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Medizin

26. April 2020 SARS-CoV-2: Welche Risiken bestehen für Schwangere und ihre Kinder?

Geburtshelfer der Frauenklinik am Universitätsklinikum Erlangen haben bisher verfügbare Daten zu COVID-19-Erkrankungen in der Schwangerschaft gesichtet und mit Krankheitsverläufen bei einer Infektion mit den vorbekannten Coronaviren SARS und MERS verglichen. In einer Übersichtsarbeit kommen sie nach der aktuellen Datenlage zu dem Schluss, dass eine Infektion mit dem neuen Erreger SARS-CoV-2 milder verläuft als bei SARS und MERS. Allerdings könnte eine COVID-19-Erkrankung während der Schwangerschaft den Verlauf negativ beeinflussen.
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Die Zahl der Infektionen mit SARS-CoV-2 steigt täglich. Lebensbedrohlich ist die Infektion v.a. für ältere und gesundheitlich vorbelastete Patienten. Dennoch beobachten Gynäkologen der Frauenklinik am Universitätsklinikum Erlangen die Entwicklungen auch im Hinblick auf Schwangere mit Sorge. Bei Patientinnen mit Infektionen steigt das Risiko für geburtshilfliche Komplikationen. Dazu gehören ein vorzeitiger Blasensprung oder vorzeitige Wehentätigkeit. Untersuchungen zu erkrankten Schwangeren während der SARS-Epidemie legen außerdem nahe, dass es aufgrund einer verminderten Funktion der Plazenta zu Wachstumsstörungen des Kindes kommen kann. Bei der Pandemie mit dem ersten SARS-Coronavirus in den Jahren 2002/2003 wurden Schwangerschaften unter den Infizierten nicht explizit abgefragt. Fallzahlschätzungen gehen allerdings von etwa 120 betroffenen Frauen aus. In einer veröffentlichten Fallserie sind demnach 3 von 12 Frauen an Lungenversagen oder einer Sepsis gestorben. Es gab mehrere Fehlgeburten, aber auch Kinder, die nach der Geburt gesund waren.
 
MERS in der Schwangerschaft

Das MERS-Coronavirus kann in der Schwangerschaft ebenfalls schwere Komplikationen auslösen. Die Sterberate war bei MERS insgesamt höher als bei SARS, berichtet Dr. Stumpfe: Von elf Schwangeren aus einer Fallserie mussten sechs auf einer Intensivstation behandelt werden. Es gab 3 Todesfälle bei den Müttern und 3 Todesfälle bei den Kindern, die vor oder nach der Geburt auftraten.
 
Erkrankungen durch SARS-CoV-2 nach bisherigen Daten milder

Im Vergleich verlaufen Erkrankungen, die durch SARS-CoV-2 verursacht sind, nach Sichtung der bisherigen Daten milder. Doch auch hier kann es während der Schwangerschaft zu Komplikationen kommen. Dr. med. Florian Stumpfe, stellv. Oberarzt an der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen, hat hierzu die Erfahrungen aus 2 Kollektiven der Stadt Wuhan und der Provinz Hubei ausgewertet. Keine der 18 erkrankten Frauen mit COVID-19 musste beatmet werden. Alle überlebten die Erkrankung. Allerdings kam es bei 5 Frauen zu einem vorzeitigen Blasensprung und bei 8 Kindern wurden mit der Kardiotokografie (CTG) Störungen von Herzschlag oder Wehentätigkeit entdeckt. Bis auf 2 wurden alle Kinder per Kaiserschnitt entbunden. Dass die Viren während der Geburt oder durch die Muttermilch auf das Kind übertragen werden, gilt aktuell als unwahrscheinlich. Bei keinem der 3 Coronaviren ist dies bisher beobachtet worden. Aufgrund der dünnen Datenlage rät Stumpfe dennoch zur Vorsicht. Neugeborene von COVID-19-Patientinnen sollten nach der Geburt intensiv überwacht werden, damit keine Infektion übersehen wird. Zudem empfiehlt er, die Kinder von anderen Säuglingen auf Station zu isolieren. Für stillende Mütter gelten allerdings die gleichen Regeln wie für den Rest der Bevölkerung. Auch sollten alle Gefäße und Pump-Sets vorsichtshalber vor der Benutzung sterilisiert werden, so Stumpfe. Um genauere Daten über Verläufe bei Schwangerschaften zu sammeln, gibt es die Möglichkeit sich an verschiedenen Registern zur Erfassung dieser Fälle zu beteiligen.

 

Quelle: FZMedNews

Literatur:

https://www.thieme.de/de/presse/covid-19-in-der-schwangerschaft-154844.htm


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