Montag, 16. September 2019
Navigation öffnen

Medizin

06. Juni 2019 Aktuelle Fragen zu Typ-2-Diabetes-Patienten mit kardiovaskulärer Begleiterkrankung

Dr. med. Thomas A. Zelniker, Facharzt am Universitätsklinikum Heidelberg, gibt Einblicke in aktuelle Therapieoptionen bei Typ-2-Diabetespatienten mit kardiovaskulärer Begleiterkrankung.
Anzeige:
Wo stehen wir in der multifaktoriellen Therapie des Typ-2-Diabetes?

Diabetiker sind verglichen mit Nicht-Diabetikern einem 2- bis 4-fach erhöhten Mortalitätsrisiko ausgesetzt; ein bedachter und individualisierter Therapieplan ist daher von essenzieller Bedeutung. Lebensstilveränderungen, wie gesunde Ernährungsgewohnheiten, Gewichtsreduktion und Nikotinabstinenz stellen die Eckpfeiler in der Behandlung des Typ 2 Diabetes dar. Wesentlich ist ebenfalls die Kontrolle kardiovaskulärer Risikofaktoren wie Bluthockdruck und LDL-Cholesterin. Zusätzlich stehen uns erfreulicherweise zur Blutzuckereinstellung neue pharmakologische Therapieoptionen zur Verfügung. Mit GLP-1-RA und SGLT2-Inhibitoren haben wir 2 relativ neu zugelassene Wirkstoffgruppen, für die ein Benefit hinsichtlich kardiovaskulärer Mortalität nachgewiesen wurde.

SGLT-2-Inhibitoren können das kardiovaskuläre Risiko positiv beeinflussen. Welche Patienten können am meisten von der Behandlung profitieren?

SGLT-2-Inhibitoren haben vielfältige vorteilhafte Effekte. In einer kürzlich im Fachjournal The Lancet erschienen Meta-Analyse konnten wir zeigen, dass die größten und robustesten Effekte dieser Substanzklasse in der Reduktion von Hospitalisierungen aufgrund von Herzinsuffizienz sowie der Reduktion einer fortschreitenden Nierenfunktionsstörung liegen (1). Zusätzlich senken SGLT-2-Inhibitoren das Risiko des kombinierten Endpunkts Herzinfarkt,
Schlaganfall und kardiovaskulärer Tod um 14%. Dieser protektive Effekt ist allerdings nur auf Patienten mit vorliegenden atherosklerotischen kardiovaskulären Grunderkrankungen beschränkt.

Kürzlich wurde die Leitlinie zur kardialen Primärprävention des American College of Cardiology (ACC) und der American Heart Association (AHA) aktualisiert. Was sind die bedeutendsten Neuerungen? Welcher Trend zeichnet sich in der Primärprävention bei Typ-2-Diabetespatienten ab?

Die bedeutendsten Neuigkeiten stellen die Empfehlungen von SGLT-2-Inhibitoren und GLP-1-RA zur Therapie von Patienten mit Typ-2-Diabetes dar, wenn diese trotz Lebensstilveränderungen und einer Behandlung mit Metformin einer weiteren Blutzuckersenkung bedürfen. Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen sind eng miteinander verknüpft.

Wachsen Behandlungsstrategien der Kardiologie und Diabetologie in Zukunft enger zusammen?

Diabetes ist eine komplexe systemische Erkrankung, die einer interdisziplinären Therapie bedarf. Beim Kongress der American Heart Association hatte der Pionier der modernen Kardiologie Dr. Braunwald sehr treffend formuliert, dass die Herzinsuffizienz und der Typ-2-Diabetes Pandemien der heutigen Zeit darstellen und dabei den Begriff der Kardiodiabetologie gemünzt. Herzinsuffizienz stellt eine der häufigsten Komplikationen von Diabetikern dar und trägt zum erhöhten Mortalitätsrisiko bei. Es ist erfreulich, dass wir nun diesbezüglich eine neue wirkungsvolle Therapieoption vorliegen haben.

Quelle: AstraZeneca

Literatur:

(1) Zelniker TA et al. SGLT2 inhibitors for primary and secondary prevention of cardiovascular and renal outcomes in type 2 diabetes: A systematic review and meta-analysis of cardiovascular outcome trials. The Lancet 2019; 393 (10166): 31-9.


Das könnte Sie auch interessieren

Mehr allergische Reaktionen nach Wespenstichen

Mehr allergische Reaktionen nach Wespenstichen
© abet - stock.adobe.com

Experten warnen in diesen Tagen in den Medien vor einem extremen Wespen-Sommer 2019. Normalerweise gehen uns die schwarz-gelben Insekten erst im August und September auf die Nerven, doch dank der Saharahitze gehen Fachleute nun von einer verfrühten Saison mit mehr Wespen aus. In den vergangenen beiden Sommern hielt sich die Plage laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse dagegen in Grenzen: Demnach wurde knapp jeder Fünfte von rund 1.000 Befragten mindestens einmal von einer Wespe gestochen. Nur 13 Prozent der Betroffenen sagten, dass...

Klinikeinweisung wegen Herzschwäche: Welche Warnsignale müssen Betroffene kennen?

Klinikeinweisung wegen Herzschwäche: Welche Warnsignale müssen Betroffene kennen?
© freshidea / Fotolia.com

Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 440.000 Patienten mit Herzschwäche in eine Klinik eingewiesen, weil bei ihnen ihr Herz entgleist ist. Damit zählt die Herzschwäche zu den häufigsten Anlässen für einen Krankenhausaufenthalt. „Ganz konkrete Warnsignale zeigen das Entgleisen des Herzens an. Für diese müssen Betroffene wachsam sein, insbesondere für Wassereinlagerungen im Körper, an den Knöcheln, den Unterschenkeln oder im Bauchraum. Diese sogenannten Ödeme sind leicht zu erkennen, wenn man sich täglich wiegt....

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Aktuelle Fragen zu Typ-2-Diabetes-Patienten mit kardiovaskulärer Begleiterkrankung "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.