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Medizin

27. Mai 2020 Soziale Isolation erhöht das Risiko von Herzinfarkt, Schlaganfall und Tod

Bei sozial isolierten Menschen ist die Wahrscheinlichkeit eines kardiovaskulären Ereignisses wie Herzinfarkt oder Schlaganfall um mehr als 40% höher als bei sozial integrierten Menschen (1). Soziale Einbindung spielt eine ähnliche Rolle wie klassische Schutzfaktoren, z.B. Normalwerte bei Blutdruck, Cholesterin und Gewicht.
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Basistext
Die deutsche Studie, die auf dem virtuellen Kongress der Europäischen Akademie für Neurologie (EAN) vorgestellt wurde, ergab, dass Menschen, die sozial isoliert sind, mit fast 50% höherer Wahrscheinlichkeit an jedweder Ursache sterben. Die Forschung zeigte auch, dass ein Mangel an finanzieller Unterstützung unabhängig davon das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse erhöht.
 
Die im Rahmen der Heinz Nixdorf Recall-Studie (HNR) durchgeführte und von Dr. Janine Gronewold und Prof. Dirk M. Hermann vom Universitätsklinikum Essen geleitete Studie analysierte die Daten von 4.316 Personen (Durchschnittsalter 59,1 Jahre), die zwischen 2000 und 2003 für die Studie rekrutiert wurden.
 
Die Studienteilnehmer traten ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung in die Studie ein und wurden im Durchschnitt 13 Jahre lang verfolgt. Zu Beginn der Studie wurden Informationen über verschiedene Arten der sozialen Unterstützung gesammelt, wobei die soziale Integration anhand des Familienstands und des Zusammenlebens, des Kontakts zu engen Freunden und Verwandten sowie der Mitgliedschaft in politischen, religiösen, gemeinschaftlichen, sportlichen oder beruflichen Organisationen bewertet wurde.
 
„Wir wissen seit einiger Zeit, dass das Gefühl der Einsamkeit oder der fehlende Kontakt zu engen Freunden und Familie Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit haben kann“, kommentierte Gronewold. „Was uns diese Studie zeigt, ist, dass starke soziale Beziehungen für die Herzgesundheit von großer Bedeutung sind, ähnlich der Rolle der klassischen Schutzfaktoren wie ein gesunder Blutdruck, ein akzeptabler Cholesterinspiegel und ein normales Gewicht. Besonders in der gegenwärtigen Pandemie-Situation, in der die sozialen Kontakte in den meisten Gesellschaften relevant eingeschränkt sind oder waren, sei diese Erkenntnis wichtig“.
 
In den 13,4 Jahren der Nachbeobachtung traten 339 kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle auf. Unter den Studienteilnehmern gab es 530 Todesfälle. Nach Bereinigung anderer Faktoren, die zu diesen Ereignissen und Todesfällen beigetragen haben könnten (z.B. kardiovaskuläre Standard-Risikofaktoren), wurde festgestellt, dass ein Mangel an sozialer Integration das zukünftige Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse um 44% und das Risiko für Todesfälle um 47% erhöhte.
 
„Wir verstehen noch nicht, warum Menschen, die sozial isoliert sind, so schlechte gesundheitliche Werte aufweisen, aber dies ist offensichtlich eine beunruhigende Erkenntnis, insbesondere in Zeiten von anhaltendem social distancing“, sagte Gronewold.

Übers. SM

Quelle: Quelle: European Acedemy of Neurology

Literatur:

(1) Gronewold J, Kropp R, Lehmann N et al. Association of social relationships with incident cardiovascular events and all-cause mortality. EAN Virtual Congress 2020.


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