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01. September 2019
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Fachinformation


Eisenmangel und Schwangerschaft

Eisenmangel während einer Schwangerschaft betrifft fast die Hälfte der schwangeren Frauen. Nach WHO ist eine Schwangerschaftsanämie definiert als Hb < 11 g/dl im ersten und dritten Trimenon sowie Hb < 10,5 g/dl im zweiten Trimenon während der Schwangerschaft (4). Der physiologische Abfall des Hämoglobins ist durch eine Vermehrung des Plasmavolumens begründet. Während der Schwangerschaft wird vermehrt Eisen benötigt, um den Bedarf des heranwachsenden Fötus und der Plazenta zu decken, zusätzliche Erythrozyten zu produzieren sowie den Blutverlust während der Geburt auszugleichen. Um eine adäquate Eisenversorgung für die Dauer der Schwangerschaft sicherzustellen, sollten die Eisenspeicher bereits zuvor ausreichend gefüllt sein. Angestrebt wird daher ein Ferritinwert zu Beginn einer Schwangerschaft um 60 ug/l (1). Eine Anämie ist, abhängig vom Schweregrad, ein bedeutender Risikofaktor für mütterliche und fetale Morbidität, da sie einerseits zu Frühgeburtlichkeit und Wachstumsretardierung des Fetus und andererseits zu kardiovaskulärer Beeinträchtigung und erhöhter Infektionsrate der Mutter führen kann (7). Während der Schwangerschaft sollten regelmäßig Kontrollen des Hb-Werts und des Ferritins erfolgen. Im Falle eines primär zu niedrigen bzw. im Verlauf fallenden Ferritinwerts (spätestens bei Ferritin < 30 ug/l) wird eine orale Eisensubstitution empfohlen, um einer Eisenmangelanämie vorzubeugen. Zunächst ist eine Dosis von 50 mg eines oralen Eisenpräparats ausreichend, wobei die Dosis jedoch im Verlauf nach Bedarf angepasst und auf bis zu 200 mg/Tag gesteigert werden kann (5, 6).
Bei Unverträglichkeit einer oralen Eisensubsitution, mangelnder Compliance oder ausgeprägter Anämie kann nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko ab dem zweiten Trimenon eine intravenöse Eisensubstitution durchgeführt werden. Im ersten Trimenon ist eine intravenöse Eisensubstitution aufgrund von präklinischen Studien mit Hinweisen auf Skelettanomalien im Tierversuch kontraindiziert (8).

Bei einer Eisenmangelanämie mit einer Hämoglobinkonzentration < 6 g/dl ist aufgrund des signifikant schlechteren Outcomes eine Transfusion von Erythrozytenkonzentraten zu erwägen (1).

Zusammenfassung und Ausblick

Eine Eisenmangelanämie tritt in ihren verschiedenen Konstellationen häufig auf und kann anhand der beschriebenen Laborparameter i.d.R. gut diagnostiziert und differenzialdiagnostisch abgegrenzt werden. Fortschritte in der Methodik haben eine Knochenmarkpunktion zur Abklärung weitgehend überflüssig gemacht. Nach sorgfältiger Anamnese und Labordiagnostik können die Patienten mit Eisenmangel einer optimalen Substitution zugeführt werden. Mit den Präparaten für die orale und parenterale Eisensubstitution ist die Behandlung des Eisenmangels verträglich, sicher und effizient. Moderne Messparameter wie die Bestimmung von Hepcidin haben zukünftig das Potential, gerade bei Patienten mit Komorbiditäten und bei schwierigen Konstellationen die Diagnostik weiter zu vereinfachen und zu untermauern.


 
Dr. med. Catarina Stosiek
 
Onkologische Schwerpunktpraxis Dres. med. Kröber/Stosiek
Hildegard-von-Bingen-Str.1
93053 Regensburg
 
Telefon: 0941 2060 3040
E-Mail: c.stosiek@die-onkologen.de

Literatur:

(1) Hastka J et al. Eisenmangel und Eisenmangelanämie, Deutsche Leitlinie, Onkopedia, 2018; 1-30.
(2) McLean E, Cogswell M, Egli I et al.: Worlwide prevalence of anaemia, WHO Vitamin and Mineral Nutrition Information System, 1993-2005. Publik Health Nr 12: 444-454, 2009.
(3) Jimenez KM, Gasche C. Management of iron deficiency anaemia in inflammatory bowel disease, Acta Haematol 2019; 142: 30-36.
(4) World health Organization. Iron Deficiency Anaemia: Assessment, Prevention and Control: A Guide for Programme Managers. Geneva, Switzerland: WHO; 2001.
(5) Achebe Maureen M, Gafter-Gvili A. How I treat anemia in pregnancy: iron, cobalamin, and folate, Blood 2017; 129 (8): 940-949.
(6) Milman N, Bergholt T, Eriksen L et al.: Iron prophylaxis during pregnancy - how much iron is needed? A randomized dose- response study of 20-80 mg ferrous iron daily in pregnant women. Acta Obstet Gynecol Scand 2005; 84: 238-247.
(7) Brabin L, Brabin BJ, Gies S. Influence of iron status on risk of maternal or neonatal infection an on neonatal mortality with an emphasis on developing countries. Nur Rev 2013; 71: 528-540.
(8) New recommendations to manage risk of allergic reaction with intravenous iron-containing medicines. Vol. EMA/377372/2013.
(9) Johnson-Wembley TD, Graham DY. Diagnosis and management of iron deficiency anemia in the 21st century. Ther Adv Gastroenterol 2011; 4 (3): 177-184.
(10) Qunibi WY. The efficacy and safety of current intravenous iron preparations for the management of iron-deficiency anaemia: a review. Arzneimittelforschung 2010; 60 (6a): 399-412.
(11) Wick, Pingerra, Lehmann: Eisenstoffwechsel, Anämien, Diagnostik und Therapie, 5. Auflage 1999; Springer-Verlag.
(12) Weiss G. Eisentherapie, ÖÄZ 2016; 13/14: 18-23.

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