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Medizin

25. Februar 2020 Vagusnerv-Stimulation: Einfluss auf den Energiestoffwechsel

Der Vagusnerv spielt bei der Kommunikation zwischen Gehirn und Körper eine zentrale Rolle und kann mit einer elektrischen Stimulation am Ohr gezielt angeregt werden. Wissenschaftler am Uniklinikum Tübingen konnten jetzt in einer Studie zeigen, dass die Aktivität des Magens über eine Hirnstimulation ausgehend vom Vagusnerv beeinflusst werden kann.

 
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Geprüft wurde die Wirkung der Vagusnerv-Stimulation auf den Energiestoffwechsel bei gesunden Erwachsenen. Der Energiestoffwechsel wurde für die Studie durch 2 unterschiedliche Methoden untersucht: Zum einen durch indirekte Kalorimetrie; zum anderen wurde ein Elektrogastrogramm gemessen, um die Aktivität des Magens zu untersuchen. Um die Auswirkungen der Vagusnerv-Stimulation zu prüfen, wurden alle Teilnehmer an 2 aufeinanderfolgenden Tagen untersucht. An beiden Tagen wurde vor dem Beginn der Stimulation der aktuelle Zustand des Energiestoffwechsels bestimmt. Weiterhin wurde zuvor zufällig festgelegt, an welchem der beiden Tage die Teilnehmer eine Stimulation am Vagusnerv erhalten und wann eine andere Region am Ohr stimuliert wird, die den Vagusnerv nicht beeinflusst. Die Stimulation folgte im Anschluss an die Messung des Ausgangszustands, um die Veränderungen durch die Stimulation direkt zu messen und sie zwischen Untersuchungstagen vergleichen zu können.

Auswirkung der Vagusnerv-Stimulation auf die Verdauung

Als Folge der Vagusnerv-Stimulation wurde eine deutliche Verlangsamung der Schrittmacherzellen des Magens beobachtet, was zu einer langsameren Verdauung führen sollte. Auf den Grundumsatz hatte die Stimulation keine akute Auswirkung. Die Ergebnisse zeigen, dass man die Aktivität des Magens über eine Hirnstimulation ausgehend vom Ohr beeinflussen kann, wohingegen der Grundumsatz an Energie vermutlich erst über einen längeren Zeitraum und in Wechselwirkung mit der Verdauung verändert werden kann.

Die Ergebnisse weisen auf das Potenzial der Vagusnerv-Stimulation hin

Die Nachahmung von körpereigenen Signalen könnte bei der Behandlung von Erkrankungen wie Depression und Essstörungen helfen, da diese auch oft eine enge Verknüpfung aus Ernährung, Energiestoffwechsel und Stimmung zeigen. Dr. rer. nat. Nils Kroemer, Studienleiter im Forschungsbereich Translationale Psychiatrie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Uniklinikum Tübingen: „Unser Ziel ist es, zu verstehen, wie man dieses Tor zum motivationalen System des Gehirns für mögliche Therapien am besten nutzbar machen kann.“ Weitere Studien sind geplant, u.a. für Untersuchungen mittels funktioneller Magnetresonanztomographie zu den Veränderungen im Gehirn in Folge der Stimulation und dem Einfluss auf den Magen. Informationen dazu gibt es unter www.neuromadlab.com.

Quelle: Universitätsklinikum Tübingen

Literatur:

Teckentrup V, Neubert S, Santiago JCP, Hallschmid M,  Walter M, Kroemer NB. Non-invasive stimulation of vagal afferents reduces gastric frequency. Brain Stimulation, 01.03.2020,
https://doi.org/10.1016/j.brs.2019.12.018


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