, analysierten die Forscher die in Datenbanken verfügbaren Gensequenzen von Pangolinen und verglichen sie mit anderen Säugetieren, darunter Menschen, Katzen, Hunde und Fledermäuse. Diese Studien wurden von Genomforschern am Zentrum für Anatomie und Zellbiologie und an der Abteilung für Dermatologie der Medizinischen Universität Wien durchgeführt. „Unsere Arbeit zeigt, dass Pangoline Millionen von Jahren der Evolution ohne eine Form der antiviralen Abwehr überlebt haben, die von anderen Säugetieren genutzt wird“, sagt Leopold Eckhart von der Abteilung für Dermatologie der Medizinischen Universität Wien. „Weitere Studien über Pangoline werden aufdecken, wie sie es schaffen, Virusinfektionen zu überleben. Dies könnte dazu beitragen, neue Behandlungsstrategien für Menschen mit Virusinfektionen zu entwickeln.“

Beim Menschen kann das SARS-CoV-2 ein Zytokin-Freisetzungs-Syndrom (CRS) auslösen. Die Autoren schlagen vor, dass die medikamentöse Unterdrückung übermäßiger Immunreaktionen eine potenzielle Option für die Behandlung schwerer Fälle von COVID-19 sein könnte. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Überreaktion des Immunsystems abgemildert werden kann, indem man die Intensität der Abwehrreaktion verringert oder den Zeitpunkt verändert. Wir vermuten, dass das Pangolin einen Mechanismus gefunden hat, der es ihm ermöglicht, Virusinfektionen zu tolerieren, eine schädliche Immunantwort zu verhindern und gleichzeitig das Virus auf eine noch unbekannte Weise zu kontrollieren“, sagt Eckhart.

Die Studie bietet einen Ansatzpunkt für mögliche Behandlungen, die nicht direkt gegen SARS-CoV-2 gerichtet sind, sondern auf eine bessere Kontrolle der Reaktion des Körpers auf die Infektion abzielen.

Übers. SM

Quelle: Medizinische Universität Wien


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