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Medizin

24. Januar 2020 Schlaganfall: Gesenkter LDL-Wert reduziert Risiko für erneuten Infarkt

Wer bereits einen Schlaganfall erlitten hat, kann das Risiko für einen weiteren Hirninfarkt durch eine lipidsenkende Therapie mit Statinen nachweislich reduzieren. Experten der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) empfehlen die regelmäßige Einnahme der Cholesterinsenker zur Sekundärprävention. Doch wie weit sollte der Cholesterinwert abgesenkt werden? Dazu fehlten bisher aussagekräftige Erkenntnisse. Eine aktuelle Studie aus dem „New England Journal of Medicine (NEJM)“ schließt diese Lücke.
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Fachinformation
Demzufolge sollte der LDL-Cholesterinwert bei Patienten mit Hirninfarkten oder kurzen Durchblutungsstörungen des Gehirns (TIAs) und gleichzeitiger Atherosklerose der hirnversorgenden Arterien auf unter 70mg/dl herabgesenkt werden.

Risikofaktor Fettstoffwechsel

Ein Schlaganfall ist ein absoluter medizinischer Notfall. „Ein Risikofaktor für den Hirninfarkt ist neben Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Rauchen, Übergewicht oder einer Diabetes-Erkrankung auch eine Störung des Fettstoffwechsels“, sagt Prof. Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Pressesprecher der DSG. Kritisch hierbei sei vor allem der sogenannte LDL-Wert. LDL steht für Low Density Lipoprotein und bedeutet Lipoprotein niederer Dichte. „Hohe LDL-Cholesterin-Konzentrationen im Blut führen zu Arteriosklerose. Werden die Gefäße von den arteriosklerotischen Plaques verstopft, kann es zu einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt kommen“, erläutert Schäbitz. Statine senken den LDL-Spiegel und verhindern so einen zweiten Schlaganfall. Die Medikamente stabilisieren die arteriosklerotischen Plaques, verbessern im Gehirn die Durchblutung und die Regeneration von Zellen und Gefäßen und wirken gegen Entzündungen. „Je stärker die Statin-Wirkung, desto niedriger der LDL-Cholesterin-Wert“, erklärt der Experte.

Senkung auf 70mg/dl

In Deutschland werden Patienten, die aufgrund von Fettstoffwechselstörungen und daraus resultierender Arteriosklerose eine Herz-Kreislauferkrankung oder einen Schlaganfall erlitten haben, regelmäßig mit Statinen behandelt. Mit diesen Cholesterinsenkern wird der LDL-Wert im Blut vermindert. Im Gegensatz zum Herzinfarkt, wo dieses schon längere Zeit bekannt ist, mangelte es bisher beim Schlaganfall jedoch an Wissen darüber, wo dieser Zielwert liegen sollte. Die aktuelle NEJM-Studie liefert hierzu neue Erkenntnisse. „Die Untersuchung zeigt, dass der LDL-Cholesterinwert von Schlaganfallpatienten mit Atherosklerose auf unter 70mg/dl gesenkt werden sollte, um das Risiko für einen erneuten Hirninfarkt effektiv zu reduzieren“, so Prof. Dr. med. Armin Grau, 2. Vorsitzender der DSG.

Studiendesign

Die Studie schloss 2.860 Patienten ein. Sie hatten auf Grund einer Arteriosklerose einen Schlaganfall oder eine vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn (transitorische ischämische Attacke, TIA) erlitten. Um die Frage zu klären, welcher LDL-Spiegel erreicht werden muss, um weitere Ereignisse zu verringern, wurden die Patienten in der Studie nach dem Zufallsprinzip in 2 Gruppen eingeteilt. Für Gruppe 1 betrug der Zielwert für das LDL 70mg/dl oder weniger, für Gruppe 2 90-110mg/dl. Die Behandlung dauerte im Schnitt dreieinhalb Jahre. Nach dieser Zeit lag der durchschnittliche LDL-Wert in Gruppe 1 bei 65mg/dl und in Gruppe 2 bei 96mg/dl.

Besserer Schutz durch niedrigeren LDL-Wert

„Die Untersuchung zeigte, dass die Patienten mit dem niedrigeren LDL-Wert deutlich besser vor einem erneuten Schlaganfall geschützt waren“, resümiert Schäbitz. Nur 8,5% der Patienten in Gruppe 1, aber 10,9% in Gruppe 2 hatten der Studie zufolge nach der intensiveren Behandlung ein schweres Ereignis wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Eingriffe an der Halsschlagader oder am Herzen erlitten oder waren verstorben. „Diese Ergebnisse zeigen, dass bei Schlaganfall-Patienten mit atherosklerotischen Gefäßveränderungen in Analogie zu Herzinfarktpatienten ein Zielwert des LDL von < 70 mg/dl anzustreben ist, um das Risiko an einem erneuten Schlaganfall oder an schweren Herz-Kreislaufkrankheiten zu erkranken wirklich zu reduzieren. „Wir raten Betroffenen dringend, die Medikamente auch wirklich regelmäßig einzunehmen, denn nur dann können sie Leben retten“, betont Schäbitz abschließend.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.


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