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Medizin

14. August 2019 Typ-2-Diabetes: Stärkere HbA1c-Senkung unter Sitagliptin bei geriatrischen Patienten

Bei Typ-2-Diabetikern ≥ 65 Jahre mit leicht eingeschränkter Nierenfunktion senkte der zusätzlich zur Standardtherapie gegebene DPP-4-Hemmer Sitagliptin den HbA1c-Wert im Vergleich zum Ausgangswert stärker als der SGLT-2-Hemmer Dapagliflozin. Unter Sitagliptin erreichten auch mehr Patienten den HbA1c-Zielwert von < 7,0%. Dies zeigten die Ergebnisse eine Post-hoc-Analyse der CompoSIT-R-Studie, die kürzlich auf der Jahrestagung der American Diabetes Association in San Francisco vorgestellt wurde (1).
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Komorbidität: Eingeschränkte Nierenfunktion

Ein Diabetes mellitus Typ 2 tritt meist bei älteren Patienten auf, in den USA sind beispielsweise rund 45% der Typ-2-Diabetiker 65 Jahre oder älter. Fast die Hälfte dieser Patienten (48%) weist eine leichte Einschränkung der Nierenfunktion mit einer errechneten glomerulären Filtrationsrate zwischen ≥ 60 und < 90 ml/min pro 1,73 m² auf.

Die CompoSIT-R-Studie

In die CompoSIT-R-Studie waren über 25 Jahre alte Patienten mit Typ-2-Diabetes aufgenommen worden, die eine eGFR zwischen ≥ 60 und < 90 mg/ml pro 1,73 m² hatten und deren HbA1c-Wert unter einer Therapie mit Metformin allein oder in Kombination mit Sulfonylharnstoff nicht ausreichend kontrolliert werden konnte (HbA1c-Wert ≥ 7,0 bis ≤ 9,5%). Randomisiert erhielten sie zusätzlich zu ihrer bisherigen Therapie doppelblind über 24 Wochen Sitagliptin (100 mg/Tag; n=307) oder Dapagliflozin (5 mg/Tag, nach 4 Wochen 10 mg/Tag; n=306). Im primären Wirksamkeitsendpunkt der Studie war Sitagliptin (JANUVIA®) nach 24 Wochen signifikant besser als Dapagliflozin: Es senkte den HbA1c-Wert im Mittel (LS=Least Squares) im Vergleich zum Ausgangswert um 0,51 Prozentpunkte, während er unter Dapagliflozin um 0,36 Prozentpunkte abnahm. Der Unterschied von 0,15 Prozentpunkten war statistisch signifikant (p=0,006) (2).

Sitagliptin und Dapagliflozin bei älteren Patienten

Post hoc wurden nun die Daten aller randomisierten Teilnehmer der CompoSIT-R-Studie analysiert, die 65 Jahre oder älter waren. Dies waren 210 Teilnehmer (110 Männer, 100 Frauen) aus der Sitagliptin- und 200 Teilnehmer (119 Männer, 81 Frauen) aus der Dapagliflozin-Gruppe. Das Durchschnittsalter betrug rund 72 Jahre, der mittlere HbA1c-Ausgangswert lag bei 7,7%, die mittleren eGFR bei 79,2 bzw. 76,4 ml/min pro 1,73 m².
Nach 24 Wochen Therapie war der HbA1c-Wert in der Sitagliptin-Gruppe um 0,48 Prozentpunkte und in der Dapagliflozin-Gruppe um 0,36 Prozentpunkte im Vergleich zum Ausgangswert gesunken. Sitagliptin senkte den HbA1c-Wert im Vergleich zu Dapagliflozin um 0,12 Prozentpunkte stärker. Mit Sitagliptin erreichten 79 von 210 Patienten (41,1%) den HbA1c-Zielwert unter 7,0%, mit Dapagliflozin waren es 49 von 200 Patienten (28,2%).
Sitagliptin und Dapagliflozin wurden im Allgemeinen gut vertragen. Die Hypoglykämie-Rate war in beiden Gruppen ähnlich. In der Dapagliflozin-Gruppe kam es häufiger zu therapiebedingten Harnwegsinfektionen und Pilzinfektionen im Genitalbereich.

Fazit

Die Post-hoc-Analyse zeigte für Sitagliptin und Dapagliflozin bei älteren Typ-2-Diabetikern (≥ 65 Jahre) mit leichter Einschränkung der Nierenfunktion ähnliche Ergebnisse wie in der Gesamtgruppe der Patienten der CompoSIT-R-Studie: Die Behandlung mit Sitagliptin zusätzlich zur Standardtherapie senkte den HbA1c-Wert stärker als die zusätzliche Therapie mit Dapagliflozin – bei vergleichbarer Verträglichkeit beider Therapien.

Quelle: MSD

Literatur:

(1) Raji A, et al. Efficacy and safety of sitagliptin compared with dapagliflozin in people ≥ 65 years old with type-2-diabetes. Jahrestagung der American Diabetes Association, San Francisco, 7.-11. Juni 2019, Poster 1119-P https://plan.core-apps.com/tristar_ada19/abstract/b0c39592a407008776cc26b72d704320.
(2)  Scott R, et al. A randomized clinical trial of the efficacy and safety of sitagliptin compared with dapagliflozin in patients with type 2 diabetes mellitus and mild renal insufficiency: The CompoSIT-R study. Diabetes Obes Metab. 2018; 2876-2884.


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