Montag, 22. April 2019
Navigation öffnen

Patientenbereich

02. Mai 2018 Immunologie revolutioniert die Krebstherapie

Die Bekämpfung von Schnupfen-Viren ist eine leichte Übung für unser Immunsystem. Bei Krebs gerät es an seine Grenzen. Immunologen auf der ganzen Welt und auch in Regensburg arbeiten deshalb an innovativen Immuntherapien, die das Immunsystem bei der Zerstörung von Tumoren unterstützen. Der Internationale Tag der Immunologie rückt die Kraft des Immunsystems am 29. April in den Fokus der Öffentlichkeit.
Das körpereigene Abwehrsystem ist unsere stärkste Waffe gegen Krankheiten. Vom Schnupfen bis zum Krebs hat das Immunsystem die Kraft zu heilen. Da scheint es nur logisch, dass die Immunologie, also die Lehre vom Immunsystem, einige der größten medizinischen Durchbrüche unserer Zeit hervorgebracht hat. Dazu gehört das Konzept der Impfung, bei dem das Immunsystem lernt, wie es lebensbedrohliche Krankheitserreger abwehren kann. „Seit einigen Jahren erleben wir in der Krebsforschung einen Durchbruch, der sich in ähnlicher Weise auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirken könnte wie Impfungen“, macht Professor Dr. Philipp Beckhove, Direktor des Regensburger Centrums für Interventionelle Immunologie (RCI), deutlich. So haben Immunologen nach jahrzehntelanger internationaler Forschung Mechanismen gefunden, mit denen das körpereigene Immunsystem bösartige Tumoren erkennen und zerstören kann. „Diese Entdeckungen münden aktuell in der Entwicklung von neuen Immuntherapien gegen Krebs. Damit können erstmals auch weit fortgeschrittene Tumoren erfolgreich behandelt und langfristig kontrolliert werden“, gibt Professor Beckhove einen Einblick in die Möglichkeiten der Immunologie. Da sich Tumoren nicht nur mit einem, sondern mit vielen, zum Teil noch nicht erforschten Mechanismen, vor dem Immunsystem schützen, kann mit der Immuntherapie allerdings bislang erst ein kleiner Teil der Krebsfälle effektiv behandelt werden.

Lange Immunologie-Tradition in Regensburg

In Deutschland gehört Regensburg zu den Leuchttürmen in der Interventionellen Immunologie. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) und des RCI sind bei der Erforschung und Entwicklung neuer Immuntherapieansätze gegen Krebs an vorderster Front beteiligt. Als Einrichtung des RCI ist das José-Carreras-Centrum für Somatische Zelltherapie (JCC) auf die Herstellung von Zelltherapeutika und Arzneimittel für neuartige Therapien spezialisiert. Die Immunologen dieser drei Institutionen konzentrieren sich auf die wirksamsten Immunzellen, die T-Lymphozyten. Diese weißen Blutkörperchen können Tumorzellen erkennen und zerstören, was ihnen den Spitznamen T-Killerzellen beschert.

„Wir wollen T-Lymphozyten durch genetische Manipulationen in die Lage versetzen, Tumorzellen noch besser als bisher zu erkennen“, erläutert Professor Dr. Wolfgang Herr, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des UKR und Sprecher des Sonderforschungsbereichs Transregio 221 zur Immunzelltherapie der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Unter Federführung seiner Klinik startete kürzlich die erste klinische Studie in Deutschland zu einem neuen Ansatz in der Krebsimmuntherapie mit manipulierten T-Zellen.

„Die Immunzelltherapie ermöglicht es uns zukünftig, T-Killerzellen gegen unterschiedliche Tumorerkrankungen gezielt herzustellen, was mit anderen Immuntherapeutika bisher kaum möglich ist“, führt Professor Dr. Matthias Edinger, Leiter des José-Carreras-Centrums für Somatische Zelltherapie, aus. In den hochmodernen Reinräumen des JCC am Universitätsklinikum Regensburg erfolgt die zelluläre Wirkstoffproduktion. In Kooperation mit Biotechnologiefirmen wurden im JCC zuletzt neue Zellsortierungstechnologien entwickelt, die erstmals weltweit die gezielte Isolierung seltener Immunzellsubpopulationen ermöglichen und in ersten klinischen Studien zur Behandlung von Transplantationskomplikationen bereits erfolgreich eingesetzt werden.
 
Professor Dr. Markus Feuerer, Inhaber des Lehrstuhls für Immunologie am Regensburger Centrum für Interventionelle Immunologie (RCI), Professor Dr. Philipp Beckhove, Direktor des RCI, Professor Dr. Wolfgang Herr, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des UKR und Professor Dr. Matthias Edinger, Leiter des José-Carreras-Centrums für Somatische Zelltherapie (nicht im Bild), forschen an neuen Immuntherapieansätzen gegen Krebs. © UKR/Domenica Golka
Professor Dr. Markus Feuerer, Inhaber des Lehrstuhls für Immunologie am Regensburger Centrum für Interventionelle Immunologie (RCI), Professor Dr. Philipp Beckhove, Direktor des RCI, Professor Dr. Wolfgang Herr, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des UKR und Professor Dr. Matthias Edinger, Leiter des José-Carreras-Centrums für Somatische Zelltherapie (nicht im Bild), forschen an neuen Immuntherapieansätzen gegen Krebs. © UKR/Domenica Golka


RCI programmiert körpereigene Zellen gegen den Krebs

Die Erfolge der Regensburger Immunmedizin sollen nun mit Hilfe des Regensburger Centrums für Interventionelle Immunologie systematisch weiter entwickelt und ausgebaut werden. „Am RCI untersuchen wir, über welche Fähigkeiten eine Immunzelle verfügen muss, um Krebszellen effektiv abstoßen zu können, und statten sie dann gezielt damit aus“, erklärt Professor Beckhove. Das RCI bündelt die immunologische Expertise im Bereich Tumorimmunabwehr, Autoimmunität und Transplantationsmedizin und überführt die immunologische Grundlagenforschung in hochmoderne Immuntherapien zur Behandlung von Krebs und immunologischen Abstoßungsreaktionen, die dann im UKR direkt zur klinischen Anwendung kommen. Hierzu konnten international renommierte Wissenschaftler an das RCI rekrutiert werden. Noch in diesem Jahr sollen zwei neue Professuren für genetische und funktionelle Immunzellmanipulation besetzt werden. „Mit der Immuntherapie können wir in Zukunft nicht nur Krebs effektiv bekämpfen, sondern werden auch dazu in der Lage sein, unerwünschte Immunreaktionen, wie Autoimmunkrankheiten zu behandeln“ skizziert Professor Dr. Markus Feuerer, Inhaber des Lehrstuhls für Immunologie am RCI, seine Vision für die immunmedizinische Krankenversorgung.

Regensburg wird Immunologie-Forschungsstandort von internationaler Bedeutung

Die bayerische Staatsregierung unterstützt den ambitionierten Weg der Regensburger Immunmedizin nicht nur durch ein neues Institutsgebäude für das RCI am Universitätsklinikum Regensburg, dessen Richtfest im März dieses Jahres gefeiert wurde, sondern auch durch die Zusage des neuen bayerischen Ministerpräsidenten, das RCI in ein außeruniversitäres Forschungsinstitut umzuwandeln und mittelfristig in die Leibniz-Gemeinschaft zu überführen. „Dies gibt uns die nötigen Ressourcen und langfristige Sicherheit, um das RCI zu einem Forschungszentrum von internationaler Bedeutung auszubauen“, freut sich Professor Beckhove.
 

Universitätsklinikum Regensburg


Weitere Beiträge zum Thema

Wie ändert sich die Wahrnehmung im Alter?

Wie ändert sich die Wahrnehmung im Alter?
© Universitätsklinikum Jena / fotolia.com

Im Gedächtniszentrum am Universitätsklinikum Jena untersuchen und behandeln Ärzte, Neuropsychologen und Ergotherapeuten Patienten mit dem Verdacht einer beginnenden Demenzerkrankung. Sie erforschen, wie sich Wahrnehmung und Aufmerksamkeit im Alter verändern und worin sich diese Veränderungen beim gesunden Altern und der beginnenden Demenz unterscheiden. Ihr Ziel ist die frühzeitige Identifikation von Patienten mit einem erhöhten Risiko für eine Demenz, um deren Entwicklung bestmöglich entgegen wirken zu können.

Wenn Verwandte von Krankheitserregern Gutes tun

Wenn Verwandte von Krankheitserregern Gutes tun
© science photo / fotolia.com

Es gibt Bakterien, die Wasserstoff und Naturstoffe produzieren, was sowohl für die Umwelt als auch für die Medizin wichtig ist. In Jena hat ein Forschungsteam nun die Fähigkeit zur Wasserstoff- und Naturstoffproduktion in einer Gruppe von Bakterien nachgewiesen, die bis dahin eher als Krankheitserreger bekannt waren. In Gemeinschaft mit einem methanproduzierenden Bakterium konnten diese Bakterien Milchsäure zu Methan umwandeln.

Rauchstopp lohnt sich – trotz zusätzlicher Kilos auf der Waage

Rauchstopp lohnt sich – trotz zusätzlicher Kilos auf der Waage
© Oleg / fotolia.com

Wer darüber nachdenkt, mit dem Rauchen aufzuhören, sollte sich von einer möglichen Gewichtszunahme nicht abhalten lassen. Denn obwohl auch Übergewicht mit Gesundheitsrisiken verbunden ist, überwiegt der gesundheitliche Nutzen durch einen Nikotinverzicht noch immer deutlich. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen US-Studie, die kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ erschienen ist. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) nimmt den Forschungsbericht zum Anlass, einmal mehr auf die...

Arzneimittelbehörden rufen weltweit zur verstärkten Meldung von Nebenwirkungen auf

Arzneimittelbehörden rufen weltweit zur verstärkten Meldung von Nebenwirkungen auf
© nmann77 / fotolia.com

In einer gemeinsamen Kampagne fordern derzeit Arzneimittelbehörden weltweit Patientinnen und Patienten dazu auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. Ein besonderer Fokus liegt in diesem Jahr auf dem Appell, Verdachtsfälle von Nebenwirkungen bei Kindern zu melden. Weitere Zielgruppen sind Schwangere sowie stillende Frauen, die eine sichere Anwendung von Arzneimitteln sowie die Meldung möglicher Nebenwirkungen sensibilisiert werden sollen. In Deutschland werden diese Meldungen durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte...

Was Eltern über Zöliakie wissen sollten

Was Eltern über Zöliakie wissen sollten
© J.Mühlbauer exclus. / fotolia.com

„Zöliakie?? Keine Angst!“, heißt es auf einem Informations-Portal, das seit Kurzem online kostenlos zur Verfügung steht. Der von der Stiftung Kindergesundheit gemeinsam mit dem Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München erarbeitete Online-Kurs www.zoeliakie-verstehen.de bildet den maßgeblichen Teil des EU-Projekts Focus IN CD (Fokus auf Zöliakie). Das Lernprogramm soll Betroffenen aktuelles und umfassendes Wissen zu Zöliakie bieten und medizinisches „Fachchinesich“ anschaulich erklären. Ein weiterer Kurs für...

5 Tipps für ein Leben mit Diabetes

5 Tipps für ein Leben mit Diabetes
© pikselstock / fotolia.com

Laut der Deutschen Diabetes-Hilfe erkranken jeden Tag rund 1.000 Menschen in Deutschland neu an Diabetes. Mediziner unterscheiden dabei je nach Ursache zwischen zwei Typen. Sowohl der Typ 1 als auch der Typ 2 äußern sich in einem chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel aufgrund von Insulinresistenz oder -mangel. Dadurch staut sich Zucker in den Blutgefäßen an. Bleibt eine Diabeteserkrankung unentdeckt, führt dies zur Schädigung der Blutgefäße und anderer Organe. Damit Betroffene trotz Erkrankung ihr Leben genießen können, gilt es...

Das könnte Sie auch interessieren

Handhygiene stärken – Krankenhausinfektionen vermeiden

Handhygiene stärken – Krankenhausinfektionen vermeiden
© Picture-Factory / fotolia.com

Es ist die denkbar einfachste Hygienemaßnahme der Welt: das Händewaschen. Vielleicht wird seine Effizienz gerade deshalb oft unterschätzt. Anlässlich des Internationalen Tages der Händehygiene, den die WHO am 5. Mai begeht, erinnert die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) daran, dass eine sorgsame Händehygiene das mit Abstand wichtigste und effektivste Mittel ist, um die Übertragung und Ausbreitung von Infektionen zu begrenzen. Dies gilt nicht nur im Alltag, sondern gerade auch in Kliniken und Gesundheitseinrichtungen. Anstatt ineffiziente...

Es ist mehr als nur eine Ausrede: Migräne am Arbeitsplatz

Es ist mehr als nur eine Ausrede: Migräne am Arbeitsplatz
© deagreez / fotolia.com

Mit starken Kopfschmerzen, Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit zur Arbeit? Für viele Migränepatienten ist das Alltag. Ein Großteil der 900.000 an Migräne leidenden Deutschen schleppt sich trotz starker Schmerzen zur Arbeit – aus Angst einen schlechten Eindruck bei Arbeitskollegen und Vorgesetzten zu hinterlassen. Denn wer über Kopfschmerzen klagt, trifft immer noch auf Vorurteile. Nicht selten wird Migräne belächelt und als Ausrede abgetan. Zum Tag der Arbeit berichten Migränepatienten und Nutzer der Kopfschmerz- und...

Verbraucherschutz: Blei und Cadmium in Modeschmuck, Pestizide in Kräutern

Verbraucherschutz: Blei und Cadmium in Modeschmuck, Pestizide in Kräutern
© Alexander Raths / Fotolia.com

Erneut gerieten preiswerte Modeschmuckartikel ins Visier der Überwachungsbehörden. Nachdem das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im vergangenen Jahr auf die erhöhten Nickelgehalte in den untersuchten Proben hingewiesen hatte, kritisierte das Bundesamt die Funde von Blei und Cadmium oberhalb der geltenden Grenzwerte. BVL-Präsident Helmut Tschiersky stellte dazu fest: „Die Hersteller und Importeure von Modeschmuck müssen eindeutig mehr tun, um Gesundheitsrisiken zu vermeiden.“ Nach mehreren Einzelfunden von preiswertem...

Rolle der Selbstmotivation bei schweren Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD

Rolle der Selbstmotivation bei schweren Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Neben den oft schweren körperlichen Einschränkungen leiden Patienten mit einer chronischen Lungenerkrankung häufig auch an starken seelischen und psychischen Belastungen. Die Angst vor Atemnot, vor dem Fortschreiten der Krankheit oder vor sozialer Ausgrenzung kann auf Dauer Mutlosigkeit und Depressionen nach sich ziehen. Ein Teil der Therapie kann daher auch die Behandlung psychischer Belastungen sein sowie das Erlernen von Ansätzen, sich in schwierigen Zeiten selbst zu motivieren.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Immunologie revolutioniert die Krebstherapie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.