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SchwerpunktMärz 2012

01. März 2012
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Chemo-
therapeutikum
Indikation Applikation Dosierung Bemerkungen
Aciclovir Neonatale Varizellen,
Varizellen bei Frühgeborenen
in ersten 6 Wochen,
Varizellen bei Abwehrgeschwächten,
Zoster insbes. bei
Immunsuppression, alle
VZV-Komplikationen
intravenös Erwachsene: 3x tgl. 10 mg/kg KG
Kinder: 3x tgl. 10 (-15) mg/kg KG
(max. 2500 mg/Tag)
Beginn so früh wie möglich,
Dauer: 7-10 Tage je nach
Schwere der Erkrankung,
keine Salizylate, Dosisanpassung/
Nierenfunktionsüberwachung bei
Nierenfunktionsstörungen u.
Gabe von Ciclosporin oder Tacrolimus,
Reduktion der renalen Ausscheidung
durch Probenecid u. Cimetidin
Zoster und Varizellen
bei Risikopatienten
oral Erwachsene: 5x tgl. 800 mg
Kinder u. Jugendliche:
5x tgl. 15 mg/kg KG
(max. 4000 mg/Tag)
Beginn möglichst innerhalb
von 24 Std. nach Krankheitsbeginn,
Dauer: 5-10 Tage
Valaciclovir
(Prodrug von Aciclovir)
Zoster oral Immunkompetente Erwachsene:
3x tgl. 1000 mg
Beginn so früh wie möglich,
Dauer: 7 Tage, nur für
Patienten >18 Jahre,
Vorsicht bei Patienten mit
schlechter Leber- und Nierenfunktion
 
Tab. 2: Antivirale Therapeutika gegen VZV.
Chemo-
therapeutikum
Indikation Applikation Dosierung Bemerkungen
Famciclovir
(Prodrug von
Pencilovir)
Zoster oral Immunkompetente Erwachsene:
3x tgl. 250 mg

Immunsupprimierte Erwachsene
o. Zoster ophthalmicus:
3x tgl. 500 mg

Immunkompetente Kinder u.
Jugendliche:
3x tgl. 125-250 mg

Immundefiziente Jugendliche o.
Zoster ophthalmicus:
3x tgl. 500 mg
Dauer: 7 Tage,
Immunsupprimierte: 10 Tage,
Dosisanpassung/ Nierenfunktionsüberwachung
bei Nierenfunktionsstörungen, für
Kinder u. Jugendliche nicht
zugelassen (Abwägung des Nutzen/
Risiko-Verhältnisses und
Aufklärung wie unter
Studienbedingungen)
Brivudin Zoster oral Immunkompetente Erwachsene:
1x tgl. 125 mg

Kinder u. Jugendliche:
1x tgl. 2 mg/kg KG
(max. 1x 125 mg/Tag)
Beginn so früh wie möglich,
Dauer: 7 Tage, keine gleichzeitige
Gabe von 5-Fluorouracil u.a.
5-Fluoropyrimidinen (Mindestabstand 4 Wochen),
für Kinder u. Jugendliche nicht
zugelassen (Abwägung des Nutzen/
Risiko-Verhältnisses und Aufklärung wie
unter Studienbedingungen)
Foscarnet Infektionen durch
Thymidin-kinase-negative VZV-Stämme
intravenös 3x tgl. 40-60 mg/kg KG Dauer: 10 (max. 20) Tage,
Kurzinfusion von 1-stündiger
Dauer in mindestens 500 ml
Kochsalzlösung, Einschränkungen
bei Nirenfunktionstörungen beachten



Der Erfolg einer antiviralen Therapie wird anhand klinischer Parameter beurteilt. Ist innerhalb von 10 (bis 21) Tagen kein Ansprechen zu verzeichnen, kann von einer klinischen Resistenz ausgegangen werden. Dies sollte Anlass dazu sein, die Diagnose zu überprüfen und eine Resistenztestung zu versuchen. Aciclovir-resistente klinische VZV-Stämme wurden jedoch bislang nur selten in der Literatur beschrieben und haben lediglich für immunsupprimierte Patienten eine klinische Relevanz (18). Im Falle einer Aciclovir-Resistenz steht das Pyrophosphatanalogon Foscarnet alternativ zur Verfügung. Diese intravenös zu applizierende Substanz muss nicht metabolisiert werden und hemmt direkt die virale DNA-Polymerase. Zu beachten sind die relativ häufigen und schweren Nebenwirkungen, die vor allem durch den nierentoxischen Effekt ausgelöst werden.

Fazit für die Praxis
Als Erstinfektion mit dem VZV stellen die Varizellen eine typische Kinderkrankheit mit meist unkompliziertem Verlauf dar. Komplikationen treten bei bis zu 5% der Erkrankten auf und nehmen mit dem Alter zu. Die Erkrankung des Herpes zoster, die immer durch Reaktivierung des latent im Organismus verbleibenden VZV entsteht, zeigt eine altersabhängige Inzidenz und ist vor allem bei immundefizienten Patienten mit Problemen verbunden. Häufige Komplikation ist die PZN, deren Risiko mit zunehmendem Alter ansteigt. Eine Labordiagnostik ist nur bei atypischen Krankheitsbildern und Komplikationen erforderlich. In diesen Fällen empfiehlt sich der Virusnachweis. Serologische Untersuchungen haben in erster Linie Berechtigung zur Bestimmung des Immunstatus. Zur Impfung gegen Varizellen stehen attenuierte Lebendimpfstoffe zur Verfügung. Sie werden als monovalente oder Kombinationsimpfstoffe prinzipiell in zwei Dosen appliziert. Die STIKO empfiehlt die erste Dosis der Impfung bei Kindern im Alter von 11-14 Monaten und die zweite frühestens 4 Wochen danach. Bei ungeimpften älteren Kinder und Jugendlichen ohne Varizellenanamnese wird eine Nachholeimpfung empfohlen. Mit der Verabreichung des Varizellenimpfstoffes, allerdings mit wesentlich höherer Impfviruskonzentration, ist auch eine Prophylaxe des Zosters bei älteren Personen möglich. Zur antiviralen Therapie schwer verlaufender VZV-Infektionen stehen hochwirksame Medikamente auf der Basis der Nukleosidanaloga Aciclovir, Penciclovir und Brivudin zur Verfügung.


 
Prof. Dr. Andreas Sauerbrei
Prof. Dr. Andreas Sauerbrei
Institut für Virologie und Antivirale Therapie
Konsiliarlabor für HSV und VZV
Universitätsklinikum Jena
 
Hans-Knoell-Straße 2
07745 Jena
 
Tel: 03641/9395700
Fax: 03641/9395702
E-Mail: Andreas.Sauerbrei@med.uni-jena.de

 

Literatur:

1. Arvin A, Gershon A. Control of varicella: why is a two-dose schedule necessary? Pediatr Infect Dis J 2006;25:475-6
2. Breuer J. Vaccination to prevent varicella and shingles. J Clin Pathol 2001;54:743-7
3. Chaves SS, Gargiullo P, Zhang JX et al. Loss of vaccine-induced immunity to varicella over time. N Engl J Med 2007;15:1121-9
4. Chaves SS, Lopez AS, Watson TL et al. Varicella in infants after implementation of the US varicella vaccination.Pediatrics 2011;128:1071-7
5. Hardy I, Gershon AA, Steinberg SP et al. The incidence of zoster after immunization with life attenuated varicella vaccine. N Engl J Med 1991;325:1545-50
6. Leung J, Harpaz R, Molinari NA et al. Herpes zoster incidence among insured persons in the United States, 1993-2006: evaluation of impact of varicella vaccination. Clin Infect Dis 2011;52:332-40
7. Levin MJ. Use of varicella vaccines to prevent herpes zoster in older individuals. Arch Virol 2001;17 (Suppl):151-60
8. Oxman MN, Levin MJ, Johnson GR et al. A vaccine to prevent herpes zoster and postherpetic neuralgia in older adults. N Engl J Med 2005;352:2271-84
9. Pasternak B, Hviid A. Use of acyclovir, valacyclovir, and famciclovir in the first trimester of pregnancy and the risk of birth defects. JAMA 2010;304:859-66
10. Robert Koch-Institut. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (Stand: Juli 2004). Epidemiol Bull 2004;30:235-50
11. Robert Koch-Institut. Hinweise zu Impfungen für Patienten mit Immundefizienz. Epidemiol Bull 2005;Sonderdruck
12. Robert Koch-Institut. Neuerungen in den aktuellen Impfempfehlungen der STIKO. Epidemiol Bull 2005;31:273-6
13. Robert Koch-Institut. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (Stand: Juli 2009). Epidemiol Bull 2009;30:279-98
14. Robert Koch-Institut. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (Stand: Juli 2011). Epidemiol Bull 2011;30:275-94
15. Sauerbrei A. Preventing congenital varicella syndrome with immunization. CMAJ 2011;183:E169-70
16. Sauerbrei A, Färber I, Brandstädt A et al. Immunofluorescence test for highly sensitive detection of varicella-zoster virus-specific IgG - alternative to fluorescent antibody to membrane antigen test. J Virol Methods 2004;119:25-30
17. Sauerbrei A, Sommer M, Eichhorn U et al. Die Labordiagnose des Herpes zoster: Virologie oder Serologie? Med Klin 2002;97:123-7
18. Sauerbrei A, Taut J, Zell R et al. Resistance testing of clinical varicella-zoster virus strains. Antiviral Res 2011;90:242-7
19. Sauerbrei A, Uebe B, Wutzler P. Molecular diagnosis of zoster post varicella vaccination. J Clin Virol 2003;27:190-9
20. Sauerbrei A, Wutzler P. Neonatal varicella. J Perinatol 2001;21:545-9
21. Sauerbrei A, Wutzler P. Das fetale Varizellensyndrom. Monatsschr Kinderheilkd 2003;151:209-13
22. Sauerbrei A, Wutzler P. Labordiagnostik der Varizellen. Kinderärztl Prax 2004;Sonderheft Impfen:18-21
23. Sauerbrei A, Wutzler P. Serological detection of varicella-zoster virus-specific immunoglobulin G by an enzyme-linked immunosorbent assay using glycoprotein antigen. J Clin Microbiol 2006;44:3094-7
24. Sauerbrei A, Wutzler P. Varicella-Zoster-Virus-Infektionen: Aktuelle Prophylaxe und Therapie. Uni-Med, Bremen London Boston 2007
25. Seward JF, Watson BM, Peterson CL et al. Varicella disease after introduction of varicella vaccine in the United States, 1995-2000. JAMA 2002;287:606-11
26. Stone KM, Reiff-Eldridge R, White AD et al. Pregnancy outcomes following systemic prenatal acyclovir exposure: conclusions from the international acyclovir pregnancy registry, 1984-1999. Birth Defects Res Clin Mol Teratol 2004;70:201-7
27. Takahashi M. Development and characterization of a live varicella vaccine (Oka strain). Biken J 1984;27:31-6
28. Wilson E, Goss MA, Marin M et al. Varicella vaccine exposure during pregnancy: data from 10 years of the pregnancy registry. J Infest Dis 2008;197 (Suppl 2):S178-84
29. Wutzler P. Zoster-Vakzine. Klin Monatsbl Augenheilkd 2010;227:384-7
30. Wutzler P, Färber I, Wagenpfeil S et al. Seroprevalence of varicella-zoster virus in the German population. Vaccine 2001;20:121-4
31. Wutzler P, Knuf M, Liese J. Varizellen: Besserer Schutz durch zweimalige Impfung im Kindesalter. Dtsch Ärztebl 2008;105:567-72

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