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Medizin
04. März 2021

Impfung, Prävention und medikamentöse Rheuma-Therapie – aktualisierte Empfehlungen der DGRh zu SARS-CoV-2

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen sind durch eine Dysbalance des Immunsystems gekennzeichnet, die nicht nur während der SARS-CoV-2-Pandemie eine besondere Herausforderung darstellt. Dennoch scheinen Menschen mit Rheuma nicht zu den durch COVID-19 besonders gefährdeten Gruppen zu gehören – sofern ihre rheumatische Grunderkrankung medikamentös gut kontrolliert ist. Was das für die Rheumatherapie bedeutet, haben Experten der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) nun zusammengefasst und als aktualisierte Empfehlungen in der Fachzeitschrift Rheumatology veröffentlicht. In einer zweiten Publikation nimmt der DGRh-Vorstand auch Stellung zu COVID-19-Impfungen bei Rheuma.
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Kein erhöhtes Risiko für Erkrankung oder schweren Verlauf

Für die beiden aktuellen Veröffentlichungen haben die DGRh-Experten unter Federführung von Prof. Dr. Hendrik Schulze-Koops die bisher verfügbaren Studien und Fallberichte über SARS-CoV-2-Infektionen bei Menschen mit Rheuma zusammengetragen und ausgewertet. „Eine wichtige Datenquelle ist auch das online-Register Covid19-rheuma.de, in dem COVID-19-Krankheitsverläufe speziell bei Rheumapatienten dokumentiert werden“, sagt Schulze-Koops, der die Rheumaeinheit am Universitätsklinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München leitet und Mitglied im Vorstand der DGRh ist. Die ersten Lehren hieraus seien durchaus beruhigend: Menschen mit Rheuma haben demnach weder ein erkennbar erhöhtes Risiko, an COVID-19 zu erkranken, noch dafür, einen besonders schweren Verlauf der Erkrankung zu erleiden. Auch die Einnahme immunsupprimierender Medikamente scheint – mit wenigen Ausnahmen – kein wesentlicher Risikofaktor zu sein.

Erhöhtes Risiko bei aktivem Schub
 
„Dagegen muss eine schlecht kontrollierte, in einem aktiven Schub befindliche rheumatische Erkrankung durchaus als Risikofaktor für einen ungünstigen COVID-19-Verlauf gelten“, so Schulze-Koops. Für das Krankheitsmanagement bedeute das, dass regelmäßige Arzt- und Kontrolltermine unbedingt wahrgenommen und eine effektive antirheumatische Therapie unverändert weitergeführt werden sollte. Auch notwendige therapeutische Anpassungen sollten wie unter nicht-pandemischen Bedingungen vorgenommen werden, um das Risiko von Rheumaschüben zu verringern. Lediglich bei Rheumapatienten mit einer symptomatischen SARS-CoV-2-Infektion sollte die antirheumatische Therapie pausiert und die Gabe von Glukokortikoiden wenn möglich auf weniger als 10 mg pro Tag reduziert werden. „Auch bei Neubeginn einer Therapie sollte derzeit möglichst auf hohe Glukokortikoidgaben verzichtet werden“, erläutert Schulze-Koops – diese könnten offenbar den Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion ungünstig beeinflussen. Auch der Beginn einer Therapie mit dem langwirkenden, gegen B-Zellen gerichteten Wirkstoff Rituximab sollte wenn möglich umgangen, sowie generell Therapieprotokolle mit kurzwirksamen Substanzen bevorzugt werden.

Impfung frühestens 4 Monate nach der letzten RTX-Gabe
 
Aufgrund seiner über Monate anhaltenden immunsupprimierenden Wirkung ist Rituximab, welches als Infusion in halbjährlichen bis jährlichen Abständen verabreicht wird, auch der einzige Wirkstoff, bei dem die DGRh-Experten besondere Vorkehrungen bei einer Impfung gegen SARS-CoV-2 empfehlen: „Die Impfung sollte frühestens 4, besser 6 Monate nach einer letzten Gabe von RTX erfolgen“, sagt Prof. Dr. med. Christof Specker, Direktor der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie des Klinikums Essen-Mitte und Sprecher der COVID-19-Kommission der DGRh. Vorher verabreichte Impfungen zeigten nur eine stark abgeschwächte Wirkung. Zu mehr unerwünschten Effekten durch die Impfungen komme es aber auch nicht, wenn diese zu früh verabreicht wurde. 4 Wochen nach einer COVID-19-Impfung ist der Impfschutz erreicht und es kann dann auch wieder eine Behandlung mit Rituximab erfolgen.

Wirksamkeit und Sicherheit der Impfung bei Rheuma-Patienten unklar
 
Allgemein ist über die Wirksamkeit und Sicherheit der bislang zugelassenen Corona-Impfstoffe speziell bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen noch sehr wenig bekannt – denn Menschen mit Vorerkrankungen waren von den Zulassungsstudien ausgeschlossen. „Bisher liegen jedoch keine Meldungen über besondere Risiken vor, obwohl weltweit bereits viele Patienten mit Rheuma geimpft wurden“, so Specker. Davon, dass die Impfstoffe auch für Rheumapatienten unter immunmodulierender oder immunsupprimierender Therapie sicher seien, sei auch deshalb auszugehen, weil es sich in keinem Fall um Lebendimpfstoffe handele. Hinsichtlich der Effektivität sind ebenfalls noch Fragen offen. „Es ist möglich, dass immunsupprimierte Patienten auch nach 2 Impfungen keinen ausreichend hohen Spiegel wirksamer Antikörper aufbauen“, sagt Specker. Dann könne eine dritte Impfung notwendig werden. Derzeit sei es aber auf keinen Fall ratsam, eine antirheumatische Therapie zu unterbrechen, nur um die Effektivität der Impfung zu optimieren. Zum einen sei das Risiko eines Rheumaschubs zu hoch, zum anderen die Impfung derzeit noch nicht flächendeckend verfügbar. „Und allein aufgrund ihrer rheumatischen Erkrankung“, so Specker, „haben die Patienten kein signifikant erhöhtes Risiko. Da dies bei aktiver Erkrankung oder bestimmten Therapien aber nicht auszuschließen ist, gehören Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen aber nach der neuen Coronavirus-Impfverordnung in die Kategorie 3 (erhöhte Priorität).“

Quelle: DGRh


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