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Medizin
08. April 2021

Innovativer Blutplättchenhemmer erstmals bei Herz-Kreislauf-Patienten getestet

Revacept ist ein neuartiger Blutplättchenhemmer, der spezifisch an verletzte Blutgefäße bindet und bei Kathetereingriffen sicher eingesetzt werden kann. Das zeigt eine Studie an Patienten mit verengten Herzkranzgefäßen, die vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) mitfinanziert wurde.
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Herkömmliche Blutplättchenhemmer wie Aspirin oder Clopidogrel wirken im ganzen Organismus. Im Gegensatz dazu lagert sich Revacept wie ein Pflaster an die verletzten Blutgefäße an und verhindert, dass dort Blutplättchen binden. Die Blutgerinnung wird also nur lokal gehemmt und nicht im ganzen Körper. Dies könnte das Blutungsrisiko reduzieren, eine gefährliche Komplikation der zurzeit gängigen blutplättchenhemmenden Medikamente.
 

Bildung von Gerinnseln

Prof. Steffen Massberg vom LMU Klinikum München und Prof. Adnan Kastrati vom Deutschen Herzzentrum München haben Revacept im Rahmen der klinischen Studie ISAR-PLASTER nun erstmals während eines Herzkathetereingriffs getestet. Bei einem solchen Eingriff wird untersucht, ob durch Ablagerungen verengte Herzkranzgefäße geweitet werden müssen, damit das Herz wieder ausreichend Blut erhält. Müssen die Engstellen beseitigt werden, besteht die Gefahr, dass die Ablagerungen in den Gefäßen aufreißen. Das zieht Blutplättchen an, die dort verklumpen und Gerinnsel bilden. Werden diese mit dem Blutstrom fortgeschwemmt, können sie wichtige Gefäße blockieren und einen Herzinfarkt verursachen.  
 

Herzattacke trotz Medikation

Die Patienten erhalten deshalb während des Eingriffs blutplättchenhemmende Medikamente, wenn die Gefäße aufgedehnt werden müssen. Obwohl damit die Rate der Herzattacken während und kurz nach dem Kathetereingriff gesenkt werden kann, treten sie bei einigen Patienten immer noch auf. Laut Massberg gibt es dafür 2 Gründe: „Die zurzeit verabreichten Blutplättchenhemmer Clopidogrel und Aspirin werden als Tablette eingenommen, es dauert 3 bis 4 Stunden bis sie über den Darm ins Blut gelangen und dort wirken. Außerdem wirkt Clopidogrel bei 20% der Patienten nicht ausreichend.“
 

Therapeutische Lücken schließen

Die Wissenschaftler wollten wissen, ob Revacept diese zeitliche und individuelle therapeutische Lücke schließen kann, so dass die Herzinfarktrate sinkt, ohne dass das Blutungsrisiko sich erhöht. Denn neben der gezielten Gerinnungshemmung hat der innovative Blutplättchenhemmer einen weiteren Vorteil: Ärzte können ihn direkt ins Blut der Patienten spritzen, sodass er sehr schnell wirken kann. 334 Patienten mit einer stabilen koronaren Herzerkrankung nahmen an der Studie teil, die an neun Zentren durchgeführt wurde. Revacept wurde dabei zusätzlich zu den bewährten Blutplättchenhemmern verabreicht.
 

Sicher, aber bei geringem Herzinfarktrisiko nicht effektiv

„Revacept ist sicher, Blutungskomplikationen traten nicht vermehrt auf“, fasst Massberg das Ergebnis der Studie zusammen. Im Blut der Studienteilnehmer konnten die Forscher nachweisen, dass Revacept mit einer Dosierung von 160 mg seine gerinnungshemmende Wirkung auch bei Patienten so gezielt entfaltet wie in vorherigen Studien bei gesunden Probanden beobachtet. Herzinfarkte während und kurz nach dem Kathetereingriff waren insgesamt sehr selten und konnte durch die Gabe von Revacept zusätzlich zu den herkömmlichen Blutplättchenhemmern nicht weiter reduziert werden.
 

Effekt in Phase-III-Studie wahrscheinlich

Massberg vermutet, warum die Forscher keine Auswirkungen auf die Herzinfarktrate sehen konnten: „Da es sich um eine klinische Studie Phase II handelte, wurde der neuartige Blutplättchenhemmer bei Niedrig-Risiko Patienten getestet. In dieser Patientengruppe treten generell weniger Herzinfarkte auf“. In einer Phase-III-Studie wolle sie deshalb untersuchen, wie Revacept bei Patienten wirkt, die eine Gefäßerweiterung im Rahmen eines Herzinfarktes erhalten. In dieser Gruppe ist es wahrscheinlicher, einen Effekt von Revacept auf die Herzinfarktrate zu beobachten.

Quelle: DZHK


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