Mittwoch, 14. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Breezhaler
Breezhaler
SchwerpunktApril 2019
01. April 2019
Seite 2/3

Anzeige:
OFEV
OFEV


3. Ernährungstherapie

Ziel aller ernährungstherapeutischer Interventionen ist die Optimierung der Nährstoffzufuhr unter Berücksichtigung der metabolischen Besonderheiten sowie Aufbau und Erhalt der Muskelmasse (Abb. 7).
 
Abb. 7: Ernährungstherapeutisches Ziel – Aufbau und Erhalt der Muskelmasse.
Abb. 7: Ernährungstherapeutisches Ziel – Aufbau und Erhalt der Muskelmasse.


Metabolische Besonderheiten

Glucosestoffwechsel: Schon im frühen Stadium der Tumorerkrankung kommt es zu einer Insulinresistenz und gleichzeitig erniedrigter Glucoseoxidation. Auch die Glycogensynthesekapazität ist eingeschränkt (6,14).

Fettstoffwechsel: Im Gegensatz zur Glucose wird Fett als Energieträger vor allem von der Muskulatur verstärkt oxidiert. Die Lipolyse ist im Vergleich zu Gesunden vor allem bei mangelernährten Tumorpatienten erhöht (14).

Aminosäurenstoffwechsel: Parallel zu einem gesteigerten Muskelabbau ist eine gesteigerte Synthese an Akut-Phase-Proteinen zu beobachten. Diese Abbau- und Umbauprozesse erhöhen den Proteinbedarf (14).

Aus diesen metabolischen Veränderungen – schlechtere Verwertung der Glucose, bessere Verwertung der Fette, erhöhter Proteinbedarf – leiten sich die in Abbildung 8 und 9 dargestellten Ernährungsempfehlungen ab. Der Energiebedarf onkologischer Patienten unterscheidet sich nicht grundsätzlich von Gesunden. Auch wenn bei kachektischer Stoffwechsellage der Ruheenergieumsatz erhöht ist, ist der Gesamtenergieumsatz aufgrund der häufig reduzierten körperlichen Aktivität vergleichbar mit Gesunden. Ist die Messung des Ruheenergiebedarfs anhand der indirekten Kaloriemetrie nicht möglich, wird der Gesamtenergiebedarf für mobile Patienten mit 30 kcal/kg KG bzw. 25 kcal/kg KG bei bettlägerigen Patienten geschätzt. Bezugsgröße ist das Ist-Gewicht, bei adipösen Patienten das Normalgewicht. Die genannten Schätzwerte können jedoch nur als Orientierung dienen, der Bedarf des einzelnen Patienten kann in Abhängigkeit von Nährstoffverlusten (z.B. Diarrhoe, hoher Stoma-Output), körperlicher Aktivität, der metabolischen Situation sowie der onkologischen Therapie deutlich höher liegen.

Orale Optimierung

Der 1. Schritt der Ernährungstherapie besteht in der Optimierung der Nahrungsaufnahme über eine Umstellung der Ernährung auf eine metabolisch adaptierte Kost und Einführung von Zwischenmahlzeiten. Für die meisten Patienten sind diese Umstellungen nur in mehreren Etappen möglich. Daher ist ein einmaliges Beratungsgespräch i.d.R. nicht ausreichend, um positive Erfolge zu erzielen. Hierbei sollten Vorlieben und Aversionen Berücksichtigung finden. Zur Deckung des Energiebedarfs ist eine Anreicherung der Speisen mit fettreichen Lebensmitteln sinnvoll. Da viele Patienten nur kleinere Portionen tolerieren, ist zur Deckung des Nährstoffbedarfs die Erhöhung der Mahlzeitenfrequenz auf ≥ 5-6/d erforderlich. Der erhöhte Proteinbedarf kann nur unter Einbeziehung proteinhaltiger Lebensmittel zu den Zwischenmahlzeiten gedeckt werden (s. Kasten). Ballaststoffreiche Getreideprodukte wie feingemahlenes Vollkornbrot, Haferflocken sowie Obst und Gemüse sind gemäß den Empfehlungen des World Cancer Research Fund integraler Bestandteil der metabolisch adaptierten Kost (16). Sie dienen nicht nur als Ballaststoffquelle und zur Deckung des Bedarfs an essentiellen Nährstoffen, sondern werden auch wegen ihres hohen Gehalts an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen empfohlen, deren tumorwachstumshemmende bzw. präventive  Wirkung in zahlreichen experimentellen und epidemiologischen Studien gezeigt wurde (17).

 
Orale Optimierung – Metabolisch adaptierte Ernährung
1.  Fettreiche Lebensmittel:      
  • Butter, Kokosfett, Rapsöl, Olivenöl
  • Sahne, Schmand, Mascarpone
  • Vollmilch, Vollmilchjoghurt, Sahnejoghurt, griechischer Joghurt
  • Käse, Quark mit hohem Fettgehalt
  • Fische mit hohem Fettgehalt
  •  Streichwurst
  • Nüsse, Nussmus,
  • Oliven, Avocado
2.  Proteinreiche Lebensmittel:
  • Käse, Frischkäse, Quark, Hüttenkäse
  • Milch, Milchprodukte (Joghurt, Buttermilch, Dickmilch)
  •  Ei
  •  Fisch, Meeresfrüchte, Fleisch
  • Sojaprodukte, Hülsenfrüchte
3. Gemüse, Obst:
  • mehrmals täglich (5-a-day)
  • abwechslungsreich
4.  Mehrere Mahlzeiten
  • Zwischenmahlzeiten
  • Spätmahlzeit
  • Nahrungsaufnahme auch nachts


Bei reduzierter Nahrungsaufnahme muss man von einem Defizit an essenziellen Nährstoffen (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente), vor allem bei einer Energiezufuhr < 1.500 kcal/d, ausgehen. Eine Substitution dieser Nährstoffe in einer Dosierung gemäß den Empfehlungen der Fachgesellschaften (D-A-CH-Empfehlungen) ist durchaus indiziert. Höhere Dosierungen sollten nur zum Ausgleich eines laborchemisch nachgewiesenen Mangels appliziert werden, von einer Empfehlung hochdosierter Antioxidantien (z.B. Vitamin C, E, Selen) zur Chemo- oder Radiotherapie wird aufgrund möglicher Interaktionen und negativen Beeinflussung der onkologischen Therapie abgeraten (6).
 
Abb. 8: Proteinreiche und fettreiche Ernährung.
Abb. 8: Proteinreiche und fettreiche Ernährung.
 

Anzeige:
FIASP
 

Das könnte Sie auch interessieren

10 Fakten über Psychotherapie

10 Fakten über Psychotherapie
© hollandog / fotolia.com

Psychotherapie ist ein effektiver und sinnvoller Weg aus Krisen und Problemen. Wäre da nicht das Imageproblem. Um dieser Stigmatisierung entgegenzuwirken, wurde mit dem 5. Februar der Tag des Psychotherapeuten ausgerufen. Ein wichtiger Jahrestag, der zur Aufklärung von Missverständnissen beiträgt und das Bewusstsein für die lebenswichtige Arbeit schärft, die von Therapeuten täglich geleistet wird. Dr. Anabel Ternès ist Gründerin der digitalen Service-Plattform Psychologio, die Betroffenen einen vereinfachten Zugang zu einer...

Coronavirus: Die Angst geht um

Coronavirus: Die Angst geht um
© dottedyeti - stock.adobe.com

Das Coronavirus hält die Welt seit Wochen in Atem. Drastische Maßnahmen werden in China, aber zum Beispiel auch in Deutschland ergriffen, um die Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit zu verhindern. Auch wenn das Kern-Infektionsgebiet Wuhan rund 8.300 Kilometer Luftlinie von Deutschland entfernt liegt: Bei vielen Menschen weckt das Ängste. So sind in hiesigen Apotheken beispielsweise vereinzelt Mund- und Atemschutzmasken ausverkauft. Michael Falkenstein, Experte für Psychologie von der KKH Kaufmännische Krankenkasse, erklärt, woher solche Ängste kommen...

Migräne: Attacken durch falsches Essen?

Migräne: Attacken durch falsches Essen?
Daniel Vincek / Fotolia.com

Essen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme. Frisch zubereitet und in Ruhe genossen, können Mahlzeiten einen wichtigen Beitrag zu unserem Wohlbefinden leisten. In der Hektik des Alltags sieht die Realität jedoch meist so aus: Zum Frühstück gibt es nur Kaffee, mittags sorgt die Currywurst oder der Schokoriegel für schnelle Energie. Regelmäßige Mahlzeiten sind aber insbesondere für Migränepatienten wichtig: Sie können helfen, die Anzahl der Attacken zu reduzieren.

Migräne: Wenn extreme Hitze zu Kopfschmerzen führt

Migräne: Wenn extreme Hitze zu Kopfschmerzen führt
© kuznetsov_konsta / Fotolia.com

Das Wetter in Deutschland wird immer wärmer und für viele erfüllt sich der langersehnte Traum vom „richtigen Sommer“. Heiße Tage und laue Nächte erfreuen aber nicht alle. Während die einen glücklich im Café sitzen und die Sonnenstrahlen in sich aufsaugen, ist bei Migräne-Betroffenen die Freude oft gedämpft. Ein starker Temperaturwechsel kann bedeuten, dass sich innerhalb kürzester Zeit ein Pochen und Ziehen in der Schläfengegend meldet und die nächste Migräneattacke ankündigt. Gutes Trigger-Management...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Ernährungstherapeutische Maßnahmen bei Tumorkachexie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Kabinett beschließt Bundes-Notbremse: Nächtliche Ausgangssperren und geschlossene Läden
  • Kabinett beschließt Bundes-Notbremse: Nächtliche Ausgangssperren und geschlossene Läden