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Medizin

26. Dezember 2019 Schmerz: Aktualisierte Leitlinien

In „Speed“-Vorträgen von jeweils 15 Minuten präsentierten die Autoren von 4 DGS-PraxisLeitlinien beim diesjährigen Innovationsforum Schmerzmedizin der DGS in Berlin wichtige Eckpunkte der Leitlinien zu opioidinduzierter Obstipation, Fibromyalgie-Syndrom, epiduraler Rückenmarksstimulation und Tumorschmerz. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) hat bereits 2013 die ersten PraxisLeitlinien entwickelt, um Therapeuten eine Hilfestellung in der Versorgung von Schmerzpatienten zu bieten. Seitdem sind weitere hinzugekommen. Im Vergleich zu herkömmlichen Leitlinien berücksichtigen diese nicht nur die Evidenz aus publizierter Literatur sondern auch die Evidenz, die aus Erfahrungen von Anwendern und Patienten resultieren.
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PD Dr. med. Michael A. Überall, Präsident der Deutschen Schmerzliga e.V. (DSL) und Vizepräsident der DGS stellte die in diesem Jahr publizierte PraxisLeitlinie Opioidinduzierte Obstipation vor. Dr. med. Oliver Emrich, Leiter des Schmerz- und Palliativzentrums Ludwigshafen, sprach zur PraxisLeitlinie Fibromyalgie-Syndrom, die in Kürze aktualisiert wird. Die Eckpunkte der PraxisLeitlinie Epidurale Rückenmarksstimulation, die kurz vor Veröffentlichung steht, präsentierte Dr. med. Thomas Cegla, Chefarzt der Schmerzklinik Wuppertal und Vizepräsident der DGS. Norbert Schürmann, Leiter der Schmerz- und Palliativmedizin am St. Josef Krankenhaus Moers und Vizepräsident der DGS, erläuterte die PraxisLeitlinie Tumorschmerz, die im kommenden Jahr neu aufgelegt werden soll.

OIC: Bis zu 87% der Patienten betroffen

Bis zu 87% der Patienten, die Opioide erhalten, entwickeln eine opioidinduzierte Obstipation (opioid induced constipation, OIC). Sie schränkt die Lebensqualität der Patienten ein und führt vielfach zum Therapieabbruch. Da konventionelle Laxanzien hier meist nicht helfen, empfiehlt die DGS-PraxisLeitlinie OIC eine frühzeitige Therapie mit PAMORA (peripherally acting μ-opioid receptor antagonists, peripher wirkende μ-Opioidrezeptor-Antagonisten). „Ärzte sollten ihre Patienten schon vor Einstellung auf ein Opioid nach ihrem Stuhlverhalten fragen. Nur eine Veränderung aufgrund der Opioidgabe ermöglicht die Diagnose der OIC“, so Überall.

Fibromyalgie-Syndrom: Häufig fehldiagnostiziert oder nicht erkannt

Beim Fibromyalgie-Syndrom handelt es sich um eine Nervenerkrankung des nozizeptiven Systems, die häufig fehldiagnostiziert oder nicht erkannt wird. Das Syndrom ist durch Schmerzen in der Muskulatur oder den Sehnen-Knochenübergängen gekennzeichnet. Teil des Syndroms sind zudem nicht erholsamer Schlaf, unerfrischtes Aufwachen, kognitive Beeinträchtigungen und vegetative Begleitsymptome in unterschiedlicher Ausprägung. „Wir wissen, dass einige Patienten auf Therapien, z.B. Wärmeanwendungen, ansprechen, die in herkömmlichen Leitlinien abgelehnt werden. Deshalb ist diese PraxisLeitlinie so wichtig“, sagte Emrich beim Innovationsforum.

Epidurale Rückenmarksstimulation: Teil eines multimodalen Therapiekonzeptes

„Aufgrund ökonomischer Anreize ist die epidurale Rückenmarksstimulation in der Vergangenheit vermehrt zum Einsatz gekommen“, so Cegla. Bei dieser Therapieform werden Elektroden direkt auf der Schutzhaut des Rückenmarks platziert, um die Schmerzweiterleitung zu beeinflussen. Die Wahrnehmung chronischer Schmerzen kann dadurch reduziert oder komplett aufgehoben werden. Ceglas Empfehlung: Die interdisziplinäre Entscheidung für oder gegen diese invasive Schmerztherapieform sollte in einer Schmerzkonferenz fallen, in der die Erfolgsaussichten der Therapie diskutiert werden und sie einen Teil des multimodalen Therapiekonzeptes darstellt.

Tumorschmerz: Ablösung von Morphin als Goldstandard

Anlass für die Entwicklung der PraxisLeitlinie Tumorschmerz war unter anderem die Ablösung von Morphin als Goldstandard. Aufgrund ihrer besseren Verträglichkeit sind alternative Opioide überlegen. Unter anderem hat Morphin die höchste Obstipationsquote unter den verfügbaren Opioiden der WHO Stufe III. Schürmann gab einen Ausblick auf die aktualisierte Version der PraxisLeitlinie, in der neuere Substanzen wie Hydromorphon und Oxycodon in 24-Stunden-Galenik, Tapentadol, Methadon, L-Polamidon sowie Cannabinoide berücksichtigt werden.

Alle DGS-PraxisLeitlinien stehen unter unter www.dgs-praxisleitlinien.de zum Download zur Verfügung.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.


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