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Praxismanagement

20. Februar 2019 Patientengefährdung: Therapie-Algorithmen ohne ärztliche Konsultation

Digitale Anwendungen, wie die elektronische Patientenakte oder den eMedikationsplan, hält Professor Josef Hecken für wichtig. Der unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) ist aber ausgesprochen skeptisch bei Hilfsmitteln, „die die Gefahr in sich bergen, sich als Instrument vom Arzt zu verselbstständigen“.
Viele Nutzer von Apps und modernen Medizinprodukten sind über deren Möglichkeiten schlicht entzückt. Der Chef des G-BA nennt aber auch Risiken.

Entscheidungen ohne Arzt

Hilfsmittel, die Diagnosestellung und Therapie­überwachung erleichtern, sowie helfen, die Adhärenz des Patienten zu verbessern, seien ein Segen. Sie würden aber zur Gefahr, wenn sie ärztliche Verantwortung aushebelten, d.h. „wenn sie Entscheidungen treffen können ohne den Arzt.“ Angesichts selbstlernender Algorithmen und der Unklarheit, welcher medizinische Standard den Entscheidungen zugrunde liegt, sei ihm die Bedrohlichkeit der Situation klar geworden, so Prof. Hecken.

Keine verlässliche Therapientscheidung

Er verwies auf die vom G-BA 2016 als Kassenleistung freigegebene Blutzuckermessung mit Real-Time-Messgeräten (rtCMG). Zweieinhalb Jahre zuvor sei geprüft worden, ob der Sensor den Blutzuckerspiegel genauso gut bestimmen könne wie klassische Technik. „Dennoch gibt es aus unserer Kenntnis bisher kein rtCMG, welches aufgrund seiner Messergebnisse eine verlässliche therapeutische Entscheidung zur Gabe von Insulin zusichert“, sagte Prof. Hecken.

In den Bedienungsanleitungen der Geräte fände sich stattdessen der klare Hinweis, dass ärztliche Entscheidungen nicht auf der Basis dieser Technik getroffen werden dürften, sondern nur aufgrund der herkömmlichen Blutzuckermessung. Das bedeute, so der G-BA-Chef, dass rechtlich betrachtet die Verantwortung entweder beim Arzt bleibt oder beim Patienten.

Verantwortlichkeit

Wie der Jurist weiter erklärte, trägt ein Arzt für verordnete und nicht in seinen Praxisräumen genutzte technische Hilfsmittel keine Überwachungsverantwortung. Auch die Verordnung eines CGM-Geräts, welches selbsttätig aufgrund der Messergebnisse den Insulinspiegel steuert, würde nicht notwendigerweise gegen § 15 Abs. 1 SGB V (ärztliche Behandlung) verstoßen. Allerdings müssten auch solche Geräte aufgrund ihrer Zertifizierung als Medizinprodukt für die selbstständige Dosierung geprüft sein. Bei einer erheblichen Abweichung zur bereits anerkannten kontinuierlichen Glukosemessung sei bei einer solchen Variante des CGM sogar eine neue Methode nach § 135 Abs. 1 Satz 1 SGB V anzunehmen.

Quelle: In Kooperation mit der Medical Tribune Deutschland


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