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Medizin

18. November 2019 Vitamin B12: Hochdosierte orale Substitution wirkt

Aktuelle Studien zeigen, dass neben der parenteralen Applikation auch die orale Substitution einen Mangel an Vitamin B12 effektiv ausgleichen kann – selbst bei Patienten mit Resorptionsstörungen. Voraussetzung ist eine ausreichend hohe Dosierung.
Mangel ist weit verbreitet
Ein Mangel an Vitamin B12 hat in der ärztlichen Praxis eine hohe Relevanz, denn er ist weit verbreitet. Er tritt nicht nur bei Vegetariern auf, sondern häufig auch in Folge von Resorptionsstörungen. Die Prävalenz nimmt mit steigendem Alter zu. So weist jeder vierte der über 65-Jährigen in Deutschland einen subklinischen Mangel auf. In der Gruppe der 85- bis 93-Jährigen ist es mehr als ein Drittel (1).
 
Bei Müdigkeit und Erschöpfung an Vitamin B12-Mangel denken
Ursachen sind neben einer Mangelernährung im Alter häufig eine Malabsorption, etwa bedingt durch Magen-Darm-Erkrankungen, Mangel an Intrinsic Factor oder die Einnahme von Medikamenten wie Metformin und Protonenpumpenhemmer. Anfangs sind die Beschwerden eines Vitamin B12-Mangels meist unspezifisch. Die Patienten klagen häufig über Müdigkeit, Erschöpfung und Konzentrationsstörungen. Unbehandelt kann der Mangel jedoch schwerwiegende hämatologische, neurologische und neuropsychiatrische Folgen haben, die sich bis hin zu kognitiven Störungen und einer funikulären Myelose entwickeln können.
 
Hochdosierte orale Therapie ist wirksam
Damit keine gravierenden Folgeschäden durch einen Vitamin B12-Mangel auftreten, ist eine frühzeitige Therapie erforderlich. Wie aktuelle Studien zeigen, hat sich die orale hochdosierte Supplementation von Vitamin B12 als wirksam erwiesen, auch bei den genannten Risikogruppen. In einem aktuellen Review wurden 16 Studien aus den Jahren 2010 bis 2018 auf die Wirksamkeit der oralen und nasalen Vitamin B12-Therapie bei Teilnehmern über 65 Jahre analysiert. Die Daten zeigen, dass ein Mangel durch orale Verabreichung von 1.000 µg Vitamin B12 (z. B. enthalten in B12 Ankermann® Dragees wirksam ausgeglichen werden kann. Vorteile der oralen Therapie sind den Autoren des Reviews zufolge, dass Beschwerden und Unannehmlichkeiten, die mitunter bei Injektionen auftreten, vermieden werden können. Bei Vorliegen einer schweren neurologischen Symptomatik empfehlen die Autoren initial eine parenterale Applikation. Anschließend kann eine orale Erhaltungstherapie erfolgen (2). Berücksichtigt werden sollte auch die Präferenz der Patienten, die meist eine orale Therapie bevorzugen (3).
 
Auf eine hohe Dosierung kommt es an
Auch Patienten mit Vitamin B12-Mangel aufgrund von gastrointestinalen Erkrankungen können von der oralen Gabe profitieren, wie eine weitere Studienanalyse verdeutlicht (4). Selbst nach totaler Gastrektomie hat sich die orale Supplementation von Vitamin B12 in einer Dosierung von 1.000 μg/d bei den Studienteilnehmern als effektiv erwiesen (5).
 
Voraussetzung für eine ausreichende Wirkung der oralen Gabe ist, dass eine hohe Dosierung von 1.000 μg zum Einsatz kommt. Neben der aktiven Absorption kann das Vitamin auch passiv durch Diffusion über die Darmmukosa aufgenommen werden. Dabei gelangt ein wesentlicher Teil unabhängig vom Intrinsic Faktor ins Blut und umgeht so mögliche Resorptionsstörungen. Zwar werden über diesen Weg nur etwa ein Prozent der oral eingenommenen Menge aufgenommen, bei 1.000 μg Vitamin B12 reicht sie jedoch aus, um einen Mangel effektiv auszugleichen.

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Quelle: Wörwag Pharma

Literatur:

1. Conzade R et al. Nutrients 2017; 1276; doi: 10.3390/nu9121276
2. Andrès et al. An Int J med 2019; 1-11; doi: 10.1093/qimed/hcz046
3. Metaxas C et al. Swiss Med Wkly 2017; 147: w14421; doi:10.4414/smw.2017.14421
4. Andrès et al. J Clin Med 2018; 7 (304): doi:10.3390/jcm7100304
5. Moleiro et al. GE Port J Gastroenterol 2018; 25: 117-122


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