Montag, 23. September 2019
Navigation öffnen

Medizin

11. September 2019 Sepsis: Früherkennung bei Risikopatienten über quickSOFA-Score

Die Sepsis ist nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen weltweit. Der Welt-Sepsis-Tag am 13. September soll helfen, das Bewusstsein für Sepsis zu erhöhen, um die frühzeitige Erkennung dieser schwerwiegenden Erkrankung zu fördern. Zur Identifikation von Risikopatienten außerhalb von Intensivstationen wurde der quickSOFA-Score eingeführt, der aus 3 Kriterien besteht: eine Atemfrequenz von 22/min oder mehr, Bewusstseinstrübung und ein systolischer Blutdruck < 100 mm Hg.
Anzeige:
Ursachen können etwa Wund- und Harnwegsinfektionen, Lungenentzündungen, eine Bauchfellentzündung oder eine Grippe sein. Besonders gefährdet sind ältere, aber auch Kinder unter einem Jahr oder Menschen mit chronischen Erkrankungen.

quickSOFA-Score

Im Versuch, die Infektion zu bekämpfen, kommt es zu einer übermäßigen Reaktion des Körpers. So ist der Patient weniger durch den Angriff etwa von Bakterien, sondern vielmehr durch die fehlgeleitete Reaktion des eigenen Körpers auf diesen Angriff gefährdet. „Es kommt zu einer immunologischen Dysfunktion des Wirtes“, erklärt der Innsbrucker Intensivmediziner, Michael Joannidis, Innsbruck. Ist die Sepsis einmal da, ist Zeit ein entscheidender Faktor: Zur schnellen Erkennung von Risikopatienten durch Sepsis außerhalb von Intensivstationen wurde der quickSOFA-Score eingeführt, der aus 3 einfachen klinischen Kriterien – eine Atemfrequenz von 22/min oder mehr, Bewusstseinstrübung und ein systolischer Blutdruck von weniger als 100 mm Hg – besteht. Wenn mindestens 2 dieser Kriterien erfüllt sind, ist die Wahrscheinlichkeit für eine schwere Sepsis erhöht.
Die rechtzeitige Behandlung mit den richtigen Antibiotika ist die Basis einer erfolgreichen Sepsis-Therapie. Beim Verdacht auf eine Sepsis schickt der Intensivmediziner deshalb so schnell wie möglich Blut bzw. Harn zur Untersuchung an das mikrobiologische Labor. Bei schweren Fällen bzw. später Diagnose führt eine Sepsis zu Organversagen und eine Intensivbetreuung ist notwendig. Das am häufigsten betroffene Organ ist dabei die Niere.
 
Vorherrschende Ursache bei Nierenversagen

„70% der Patienten mit Sepsis erleiden eine akute Nierenschädigung“, weiß Intensivmediziner Joannidis. „Wir nehmen an, dass dabei eine Nierenentzündung und Hypoxie wichtige Rollen spielen.“ Eine neue Therapie sollte auf diese beiden Prozesse abzielen. Die Ergebnisse wurden in einer Studie im Journal of the American Medical Association veröffentlicht. Joannidis war als Mitglied des Steering Committee und nationaler Studienkoordinator an dieser Publikation maßgeblich beteiligt. Die aktuellen Forschungen auch an der Medizinischen Universität Innsbruck auf diesem Gebiet sollen künftig Intensivpatienten bessere Behandlungen bringen und weiteren Stress durch eine Nierenersatztherapie ersparen.
 
Neue Studie in Phase III

Die Studie zeigt, dass das Enzym Alkalische Phosphatase mit seinem dualen Wirkmechanismus ein vielversprechender Kandidat für eine Therapie sein könnte. „Eine intravenöse Verabreichung von rekombinanter Alkalischer Phosphatase über 3 Tage konnte zwar nicht, wie erwartet, in den ersten Wochen, aber nach 28 Tagen eine Verbesserung der Nierenfunktion bewirken“, erklärt Joannidis. Darüber hinaus zeigte sich ein unerwartet deutlicher Effekt auf das Überleben der PatientInnen nach einem bzw. 3 Monaten. Die Sterblichkeit bei diesen schwer kranken Intensiv-PatientInnen mit Sepsis und Nierenschädigung ging um mehr als 40% zurück. Im Herbst 2019 startet die Studie in die Phase III, in der nun in den USA und in Europa überprüft wird, ob sich die Wirksamkeit und die Unbedenklichkeit bestätigen lassen. Das Hauptaugenmerk liegt nun auf dem signifikanten Wirkungsnachweis und den Nebenwirkungen sowie Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Quelle: Medizinische Universität Innsbruck


Das könnte Sie auch interessieren

Adipositas im Kindes- und Jugendalter

Adipositas im Kindes- und Jugendalter
© kwanchaichaiudom / fotolia.com

Laut der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2), die vom Robert Koch-Institut durchgeführt wurde, haben nach dem Referenzsystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 26,3% der 5- bis 17-Jährigen Übergewicht; 8,8% sind von Adipositas betroffen (1). In der Versorgung dieser Kinder und Jugendlichen gibt es erhebliche Defizite: So werden in Deutschland überzeugende, wissenschaftlich-basierte Behandlungs- und Betreuungskonzepte im Gesundheitssystem nicht unterstützt und in der Regel von den Kostenträgern nicht finanziert....

Fleisch und Milchprodukte günstig, raffinierte Kohlenhydrate schlecht

Fleisch und Milchprodukte günstig, raffinierte Kohlenhydrate schlecht
© M.studio / fotolia.com

Eine Studie mit mehr als 218.000 Teilnehmern aus über 50 Ländern zeigt: Nicht nur Obst, Gemüse und Nüsse sind herzgesund und verlängern das Leben, sondern auch nicht-verarbeitetes Fleisch und Milchprodukte. Die konsumierte Menge raffinierter Kohlenhydrate sollte begrenzt werden. Diese Studienergebnisse dürfen allerdings nicht als Freibrief für exzessiven Konsum für Fleisch und fetten Käse gesehen werden, sondern als Plädoyer für eine ausgewogene Ernährung, sagen deutsche Kardiologen.

5 Tipps für ein Leben mit Diabetes

5 Tipps für ein Leben mit Diabetes
© pikselstock / fotolia.com

Laut der Deutschen Diabetes-Hilfe erkranken jeden Tag rund 1.000 Menschen in Deutschland neu an Diabetes. Mediziner unterscheiden dabei je nach Ursache zwischen zwei Typen. Sowohl der Typ 1 als auch der Typ 2 äußern sich in einem chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel aufgrund von Insulinresistenz oder -mangel. Dadurch staut sich Zucker in den Blutgefäßen an. Bleibt eine Diabeteserkrankung unentdeckt, führt dies zur Schädigung der Blutgefäße und anderer Organe. Damit Betroffene trotz Erkrankung ihr Leben genießen können, gilt es...

Pilotprojekt: Stuhlkarten-Screening mit einfacher Farbkarte

Pilotprojekt: Stuhlkarten-Screening mit einfacher Farbkarte
© jolopes / Fotolia.com

Genial einfach: Anfang Dezember 2016 wurden 100.000 so genannte Stuhlkarten zur Früherkennung der Gallengangatresie an alle stationären niedersächsischen Geburtskliniken verschickt und dort von Kinderärzten, Gynäkologen und Hebammen in das „Gelbe Heft“ eingelegt. „Dieses Projekt ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie mit einfachen Mitteln und ohne großen technischen Aufwand ein maximaler Erfolg erzielt werden kann. Mit übersichtlich gestalteten Karten wird es Eltern leicht gemacht, sich über die Gesundheit ihres neugeborenen...

Neu aus dem ÄZQ: Patientenleitlinie "Kreuzschmerz"

Neu aus dem ÄZQ: Patientenleitlinie "Kreuzschmerz"
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Bettruhe, Bewegung oder Medikamente – welche Behandlung ist bei Beschwerden im Kreuz die richtige? Was Fachleute derzeit empfehlen, lesen Patientinnen und Patienten in der neuen ÄZQ-Patientenleitlinie "Kreuzschmerz". Jeder kennt Kreuzschmerzen. Oft sind sie harmlos und gehen von alleine weg. Die Schmerzen können aber auch länger andauern oder wiederkehren. Das kann belasten und im Alltag einschränken. Gegen die Schmerzen werden viele Behandlungen angeboten: einige helfen, andere nicht.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Sepsis: Früherkennung bei Risikopatienten über quickSOFA-Score"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.