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Praxismanagement

05. März 2019 Arzneimitteltherapie: Mehr Sicherheit durch bundeseinheitlichen Medikationsplan

Die Aktualisierung des bundeseinheitlichen Medikationsplans stellt Hausärzte vor neue Herausforderungen. Forscher an der Universität Leipzig haben dies erkannt und stellen die ersten Prototypen als passende Lösung bereit. Demnach ist es möglich, Medikationsinformationen aus verschiedenen unstrukturierten Dokumenten (z.B. Arztbriefen, Entlassbriefen, Pflegedokumentation) per Scan maschinell in den bundeseinheitlichen Medikationsplan zu transformieren. Damit werden sowohl personelle Aufwände verringert als auch Fehler bei der Übertragung vermieden.
Wie kann die Vollständigkeit eines Medikationsplanes über Sektorengrenzen hinweg gewährleistet werden? „Antworten darauf geben wir mit den Ergebnissen aus unserem Projekt AMME“, sagt Abteilungsdirektor Dr. Kyrill Meyer vom InfAI und ergänzt: „Indem unstrukturierte Medikationsinformationen maschinell erkannt, bearbeitet und zum Medikationsplan hinzugefügt werden.“

Mehr Sicherheit in der Arzneimitteltherapie

Der Bundeseinheitliche Medikationsplan (BMP) soll für eine bessere Übersicht und mehr Sicherheit in der Arzneimitteltherapie aller Patienten sorgen, die mindestens 3 verordnete Medikamente gleichzeitig einnehmen. Fachärzte, Kliniken und auch Apotheken haben neben dem Hausarzt die Möglichkeit den Medikationsplan zu aktualisieren. Der 2D-Barcode, der Bestandteil des Medikationsplanes ist, ermöglicht die Übermittlung der Medikationsinformationen zwischen Patient, Ärzten und Apothekern. Dabei werden die codierten Informationen vom gedruckten Dokument ausgelesen und an deren EDV-Systeme übergeben, ohne dass Daten zentral gespeichert werden. Hausärzte werden für den Aufwand in Verbindung mit der Erstellung und Aktualisierung des BMP nach der Gebührenordnung (EBM 01630) vergütet.

Große Herausforderung für den Hausarzt

In der Praxis aber stehen gerade Hausärzte vor großen Herausforderungen in der Umsetzung dieser neuen Regelung angesichts der hohen Komplexität, des Zeitdrucks und der steigenden Qualitätsansprüche. Um Arzneimitteltherapiesicherheit zu gewährleisten muss der BMP lückenlos geführt werden. Dafür müssen sowohl bestehende Medikationspläne in den BMP umgewandelt als auch Medikationen aus anderen Formaten / Systemen integriert werden. Dies betrifft in der Praxis u.a. Befundberichte, Entlass- oder Überleitungsdokumente. Für diese Prozesse gibt es bisher keine IT-Unterstützung. Die Informationen werden vorwiegend vom Praxispersonal per Hand eingegeben. Einerseits erzeugt dies einen unverhältnismäßig hohen Zeitaufwand, andererseits birgt es das Risiko von Übertragungsfehlern und Informationslücken. Dadurch entstehende fehlerhafte oder nicht vollständige Medikationspläne können die Patientensicherheit massiv gefährden.

Forschungsprojekt AMME

Das Forschungsprojekt AMME widmet sich der Schnittstellen-übergreifenden Kommunikation, um auf diese Weise bestehende Informationslücken zu schließen und durch die Vereinfachung der Prozesse „Starthilfe“ für den BMP in der Hausarztpraxis zu geben. Wenn ein Dokument, wie z.B. ein Befundbericht, eine Medikation enthält, die zum patientenbezogenen Medikationsplan hinzugefügt werden soll, dann kann hierfür der in der Praxis bereits vorhandene handelsübliche Dokumenten-Scanner genutzt werden. Die AMME-Anwendung wird unabhängig vom Arztinformationssystem gestartet und liest das Bild vom Scanner ein. Das medizinische Personal markiert den Medikationsbereich, der AMME Dienst erkennt Medikationen und gleicht diese mit aktuellen Medikationsdatenbanken ab.

Beschleunigung der Praxisabläufe

Im Anschluss können diese Informationen bearbeitet und zur Aktualisierung eines vorhandenen Medikationsplans genutzt werden kann. Mit Fertigstellung des aktualisierten Planes kann dieser als bundeseinheitlicher Medikationsplan (BMP) ausgedruckt, im Praxisverwaltungssystem gespeichert bzw. per App weiterverarbeitet werden. Auf diese Weise lassen sich Dokumente wie Arztbriefe, Entlassbriefe, etc. mit Medikationsinformationen in den BMP überführen. Die Arzneimittel-Therapiesicherheit kann so nachhaltig verbessert und investierte Zeit innerhalb der Praxisabläufe langfristig reduziert werden.

Technischer Hintergrund

Die Anwendung wurde in Form von Webdiensten konzipiert, so dass auf dem jeweiligen System keine aufwendigen Installationen notwendig sind. Aufgrund der Zustandslosigkeit und einer starken Verschlüsselung des Kommunikationskanales entsprechen die Dienste den hohen Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit. Die AMME-Webdienste basieren auf dem FHIR-Standard (Fast Healthcare Interoperability Resources), welcher dem Datenaustausch zwischen Softwaresystemen im Gesundheitswesen dient. Die Überführung des FHIR-basierten patientenbezogenen Medikationsplanes in Clinical Document Architecture (CDA), FHIR Basis-Profil und Ultrakurzformat ist ebenso Bestandteil des Projektes. Das Ultrakurzformat repräsentiert alle Informationen des 2D-Barcodes im gedruckten bundeseinheitlichen Medikationsplan oder zukünftig die auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) speicherbaren Medikationsinformationen. Für Mobile Apps steht das vollwertige FHIR Basis-Format und für klinische Informationssysteme das CDA-Format zur Verfügung. Auf diese Weise werden unter Nutzung moderner Texterkennungsverfahren so auch Medikationen direkt in die existierenden Arzt- und Klinikinformationssysteme übernommen, die nicht direkt in einem standardkonformen Format vorliegen.

Quelle: Institut für Angewandte Informatik (InfAI) e.V.


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