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Medizin

31. Oktober 2019 Urtikaria: Stark eingeschränkter Alltag

Ob Ernährung, Freizeit, Sozialleben oder Kinderwunsch – Urtikaria schränkt Betroffene in nahezu jedem Lebensbereich ein. Dennoch befinden sich fast zwei Drittel der Patienten (60,3%) nicht in ärztlicher Versorgung, das zeigen aktuelle Daten der DERMLINE-Umfrage mit 1.037 Urtikaria-Patienten (1). Nur weniger als jeder zweite Patient (48%) ist mit seiner derzeitigen Therapie zufrieden oder sehr zufrieden – der meist genannte Grund: Die Therapie helfe nicht. Jeder Fünfte gibt sogar an, er erhalte aus Kostengründen nicht die bestmögliche Therapie, viele Patienten wünschen sich zudem mehr Zeit für das Arzt-Patienten-Gespräch.
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Bei einem Großteil der Patienten bietet sich also das Potenzial, die Versorgung deutlich zu verbessern. Damit hat sich die Situation der Patienten in den letzten 5 Jahren kaum verändert. In der Vorgängerstudie ATTENTUS waren fast ebenso viele Patienten nicht ärztlich versorgt oder unzufrieden mit ihrer Urtikaria-Behandlung (3).

Fehlende Kontrolle, belastende Symptome, Einschränkungen im Alltag

Die DERMLINE-Umfrage zeigte, dass die Urtikaria bei 80% der Betroffenen gemäß Urtikariakontrolltest (UCT) weiterhin aktiv war – ohne ärztliche Versorgung und wirkungsvolle Therapie bei einem Großteil der Patienten überrascht dieses Ergebnis indes nicht (1). 9 von 10 Patienten litten unter Jucken (91%), fast ebenso viele waren von Hautnesseln (86%) betroffen, besonders entstellende und schmerzhafte Ödeme wurden von 43% der Patienten berichtet (1). Beteiligt waren alle Bereiche des Körpers: Hautnesseln und Ödeme zeigten sich bei einem Großteil der Patienten auch an gut sichtbaren Regionen wie Gesicht und Händen.

Besonders schmerzhaft und belastend: Bei 15% bzw. 12% der Betroffenen kam es im Genitalbereich zu Hautnesseln und Ödemen (1). Bei etwa einem Viertel (28%) traten die Beschwerden spontan auf, der weitaus größere Teil (43%) berichtete, dass die Symptome sowohl spontan auftraten als auch durch bestimmte Auslöser induziert wurden – darunter auch Stress in Alltag und Beruf (1). Jede 5. Betroffene verschiebt sogar einen Kinderwunsch.
Die schwerwiegenden und oftmals unberechenbar auftretenden Symptome beeinflussen ein normales Leben der Betroffenen in nahezu allen Bereichen deutlich: 52% meiden stressige Situationen, 42% ändern ihre Ernährung, jeder Dritte (33%) reduziert sportliche Aktivität oder verzichtet auf Partys und Feiern (29%), etwa ein Viertel (26%) versucht die entstellenden Hautveränderungen unter langer Kleidung zu verbergen – unabhängig vom Wetter, etwa bei Sonne oder Hitze (1). Jeder Fünfte (22% bzw. 20%) meidet den körperlichen Kontakt zu Freunden oder trifft sich seltener mit diesen (1). Besonders bedauerlich ist, dass fast jede fünfte betroffene Frau (18%) wegen der Urtikaria sogar ihren Kinderwunsch verschiebt (1). Damit
kann die Erkrankung auch einen großen Einfluss auf deren Lebensplanung haben. Es erstaunt daher nicht, dass sich mehr als zwei Drittel (68%) der Befragten aufgrund der Erkrankung niedergeschlagen fühlen (1). Fast ebenso viele (56%) gaben an, weniger Freude an eigentlich spaßigen Unternehmungen zu haben (1). Einzig positiv: 9 von 10 Betroffenen geben an, dass ihr Partner sie und ihre Erkrankung verstehe (1).

Therapie rechtzeitig intensivieren, leitliniengerecht behandeln

Die aktuelle DERMLINE-Umfrage verdeutlicht, dass die Mehrheit der Patienten weiterhin nicht optimal behandelt und versorgt wird. Die Urtikaria hat daher negative Auswirkungen auf die Lebensqualität der Patienten. Eine eher oberflächliche und nur mäßig wirksame oder gar wirkungslose Therapie lässt die Patienten, die im Mittel bereits 10 Jahre unter der Urtikaria litten, zu dem Schluss kommen, dass ihnen mit ihrer Erkrankung nicht geholfen werden kann. Um eine jahrelange Leidenszeit zu verkürzen und ihnen Frust und Resignation zu ersparen, sollte die Therapie rechtzeitig intensiviert und das Behandlungsziel „Beschwerdefreiheit“ angestrebt werden.

4-Stufen-Schema

Die aktuelle Leitlinie sieht dazu ein 4-Stufen-Schema vor, um Patienten von den schwerwiegenden Beschwerden zu lösen (2). Tritt auch unter 4-facher Dosierung von H1-Antihistaminika (off-label) keine Besserung ein, ist bei Patienten mit chronischer spontaner Urtikaria (csU) auf Stufe III die zusätzliche Anti-IgE-Therapie indiziert (4). Bereits seit 2014 steht Patienten ab 12 Jahren hier als einzige zugelassene Therapieoption Omalizumab (Xolair®) zur Verfügung.

Omalizumab bindet freies IgE und verhindert so die Histaminflutung des Gewebes und greift damit in den zentralen Pathomechanismus der Erkrankung ein. Umfangreiche Daten aus klinischen Studien und dem Praxisalltag zeigen, dass csU-Patienten unter Omalizumab ein hohes Maß an Symptomkontrolle erreichen können. In einer Meta-Analyse mit mehr als 60 Studien ergab sich unter anderem ein komplettes Ansprechen und damit Symptomfreiheit bei 72,2% der mit Omalizumab behandelten Patienten (5). Weitere Studien belegen zudem positive Auswirkungen auf Depressionen, Ängste sowie die Lebens- und Schlafqualität, die mit der csU im Zusammenhang stehen können (6).

Quelle: Novartis

Literatur:

(1) Wagner N et al. EADV 2019. Abstract P1958.
(2) Zuberbier T et al. Allergy. 2018; 73(7): 1393-1414.
(3) Maurer M et al. Br J Dermatol. 2016; 174(4): 892-4.
(4) Fachinformation Xolair®.
(5) Tharp et al. EAACI 2018. Poster 0395.
(6) Sussman G et al. EADV 2019. Abstract P1949.
 


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