Samstag, 18. August 2018
Navigation öffnen

Patientenbereich

23. Juli 2018 Plan B: Wann muss ich mir über Pflege Gedanken machen?

Die meisten Menschen wollen gern in den eigenen vier Wänden alt werden - selbstständig und auf niemanden angewiesen. Aber nicht jedem ist das vergönnt. Deswegen ist es gut, eine mögliche Pflegebedürftigkeit nicht zu tabuisieren.
Es kann ganz plötzlich passieren: Jemand stürzt, muss ins Krankenhaus und kommt nicht mehr auf die Beine. Dann steht das Wort Pflegebedürftigkeit im Raum. Doch darüber, was in so einem Fall zu tun ist, haben viele vorher noch nie nachgedacht. „Ein Großteil der älteren Menschen geht davon aus, dass sie bis zum Schluss schon irgendwie zurechtkommen werden“, sagt Marion Bär vom Kompetenzzentrum Alter der Universität Heidelberg. Trotzdem lohne es sich, den Gedanken zuzulassen, dass es auch anders kommen kann. „Es geht um einen Plan B.“

Dafür sprechen zum einen die Zahlen, sagt Bär: Die Menschen werden immer älter. Gleichzeitig steigt das Risiko, pflegebedürftig zu werden, ab 80 Jahren deutlich. Zum anderen baut es Ängste ab, wenn man sich mit dem Thema einmal auseinandersetzt und Dinge bis zu Ende denkt. „Ein Beispiel: Ich begleite eine ältere Dame, die lebt noch ganz gut zu Hause und möchte auch, dass das so bleibt. Aber sie hat sich trotzdem schon mal mit mir zusammen ein Pflegeheim ausgesucht.“ Das sei für die Frau eine Beruhigung, sagt Bär. „Denn sie weiß: Wenn was ist, dann komme ich nicht irgendwo hin.“

Aber wann ist der richtige Zeitpunkt, um sich über solche Sachen Gedanken zu machen? Es gibt eine Frage, die sich laut Bär unabhängig vom Alter stellt: Wenn ich mal in meiner Selbstbestimmung eingeschränkt sein sollte - wer soll dann für mich sprechen? Jemand aus der Familie, ein Freund, oder lieber jemand von außen? Einen Unfall kann jeder haben. In einer Betreuungsverfügung lässt sich für so einen Fall jemand benennen, der die eigenen Interessen vertritt. 

„Hat man eine solche Person gefunden, dann sollte man miteinander reden“, rät Bär. Der andere sollte ein Gefühl dafür bekommen, wie man zu bestimmten Dingen steht. Tritt ein Fall ein, den man nicht vorhergesehen hat, sollte der Bevollmächtigte eine Ahnung davon haben, wie man wohl selbst entschieden hätte.

Das Thema Pflegebedürftigkeit taucht dagegen oft auf, wenn jemand anderes betroffen ist - wie die eigenen Eltern. „Das ist ein guter Anlass, sich Gedanken zu machen: Würde ich es auch so haben wollen? Was hätte ich gern anders? Und was kann ich jetzt schon dafür tun?“ 

Älteren Menschen rät die Expertin, das favorisierte Pflegekonzept einmal durchzudenken und durchzurechnen. „Viele Leute sagen zu mir: Wenn es nicht mehr geht, dann hole ich mir halt eine osteuropäische Pflegekraft nach Hause. Aber wenn man sich damit beschäftigt, merkt man häufig, dass das gar nicht so einfach ist.“

Erstens bewegten sich solche Beschäftigungsverhältnisse oft am Rande der Legalität oder seien sogar rechtswidrig. Und bei auch nur halbwegs fairer Bezahlung sei ein solches Arrangement auch nicht billig. „Ich persönlich würde dann lieber in ein gutes Pflegeheim umziehen, auch wenn mich das meine Ersparnisse kostet. Dann bin ich gut versorgt und hocke nicht einsam zu Hause.“

Auch im Gespräch mit Angehörigen sei es hilfreich und entlastend, ein wenig ins Detail zu gehen. Was Bär zum Beispiel immer wieder erlebt: Jemand ist dement und wird von seinem Partner bis weit über dessen Grenzen der Belastbarkeit hinaus gepflegt. „Ich höre dann häufig: Ich will auf keinen Fall, dass mein Angehöriger in ein Pflegeheim muss.“

Bär stelle dann die Frage, ob der andere denn gewollt hätte, dass sich sein Partner komplett aufopfert? „Deswegen ist es gut, wenn man vorher mal über verschiedene Eventualitäten gesprochen hat.“

dpa


Stichwörter

Weitere Beiträge zum Thema

Diabetes – eine unterschätzte Herausforderung in der Pflege

Die stetig steigende Zahl an pflegebedürftigen Menschen mit Diabetes stellt eine wachsende Herausforderung dar. Mit dem Kompaktkurs „Basisqualifikation Diabetes Pflege DDG“ bietet die DDG praktische Hilfe und vermittelt Sicherheit bei der Pflege von Patienten mit Diabetes. Von der DDG qualifizierte Trainer bieten diese Kurse überregional an. Eine Liste der Trainer ist auf der Website abrufbar. Die Trainerteams verfügen sowohl über diabetologisch-ärztliche als auch über Diabetes beratende und pflegerische Qualifikationen. Die Fortbildung für Pflegende umfasst 16 Stunden und kostet 275 Euro. Vermittelt werden vor allem Kompetenzen, um die Pflegeanamnese und die Pflege- bzw. Maßnahmenplanung diabetesbezogen zu erheben bzw. zu gestalten. Zudem geht es darum, Notfälle, Komplikationen und Folgeerkrankungen im Zusammenhang mit einer Diabeteserkrankung zu vermeiden bzw. zu minimieren.

Umgang mit Alzheimer-Patienten: Feste Abläufe helfen Patienten und Angehörigen

Bei der Alzheimer-Krankheit ist bereits in einem frühen Stadium das Kurzzeitgedächtnis betroffen. Deshalb hilft den Patienten das Festhalten an bekannten Handlungsroutinen und Abläufen. Das empfiehlt die gemeinnützige Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) in ihrem kostenlosen Ratgeber „Leben mit der Diagnose Alzheimer“, der unter der Telefonnummer 0211 - 86 20 66 0 oder www.alzheimer-forschung.de/diagnose-alzheimer bestellt werden kann.

Tagebuch hilft Pflegenden beim Erkennen eigener Bedürfnisse

Viele pflegende Angehörige nehmen ihre eigenen Bedürfnisse kaum mehr wahr. Die Sorge um den Angehörigen oder die Angst, der Aufgabe nicht gerecht zu werden, können den Blick auf sich und eigene Wünsche verstellen, erklärt Daniela Sulmann vom Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP). "Als erstes gilt es dann zu versuchen, sich selbst wieder stärker in den Fokus zu nehmen und zu formulieren, was man braucht." Das jedoch sei leichter gesagt als getan. Sulmann empfiehlt Pflegenden daher, ein Tagebuch zu führen.

Das könnte Sie auch interessieren

Orthopäden und Unfallchirurgen setzen sich für aktiven Lebensstil ein

Jedes Jahr verletzen sich 1,25 Millionen Bundesbürger beim Sport so schwer, dass sie ärztlich versorgt werden müssen (1). Überbelastung, hohe Risikobereitschaft und eine mangelnde Vorbereitung auf das Training führen immer wieder zu Unfällen. Gleichzeitig leben in Deutschland viele Millionen Menschen, die sich aufgrund einer Erkrankung nicht mehr schmerzfrei bewegen können. Auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) stellen Experten vom 24. bis 27. Oktober Therapien vor, mit denen sie Beweglichkeit bis ins hohe Alter erhalten und verlorene Beweglichkeit wiederherstellen können. Mit mehr als 10.000 Teilnehmern aus dem In- und Ausland ist der DKOU der größte europäische Kongress dieser Fachrichtung.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Plan B: Wann muss ich mir über Pflege Gedanken machen?"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.