Sonntag, 19. Januar 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

27. September 2019 Schistosome und Helicobacter pylori: Co-Infektion verändert Immunantwort

Ein Team der Technischen Universität München (TUM) hat erstmals untersucht, welche Auswirkungen eine gleichzeitige Infektion mit Bilharziose auslösenden Schistosomen, und dem Bakterium Helicobacter pylori hat. Solche Co-Infektionen sind bei Menschen in manchen Regionen der Welt keine Seltenheit. In der Studie zeigte sich ein komplexes Wechselspiel: Unter anderem werden negative Auswirkungen des jeweils anderen Erregers abgeschwächt. Die Wechselwirkungen könnten sich möglicherweise auf die Wirksamkeit von Impfungen auswirken.
Weltweit sind rund 240 Millionen Menschen an Bilharziose erkrankt. Die Erreger sind Würmer der Gattung Schistosoma, auch Pärchenegel genannt. Die Parasiten gelangen meist aus dem Wasser in Seen, Teichen oder Flüssen in den menschlichen Körper. Im Körper werden Würmer, Larven und Eier über den Blutkreislauf in verschiedene Organe transportiert. Bei der Art Schistosoma mansoni ist besonders die Leber betroffen, dort können sie Zirrhosen hervorrufen.

In Deutschland ist jeder dritte Mensch mit Helicobacter pylori infiziert, weltweit sogar jeder zweite. Die Infektionen können zu Magengeschwüren und Krebs führen. Wo ein Befall mit Schistosomen vermehrt auftritt, wie in manchen afrikanischen Ländern südlich der Sahara, sind Co-Infektionen mit Helicobacter pylori häufig. Ein Team um Prof. Clarissa Prazeres da Costa und Prof. Markus Gerhard vom Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene der TUM hat anhand von Mäusen erstmals untersucht, was bei einer Co-Infektion von Helicobacter pylori und Schistosoma mansoni geschieht.

T-Zellen werden umgeleitet

Bei einer Bilharziose folgt auf die Infektion eine akute Phase, die nach ungefähr 5 Wochen in eine chronische Phase übergeht. In ihrer Studie konnten Prazeres da Costa und Gerhard zeigen, dass bei einer Co-Infektion in der akuten Phase der Bilharziose weniger T-Zellen im Magen zu finden sind. Bei einer alleinigen Infektion mit Helicobacter pylori treten diese Immunzellen dort verstärkt auf und fördern Entzündungen. „Wir nehmen an, dass durch die Bilharziose verstärkt Chemokine in der Leber gebildet werden. Diese wirken wie ein Lockstoff auf die T-Zellen und leiten sie gewissermaßen dorthin um“, sagt Markus Gerhard. Dadurch komme es im Magen zu weniger Entzündungen.

Dieser Effekt klingt jedoch ab, wenn die chronische Phase beginnt. Während diese Phase bei einer alleinigen Schistosomen-Infektion oft mit Leberschäden verbunden ist, sind diese bei Co-Infektionen seltener. Bei ihren Untersuchungen stellten Prazeres da Costa und Gerhard im Blut von Mäusen, die mit den Bakterien infiziert waren, erhöhte Mengen des Botenstoffs IL-13dRa2 fest. „IL-13dRa2 kann vor Zirrhosen schützen und die Gewebsveränderungen sogar umkehren“, sagt Clarissa Prazeres da Costa. „Wir glauben deshalb, dass sie entscheidend dazu beitragen, dass bei einer Co-Infektion weniger Leberzirrhosen auftreten.“

Mögliche Auswirkungen auf Impfungen

Im Alltag infizieren sich viele Betroffene immer wieder aufs Neue mit Schistosomen, weil sie wiederholt mit von Würmern befallenem Wasser in Kontakt kommen. „Dadurch ist die Umleitung der T-Zellen in die Leber nicht zeitlich begrenzt – chronische und akute Phase existieren gleichzeitig“, erläutert da Costa.

Die Wechselwirkungen bei einer Co-Infektion mögen zunächst nach einem positiven Nebeneffekt klingen: Betroffene leiden zwar an 2 Krankheiten, dafür sind die negativen Auswirkungen scheinbar abgeschwächt. „Co-Infektionen können aber zusätzliche Konsequenzen haben. Beispielsweise könnte die veränderte Immunantwort die Wirksamkeit von Impfungen einschränken“, sagt Gerhard. „Von Co-Infektionen sind gerade in ärmeren Regionen viele Menschen betroffen“, fügt da Costa hinzu. „Wir brauchen dringend weitere Studien zu ihren Effekten und zu Möglichkeiten, mit diesen umzugehen, zum Beispiel um neue, wirksamere Impfstrategien zu entwickeln.“

Quelle: TUM

Literatur:

Bhattacharjee S, Mejías-Luque R, Loffredo-Verde E, Toska A, Flossdorf M, Gerhard M, Prazeres da Costa C. „Concomitant Infection of S. mansoni and H. pylori Promotes Promiscuity of Antigen-Experienced Cells and Primes the Liver for a Lower Fibrotic Response.“ Cell Rep. 2019 Jul 2; 28(1): 231-244.e5. DOI: 10.1016/j.celrep.2019.05.108.


Das könnte Sie auch interessieren

Kassen-Experten: Demenzkranke öfter ohne Medikamente pflegen

Kassen-Experten: Demenzkranke öfter ohne Medikamente pflegen
© Robert Kneschke - stock.adobe.com

Bei der Pflege demenzkranker Menschen sollten aus Sicht von Experten der Krankenkassen Alternativen zu Medikamenten eine größere Rolle spielen. Es gebe eine Vielzahl anderer Verfahren wie Training von Alltagstätigkeiten, Übungen zum Gestalten von Beziehungen oder körperliche Aktivierung, teilte der Medizinische Dienst der gesetzlichen Kassen in Berlin mit. Dabei müsse man sich im Klaren sein, dass dies personal- und zeitintensiv sei und Folgen für die Personalbemessung und die Besetzung habe.

13 Prozent der Deutschen glauben, Rheuma sei eine Krankheit des Alters

13 Prozent der Deutschen glauben, Rheuma sei eine Krankheit des Alters
© wavebreak3 / fotolia.com

Rheuma ist keine Frage des Alters Rheumatoide Arthritis ist eine von mehr als 200 verschiedenen Rheuma-Erkrankungen Welt-Rheuma-Tag am 12. Oktober   Mehr als jeder Zehnte glaubt, Rheuma sei eine altersbedingte Krankheit, die einfach hingenommen werden müsste (1). Das ergab eine repräsentative Umfrage unter 1.000 Deutschen anläßlich des Welt-Rheuma-Tages am 12. Oktober im Auftrag des Biotechnologie-Unternehmens Amgen. Dabei kann die Erkrankung in jedem Lebensalter auftreten. Auch viele junge Menschen erkranken an Rheuma: Rund 20.000 Kinder und...

Was Eltern über Zöliakie wissen sollten

Was Eltern über Zöliakie wissen sollten
© J.Mühlbauer exclus. / fotolia.com

„Zöliakie?? Keine Angst!“, heißt es auf einem Informations-Portal, das seit Kurzem online kostenlos zur Verfügung steht. Der von der Stiftung Kindergesundheit gemeinsam mit dem Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München erarbeitete Online-Kurs www.zoeliakie-verstehen.de bildet den maßgeblichen Teil des EU-Projekts Focus IN CD (Fokus auf Zöliakie). Das Lernprogramm soll Betroffenen aktuelles und umfassendes Wissen zu Zöliakie bieten und medizinisches „Fachchinesich“ anschaulich erklären. Ein weiterer Kurs für...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Schistosome und Helicobacter pylori: Co-Infektion verändert Immunantwort "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.